… wird hiermit ausgemerzt


(Goldene Uhr: Rolex, Jeans: Billionaire Boys Club, Sneaker mit goldenen Senkelspitzen: Puma Clyde Solebox-Edition)

Da ist uns doch bei der De:Bug 124 im Layout ein Fehler unterlaufen. Schwupps ging eine Zeile verloren von Seite 26 zu 27 in unserem Special über das neue Generationsverhältnis, “Alt ist das neue Jung”. Hier deshalb der vollständige Text. Es fehlen nur zehn Worte. Die kann jetzt jeder selbst nachtragen (und auf unseren Schlusskorrektur-Schlendrian fluchen).


(Goldene Schnürsenkelspitze zu goldener Rolex)

Hikmet Sugoer
Streetwear-Limbo statt alt vs. jung

Selbst die Streetwear, der Hort des Ewig-Jugendlichen, sieht längst nicht mehr so jung aus, wie sie mal war. Hikmet Sugoer vom Sneaker-Spezial-Shop “Solebox” gibt Tipps für das Erwachsenwerden als Sneaker-Head. Er selbst bleibt mit seinen 35 Jahren aber ganz gelassen.

Wenn es in Deutschland einen nennenswerten Shop für Special-Edition-Sneaker gibt, dann ist es die “Solebox“ in Westberlin. Hikmet Sugoer ist zusammen mit Bruder Suekret Inhaber und guter Geist des Ladens, in dem Patrice und Oliver Korittke ein- und ausgehen. Bestens vernetzt mit der internationalen Sneaker-Community auf Websites wie Sneakerfreaker oder Crooked Tongues, können sie einem in nullkommanichts die japanische Sonderauflage der Converse/Jam’s besorgen, von denen der deutsche Converse-Vertrieb noch nicht einmal gehört hat. Mit “Solebox“-Exklusivmodellen für Puma, New Balance, Reebok oder Lacoste hat sich Hikmet auch eine unerschütterliche Geschmacks-Reputation aufgebaut. Demnächst stoßen sie mit einem weiteren Laden ins Fashion-Herz von London vor.

Bei seinem persönlichen Stil steckt Hikmet in einem entspannten Streetwear-Limbo. Zwanzig Jahre ziehen an ihm vorbei wie nichts. Eine Auseinandersetzung jung/alt zwängt sich ihm nicht auf. Die T-Shirts von damals trägt er nur nicht mehr, weil er den Gürtel etwas weiter schnallen muss. Dass die Jugend erwachsener gekleidet ist als er, beunruhigt ihn aus seiner Solebox heraus nicht. Der Schwenk weg vom Jugendlichen bedeutet für ihn nicht Altertümlichkeit, aber ein neu erwachtes Traditionsbewusstsein, ein Bewusstsein für alte Werte, die vor der Industrialisierung liegen. Deshalb muss eine Turnschuhsohle aber nicht mit Eisennägeln beschlagen sein, wenn man ihn fragt.

Hikmet Sugoer: Ich sah vor 20 Jahren dramatischerweise genauso aus wie jetzt: Jeanshose, Turnschuhe, T-Shirt. In 20 Jahren wird das auch nicht anders sein. Und ich habe auch einen Beruf gewählt, der mir das erlaubt.

Debug: Adidas legt sogar wieder die 70er-Trainingsanzüge in Blau mit den weißen Streifen auf. Kannst du dir vorstellen, dass das historisch noch weiter zurückgeht?

Es gibt so viele Gruppierungen, die in bestimmten Epochen leben wollen. Ich kenne Leute, die es geil finden, in den 20er, 30er Jahren zu leben, und sich auch so kleiden. Das sind Nischenphänomene, aber sie spiegeln den Trend wider, auf alte Dinge zurückzugreifen, sie zu zelebrieren.

Du trägst dein Leben lang das Gleiche, hattest aber weder als Teenager noch als Erwachsener das Gefühl, altersunangemessen gekleidet zu sein?

