Techno Couture: Alles, was feiern konnte
Text: Felix Denk

Foto: Tilam Tausb

Frank Schütte war einer der größten Exzentriker der Berliner Modeszene. Mit dem Label 3000 waren Schütte und sein Partner Stefan Loy in den frühen 90ern Speerspitze der Techno-Mode. Im wahren Leben setzt er bis heute auf Camouflage wie ein Chamäleon.

Auf einmal war er weg. Aber wenn einer so präsent war wie Frank Schütte, dann ist er nicht einfach weg, er hinterlässt ein kratertiefes Loch. In den 90er Jahren schneiderte Schütte Miniröcke aus Plastiktüten, Abendkleider aus Polyesterpullis. Sein Label 3000, das er zusammen mit Stefan Loy betrieb, sorgte für Furore. Techno bekam einen aufgedrehten Look jenseits der Armeekleidung. Jeder in der Szene kann eine Geschichte über den exzentrischen Modeschöpfer erzählen.

Inga Humpe ließ sich ein Outfit für ein Video schneidern und knutschte mit dem schwulen Paradiesvogel rum. “Das war ein Mittel der Kommunikation damals”, sagt die Musikerin heute. Frontpage-Chef Jürgen Laarmann erinnert sich an einen Airrave in Las Vegas, wo Schütte ein eigenes 3000-Mineralwasser in die Wüste transportierte. Außerdem erwarb Laarmanns Schüttes Memoiren für 3.000 D-Mark und bekam dafür zehn wirre Seiten voller Rechtschreibfehler. Rainald Goetz verewigte ihn in seinem Techno-Großroman “Rave” als hysterisch gekoksten Typen, der im Irrsinn der Nacht verschwindet.

Unvergessen ist auch sein realer Abgang aus Berlin. Schütte hatte ein Angebot einer großen Modefirma aus Paris und suchte Teilhaber in Berlin. Eine Menge Leute gaben ihm Geld, um die Kollektion vorzufinanzieren. Als diese fertig war, gab er eine Party im Dschungel in der Nürnberger Straße, Modenschau und KaDeWe-Buffet inklusive. Am nächsten Tag verschwand er auf Nimmerwiedersehen aus der Stadt.
Heute nennt sich Schütte übrigens Frank Ford. Angeblich, weil er einfach fort wollte. Neben seinen Schulden hinterließ er eine Menge Gerüchte. Er arbeite in einer Sexshow, berichteten die einen, er wäre mittlerweile eine Frau, andere. Ende der 90er Jahre, und das ist kein Gerücht, begannen Stars wie Courtney Love, Angelina Jolie und Britney Spears Kleider der Firma LoyandFord zu tragen, hinter der tatsächlich Frank Ford und sein alter Partner Stefan Loy stecken. Mitte der Nuller Jahre gingen die beiden aus nicht ganz klaren Gründen nach Ibiza, wo sie eine Boutique betrieben. Mittlerweile sind sie wieder in LA. und haben angeblich auch schon wieder eine neue Firma namens Uniformunion. Natürlich bekommt man jemanden wie Frank Ford nicht einfach ans Telefon. Sechs Wochen dauerten die Verhandlungen für ein Gespräch. Mehrere Termine platzten. Einmal schrieb er, er müsse auf einer Hochzeit in Venedig tanzen, ein andermal, er sei in der Dritten Welt, wo es kein Netz gebe. Schließlich schickten wir ihm ein paar Fragen per Mail, von denen Ford fand, sie seien – fun to answer.

Debug: Wann und warum bist du nach Berlin gekommen?

Frank Ford: 1983, mit einen Köfferchen voll Schulterpolster und meinen Reiterstiefeln.

Debug: Wie bist du in die Techno-Szene gerutscht?

Ford: Das Rutschen begann mit einer selbstbenieteten Jeansjacke im zarten Alter von zwölf, als ich noch Jesus of Nazareth hörte und mein Einnehminteresse an LSD stieg. Dann rutschten wir durchs Punk- und Popperdasein sowie als New-Romantic- und Paradiesvögel herum. Meine Outfits waren oft aus Baumschulen und Fischernetzen. Später kamen dann die ersten Gaultier-Teile – Dem Trend immer voraus. Modebewusstsein war meine Rutsche. In Berlin – vor Techno – waren wir eine kleine Gemeinde. Man kannte sich. Ich glaube, alle Berlin-West-Szene-Ureinwohner landeten in der Techno-Szene. Manche doller und härter, einige im VIP-Raum und andere im Büro oder auf der Tanzfläche, in der Werbung oder wo auch immer. Ich wohnte in einer WG mit der Mitbegründerin des Planet. Also an der Quelle. Dem Jungbrunnen der Clubgründungen. Es fing irgendwie an in “Herrmanns Fenster”. Dann Ufo, Turbine. Acid House war der Durchbruch der Szene und ich tanzte halt ein bisschen und lernte meinen 3000-Partner Stefan Loy kennen. Seine Inspiration und unser damaliges Tanzbein schwangen fast synchron. Our vision made the technolook. Also kam die Mode durchs Tanzen. Und das Technomodetralalatanz von uns. Wir erfanden es in Berlin so wie Xulibet in Paris.

