Levi‘s und Harmony Korine

In der heute erscheinenden De:bug gibt es einen Text über den Unstil der englischen Unterschichtsplünderer, den der Medienunternehmer und Wallpaper-Gründer Tyler Brûlé vor einiger Zeit in einer Kolumne konstatierte. Was ein Quatsch, finden wir, und schreiben die wirkliche Wahrheit über die Jogginghose. Und über das Verhältnis von Gangsta-Werbung, Gangsta-Verhalten und den anschließenden Produkten, wie etwa das Turnschuhmodell Supernova Riot 3 von Adidas, dem die Ästhetik des Aufstands zur Werbefolie reicht. Und wie, warum und vor allem wann Bilder des Protests gegen die Staatsmacht für Marken interessant zu verwenden sind. Aber lest selbst.

Gestern schrieb Laura Weissmüller in der SZ einen ähnlich gelagerten Text, in der sie auch die gegenseitige Befruchtung aus Markenidentität und den Bildern des Aufstands thematisierte und mit Tom Wolfes Essay “Radical Chic” verschnitt. Ihre Grundlage bildet dieser Werbespot von Levi‘s:

Nun fragt sich auch Weissmüller, ob Entrüstung über Werbung überhaupt jemals interessant sein kann (Wir glauben schon!), auf jeden Fall spannend: „Kurz nachdem der Levis’s-Spot in England zum ersten Mal gezeigt wurde, fanden in London die Krawalle statt. Der Jeanskonzern stoppte den Werbeclip für den englischsprachigen Markt umgehend. Mit dem wütenden Mob wollte man nichts zu tun haben.“ Nun, wo die wirklichen Wogen wieder geglättet sind, darf in der Werbung wieder protestiert werden.

Der Journalist Kito Nedo machte mich gerade beim Mittagessen zudem auf die dreiste Kopie einer Szene des Jeans-Spots aufmerksam. Die Motor-Bootstour auf dem Tisch ist exakt dieselbe wie sie die Künstergruppe die Allora & Calzadilla höchstwahrscheinlich als Referenz auf Bas Jan Ader und seine Atlantiküberquerung in der Nussschalge verwendeten, von der der Künstler niemals zurückkehrte. Wie der Hosenfabrikant das wohl geregelt hat?

Zudem erschien gestern das neue Imagevideo “Snowballs” des amerikanischen Pret-a-porter Labels Proenza Schouler. Auch dort ist ein gewisser Wunsch nach Aufbegehren zu spüren. Harmony „Kids“ Korine hat es gedreht, darin singen freakige Indianerkinder leierig „We love trouble“. Bei Korine geht es ja immer son bisschen um die Kaputtness, Amerika und Adolseszenz. Irgendwie geiler.

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