Jetzt mache ich mir schon manchmal Gedanken. Als ich heute den knallroten Pullover rausgeholt habe, musste ich mir anhören: Okay, gehst du als rote Tomate durch die Gegend … Ich bin jetzt 35. Ist es von Nöten, die auffälligsten T-Shirts zu tragen, kunterbunte Turnschuhe? Statt eines blau-orangen würde ich jetzt ein blau-weißes T-Shirt nehmen. Kürzlich hatte ich Thomas Gottschalk im Laden. Viele finden seinen Kleidungsstil seltsam und total bescheuert, ich finde ihn ja cool. Aber als er mich fragte, ob die und die Schuhe nicht unpassend wären für sein Alter, er möchte niemals den Spruch hören, das wäre nicht altersgemäß, da musste ich mir ein kleines bisschen Gedanken machen, wie ich wohl manchmal auf die Leute wirke. Mein Bruder hatte letztens einen lila Pullover zu schwarz-lila-farbenen Schuhen und einer lila Tüte an. Die Typen in der U-Bahn haben ihn alle angeguckt, als wäre er vom Mars oder würde zum Tuntenball gehen.

Kannst du was zu deinem Lieblingsoutfit sagen?

Das T-Shirt ist aus organic Cotton. Darauf lege ich als Konsument wert. Das fängt bei den Hühnereiern an. Das Shirt ist verwaschen, dadurch weicher im Stoff. Ein Handtuch muss hart sein, damit es Feuchtigkeit aufnimmt. Aber ein Shirt muss schön weich sein. Baumwolle ist gut, Synthetik müffelt nach einiger Zeit. Billionairs Boys Club, die Marke von Pharrell Williams, ist das einzigste, das mich bei Jeans von Levi’s abbringen konnte. Die BBC-Jeans ist Made in Japan, japanisches Denim. Das fühlt sich cooler an als Made in Usbekistan oder so. Die Puma Clyde habe ich selber kreiert. Nicht die Silhouette, aber die Farb- und Material-Wahl. Wenn man ein Produkt geschaffen hat, fährt in ein anderes Land und sieht es dort bei jemandem am Fuß, das ist eines der größten Komplimente, die man bekommen kann.

Das goldene Inlay hat eine symbolische Bedeutung …

Clyde Frazier war ein Fly Guy. Immer mit Feder am Hut. Zu dem Modell mit seinem Namen passt schwarzes Wildleder am besten. Innen drinnen ist er golden: Heart of Gold. Nach außen hin ist es gar nicht so wichtig, wie etwas aussieht, was zählt, sind die inneren Werte. Das Goldinnere sieht fast kein Mensch. Für den einen wird es nur ein schwarzer Schuh sein, für den anderen ein Schuh mit vielen Details. Genau wie zwischen Menschen.

Und das raffinierte Matching mit den goldenen Schnürsenkelspitzen und der goldenen Rolex?

Das war für mich ein On-top-Packen. Die Sneaker-Sammler matchen meistens Oberteil und Schuh. Ich habe das zugespitzt, indem ich zwar Oberteil zu Schuhen gematcht habe, schwarz zu schwarz, aber on top noch die goldene Uhr zu den goldenen Lace ends.

Das ist die Kombination aus gereiftem Gentleman und Teen-HipHopper.

Es zeigt, dass ich aus dem Alter der G-Shock raus bin. Ich stehe eher auf alte Uhren, auf deutsche Uhren. Helmut Sinn hat sehr schöne Uhren gemacht. Auch bei Schuhen stehe ich mehr auf alte, die Made in West Germany sind, als auf Asien-Produkte. In der Gesellschaft werden ja auch alte Werte wie Freundschaft, Loyalität, Respekt, auch Achtung vor dem Alter wieder großgeschrieben. Das nimmt zu. Es ist wichtig, das ein Wort ein Wort ist.

Siehst du eine Verbindung zwischen der Besinnung auf traditionelle Werte und der Mode?

Beim bewussten Konsumieren. Wie wurden Sachen produziert, aus was für Materialien bestehen sie. Das Geiz-ist-geil-Ding verschwindet langsam vom Markt. Wenn man Dinge ertastet, will man merken, da steckt Qualität hinter.

Das muss aber nicht zu Mittelalter-Märkten führen mit Filz-Joppen?

Das auf keinen Fall. Aber Schuhe aus Pferdeleder, das ist schon meine Welt.

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