Debug: Wie bist du auf die Idee gekommen, Kleider aus Recycling zu fertigen?

Ford: Aus der Liebe zur Second-Hand-Mode, insbesondere der aus Bulgarien. Der Rote-Kreuz-Afrika-Adidas-Gucci-Look verführte uns. Ich war außerdem Geschäftsführer einer Second Hand GmbH mit vielen Läden, so wie die Garage oder der Colours. Ich kaufte Stoffballen aus den USA und sortierte Lurex near Paris. Wir verwendeten viel Polyesterstrick und Vintagetrikot. Und mochten Holzfäller-Flanell. Vieles davon fand ich im eigenen Sortierbetrieb. Stefan war gelernter Schneider und Model aus Mailand. Inspirationen, Inspirationen, Inspirationen. Es passte zusammen – mit der Mode aus Müll und unserem Vibe. Trashy like Montana auf Acid. Late 80s Afterboom.

Debug: Hat dich die Musik damals, die ja auch stark auf Samples basierte, dazu inspiriert?

Ford: Unsere Musik waren immer die Klänge der Nähmaschinen. Techno und House zum Abschalten und Weitertanzen. 1999 hörten wir viel Hole als wir Courtney Loves Stage Outfits fertigten. Also näht die Musik immer mit. Music inspiriert fast immer. Aber ich lebe mehr mit dem Auge als mit dem Ohr.

Debug: Wie und wo hast du deine Mode gefertigt?

Ford: Zuhause auf Acid. Später im Osten in Kleinbetrieben.

Debug: Techno war von einem anarchischen DIY-Geist beseelt. Jeder konnte Platten produzieren, auflegen, Partys veranstalten. Welche Rolle hat das für dich gespielt, als du ein Modelabel gegründet hast?

Ford: Eine Art Narrenfreiheit. Wir waren auch Narren. Die Mode-Hofnarren. Wir haben uns aber ohne den Techno-Geist gegründet. Am Anfang kauften alte Damen 3000. Die Plastik-Omas der Punkszene. Stefan hat den Slogan “Pornostar” erfunden und ihn nicht schützen lassen. Dafür wird er noch heute von mir geschlagen.

Debug: War 3000-Mode nur für Frauen?

Ford: Nein, auch für Männer. Die Hosen gingen über den Tisch wie bunte Pillen in Ibiza.

Debug: Hattest du eine Muse in der Rave-Szene?

Ford: Meine Muse waren alle After Hours in der Sonne. Stefans kenne ich bis heute nicht.

Debug: Wer hat 3000-Kleider getragen?

Ford: Alles, was feiern konnte.

Debug: Techno hat die Geschlechterrollen durcheinander gewirbelt. Wie hast du die Techno-Frauen wahrgenommen? Wie das Verhältnis zwischen Männern und Frauen in der Szene?

Ford: Bis hin zu Metrosex im Designstudio ging alles. Alle waren schön und sexy. Ob Mann oder Frau, wer weiß es so genau. Frauen waren oft Schwulenmuttis oder irrsinnige Zahnarzthelferinnen. Es war alles dabei. Aber richtig schick war’s nicht. Die britischen Damen der Nacht waren exotischer und unter den Techno Girls mochte ich die amerikanischen Modern Primitives am liebsten.

Debug: Viele Kleider und Röcke waren knöchellang. Sollten das Abendkleider für die Rave-Szene sein? Oder eine Reaktion auf den eher pragmatischen Look von Techno?

Ford: Der lange Rock und das lange Kleid waren eher für den Tag im Büro. Das 3000-Abendkleid war eher kurz und für den Nahkampf im Club.

Debug: Du hast den Begriff Techno Couture verwendet – in Abgrenzung zu Clubwear?

Ford: Ja, zur Abgrenzung der einfachen Techno-Outfits. Es wurde schicker im Backstage.

Debug: Es gab Modeschauen im Limelight und in Osaka. Wie kam es dazu?

