Auf Blockschrift folgt Batik

Dennis Dorsch in De:Bug 117.

Innervisions T-Shirt

Die Crew um Dixon weiß genau, wo ihr Hammer hängen soll: House. Dass es gar nicht genug “fucking“ sein kann, könnte man angesichts der sauber geschminkten Handtaschenkultur im Berliner Club Weekend, der Hochburg der Innervisions-Welt, fast für eine Anzüglichkeit halten.

Es ist aber nur dem lockeren Mundwerk von Terry Farley geschuldet, dem gestandenen House-Titan aus UK, aus dessen Fanzine Faith Magazine der Spruch entliehen wurde – natürlich autorisiert. House als Schlachtruf in linksbündiger Blockschrift, da trifft sich das “fucking“ doch fast wieder mit dem “Ficken, Bumsen, Blasen“. Ich sehe neue Allianzen auf den Dancefloors der südlichen Partyenklaven.

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Whatever my Dings

Nur der Vollständigkeit halber: Suck my Deck, Minimal my Ass, Techno my Dick, Dick Duck Down – Die Suche nach dem final genitalen T-Shirt-Spruch läuft wohl immer noch.

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Uslu Airlines

Immer mehr Männer sieht man mit Nagellack im Berliner Nachtleben, farblich abgestimmt auf ihre Businesshemden. Das liegt an dem sensationellen Blau-Ton, den die Berliner Nagellack-Designer Uslu Airlines entwickelt haben. Ein Blau wie gut gechlortes Trinkwasser. Da ist es nur folgerichtig, dass sie zusammen mit Rikki Kasso für das Trinkwasser-Charity-Projekt von Finlandia Wodka ein T-Shirt designt haben.

Knutschende Schwäne legen sich federleicht über die Lungenflügel. Kein Wunder, dass das Motiv schon nachgedruckt werden musste. Selten trafen sich guter Zweck (der Erlös geht an die “Deutsche Wasserstiftung“) und gutes Design so reibungslos. Vier weitere T-Shirts von ausgesuchten Designern werden im Abstand von zwei Monaten folgen. Zu erstehen sind sie bei WoodWood/Berlin, Best Shop/Berlin, Anberg/Hamburg und SpielbarTragbar/München.

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Schottischer Saufkünstler

Auf der letzten Berlin Biennale trafen meine Freundin und ich im Rodeo-Club bei einem Freibesäufnis mit Anspruch einen schottischen Künstler mit Renommée und Kilt. Er wollte unbedingt meiner Freundin was auf ihr Muskelshirt malen, das ich ihr aus Hongkong vom Straßenmarkt mitgebracht hatte (auf dem sich ein Enduro-Fahrer in Tigerfell-Blouson in aberwitzigem Tempo in eine der völlig überfüllten Erdgeschosshallen schlängelte. Wau, hatte ich zu meiner Begleitung gesagt).

Die Freundin des schottischen Künstlers versuchte, ihn nach hinten wegzuzerren, er brüllte permanent: “This is art, not love.“ Und malte ein astreines Abrüstungs-Motiv auf das Hongkong-Shirt. Petra-Kelly-Retro. Kombiniert mit einem Batiktuch soll niemand sagen, er hätte es nicht besser gewusst.

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Raf Simons

Für seine Zweit-Linie “Raf“ geht Raf Simons wieder zu seinen punkigen Anfängen zurück. Weil er ein freier Mann mit Visionen ist, weiß er genau, was 2008 noch Punk sein kann: Batik. Batik, Alter. Das muss man ganz tief wirken lassen. Absolut scheußlich. Nur Männer mit schütteren Dreadlocks tragen so was. Absolut hinterm Berg.

Und Raf sieht genau das historische Fenster, die historische Luke, durch die Batik wieder in den Hipster-Himmel gezerrt werden kann. Dazu dann so kurz abgeschnittene Jeans, dass das Taschenfutteral unter dem Beinabschluss rausguckt. Und rutschende Socken von Omi.

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