Ford: DJ Keoki und Michael Alig haben uns eingeladen. Es gab ja sonst nichts aus Berlin. Sehr nette Clubkids und Killer. Wir hatten eine schöne Zeit.

Debug: Du bist schließlich fluchtartig aus Berlin weg. Warum?

Ford: Es war vorbei und der Osten zu offen, Stuttgart zu nah und ich platt, satt und es wurde eine Pleitenummer. Andere folgten dem Beispiel. Frontpage, Loveparade, E-Werk und so weiter. Ich bin nach LA, dann Ibiza. Zwölf Jahre war ich nicht mehr in Berlin. 2007 habe ich noch mal reingeguckt. Da war aber nichts los. Jetzt sind Loy und ich wieder in Kalifornien – nach zwei Jahren Ibiza-Grandpa-Clubbing. Cheers – done with fun.

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http://www.loyandford.com
http://www.zeitmaschine.org

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Elektronische Lebensaspekte.

18 Responses

  1. frank ford

    wer ist peter loy.und die bemerkungen wie ” angeblich in venedig ” ? ! nichtmal die richtigen namen habt ihr gewust.
    schade ihr haettet cooler sein koennen.
    de bug-de fuck

  2. LHEA

    Frank Ford & his joint owned label LOYANDFORD is a perfect example of high end modern fashion designed for the individual! Both design and production is of the very highest quality. My personal shopping experience at LOYANDFORD was spectacular….second to none in Ibiza and Spain! Frank Ford attitude towards customer service manages to make you feel like a princes for the day thanks to the attention he pours over you abundantly….this sensation lasts every time you wear one of his creations, that many times may have been infact adapted to fit you personally! I could never hear a negative word against this designer nor the brand he owns alongside Stefan Loy – also a absolute gentleman!

  3. Ulrike Hager

    Journalismus at its worst. Von einem Magazin wie De:Bug sollte man eigentlich mehr Seriosität erwarten. Schreibt hier ein verletzter Liebhaber der Rache sucht? Mit guter Recherchearbeit, Wissen und journalistischem Ethos hat dieser Artikel leider nichts zu tun. Auch scheint die Intelligenz des Frank Schütte Fords, die des Autors bei weitem zu übersteigen. Was ein Glück, das dieser in nicht ans Telefon bekommen hat (Frank Ford war in dieser Zeit übrigens tatsächlich in einem Sabatical und hat die Welt bereist, bevor er sein neues Lable startete), man kann nur erahnen welch schlimmes Ende ein persönliches Telefonat genommen hätte. Auch ist „Der hysterisch vollgekokste Typ“ nie einfach spurlos verschwunden, vielleicht hätte man sich die Mühe machen sollen mal die Quelle dieses wohl lancierten Artikels zu recherchieren, der noch immer im Netz spukt, aber dann wäre der einzige Kick dieses belanglosen Stücks ja verschwunden. Sex und Drugs verkaufen sich ja bekanntlich besser, als die Geschichte eines hart arbeitenden Mannes der aus einem Second Hand Laden ein doch sehr erfolgreiches Mode Lable schuf und von Stars wie auch von namenlosen Kunden gleichermaßen verehrt wird weil er nämlich alle wie Königinnen behandelt. Aus den 80ern hat er immer noch eine handvoll sehr guter Freunde, und es gibt sicher nicht viele aus der „Szene“ die das heute behaupten könnten, demnach ist die spurlose Theorie eben auch nur eine vage Vermutung wie so manches hier der wilden Fantasie entspringt. Ist Frank Ford verrückt? Sicher, wie anders hätte er sich ein solches Imperium schaffen können. Es ist schon traurig, dass ausgerechnet aus seiner Heimat ein so dilettantischer Artikel kommt. Hat er verbranntes Land hinterlassen? Wer mit uns die 80er in Berlin gelebt hat und heute noch am Leben ist hat sich irgendwo irgendwann verbranntes Land hinterlassen – wäre er heute noch immer am selben ort oder im Zweifel Tod. Scheinbar sind auch dem De:Bug echte Journalisten abkömmlich und Praktikanten verrichten hier eine mehr als minderwertige Arbeit, die leider auch noch von mangelnder Intelligenz zeugt. Ich hätte große Lust Frank anzurufen und ihn zu bitten diesen Artikel der Rechtsabteilung zu übergeben, wenn in 8 Stunden in L.A die Sonne aufgeht. Mein Respekt vor Ihrem Magazin ist hin.

  4. heike rose

    artikel wie dieser sind der grund warum ich bereits vor jahren das lesen dilettantischer music-fashion-lifestyle-bla mags aufgegeben habe…es macht einfach nur sauer sich so einen stümper-mäßig schlecht recherchierten artikel durchzulesen….de:bug myass….werde doch bitte werbetexter….

  5. okieh

    mensch heiko, stell dich mal nicht so an.

  6. miriam dehne

    was ist das denn für ein trauriger neid – artikel? warum halten die deutschen es nicht aus wenn jemand frei ist? schulden, drogen… oh my god. das stimmt so alles nicht und verschwunden ist frank ford vielleicht auch nur für die , die ihn sowieso nicht kannten.

  7. frank ford

    i should post all the emails between felix denk and me . julisasa ehlers ,anton waldt usw.how they tryed to sneak in to get pictures and did not even knew what they doing . und eure leser sollen euch vertrauen ? but should i be as bad as you guys ? i dont think i can go that low. but its up to you to make a statement on that to be cool or just stupid .
    haettet ihr vieleicht mal persoenlichkeiten befragt die nicht so durchgedreht sind oder bei jeder chance ein pip zu machen sofort was knutschiges sagen weil sonst niemand klingelt.
    dummheit waere ja noch ok. aber boesartigkeit ……….??? wozu . habt ihr das wirklich so noetig. ?
    and dont forgett the spellcheck ! if that is the only check you get . i payed my part ! but that ,of course nobody mentioned . because your small world does not know about that. you dont even have a clue who is who !

  8. frank ford

    there is more to change that just peter loy to stefan loy. ask the laywers later or be in time.
    . meine angebliche neue firma wird euch verklagen. i am not kidding ! check it out ! mail is coming

    mit freundlcihen gruessen
    der schwule

  9. Anton Waldt

    Lieber Frank Ford,

    dass der Text für Irritationen sorgt, ist selbstverständlich bedauerlich und war bestimmt nicht beabsichtigt. Wir kennen Felix Denk als gewissenhaften Journalisten und werden jetzt zusammen mit ihm checken, ob und was da schief gelaufen ist. Nichts für ungut:

    Anton Waldt, De:Bug

  10. frank ford

    you know much better !!! shame on you,felix and even your wife( girlfiend) for trying to sneak pictures out from close friends. i did not know about this de bug articel. . ” there must be a reason why noone from your team contacted me or my public relation office! contactinfo its on the website, oooppppps!!! felix sold me that very differend . he knows and i have the emails . fuern zitty einpaar fragen weil ich der modeguru war??? hahahah

    Rechtschreibfehler.schwulen, gekoksten Typen, der im Irrsinn,Angeblich, weil er einfach fort wollte. Neben seinen Schulden hinterließ er eine Menge Gerüchte, Nuller Jahre gingen die beiden aus nicht ganz klaren Gründen nach Ibiza, angeblich auch schon wieder eine neue Firma ,Einmal schrieb er, er müsse auf einer Hochzeit in Venedig tanzen, ein andermal, er sei in der Dritten Welt, wo es kein Netz gebe. usw usw . iANGEBLICH UND LUEGEN LEUGEN LEUGEN IMAGE . SAG MA SOLL ICH DIR DEIN EIGENEN BERICHT ANALISIEREN . was wollt ihr denn mit dem unterton vermitteln. ?
    ich bin ein schlechter luegender mensch und ihr seit halbwissende redakteure die gern geruechte schreiben und fakten sind nicht so wicthtig ? und was herr felix denk schreibt drucken wir . uns doch egal. wir haben keine moral . fragt doch besser nach den gruenden warum ich in ibiza war und ich sags euch . da war nix unklar ! fuer eure leser ist es unklar weil ihr garkein richtiges interview mit mir hattet. nur einpaar boese worte neben einpaar antworten die anders verpackt wurden .

  11. Ulrike Hager

    Falschdarstellungen, Verletzung der Persönlichkeitsrechte und unzulässige Vorverurteilungen, dazu noch ein Fall von Diskriminierung und das alles in nur einem Artikel. Nicht schlecht. Zumindest sollte man den deutschen Presserat mal mit der Nase drauf stossen. Es ist ja auch nicht das erste mal, dass dies auf dieser Seite hier geschieht. Was kann da nur schief gelaufen sein Herr Waldt? Das sollten sie besser mit akribischer Genauigkeit prüfen. Ich bin mir nicht mal sicher ob eine Gegendarstellung hier noch helfen kann. “Es die Macht des technischen Fortschritts die unterschätzt wird und die Spielregeln der alltäglichen Medienpraxis die sich radikal ändern werden?” – Die Grenzen mögen immer schneller verschwimmen, aber Dummheit kommt immer noch vor dem Fall.

  12. The Game

    Da hilft nur noch Hubschraubereinsatz !!!