Es war live und ich war dabei


(Electro-Hopper mit Medizinmann-Stab: kultisches Ritual der Kultband Deichkind)

Mitten im Popkomm-Trubel stieg gestern, am 9.10.08, das diesjährige MTV Designerama in The Station in Berlin. Die “Music meets Fashion”-Laufstegparty bot exzellenten Anschauungsunterricht in der natürlichen Ordnung der Dinge. Zarte Eleganz kriegt gegen derbe Scherzerei keine Schnitte. Zierliche Gesten werden zur unfreiwilligen Satire, wenn einem jemand polternd auf den Rücken klopft. Deshalb sind auf Klassenfahrten immer diejenigen die Anführer, die rülpsen, und nicht diejenigen, die niemals ihre Ellbogen auf den Tisch legen würden.


(Den aufrechten Gang entwickelt die nächste Generation)

Und deshalb hat es sich auch als halbe Sabotage erwiesen, Deichkind den Laufsteg beim sechsten MTV Designerama beschallen zu lassen. Wenn die Jungs in Lack-kreischendem Barbarenkostüm mit orange-gelben Mad-Max-Perücken und Humpta-Humpta-Choreographie die Brüllaffen machen und MTV-Flaggen schwenken, als würden sie sie gleich verbrennen wollen, bleibt nicht viel Aufmerksamkeit für die eigentliche Hauptattraktion: die Kollektionen von Marcel Ostertag, Marlies Dekkers, Abirato, Ivanahelsinki und Bjork & McElligott. Kleingedruckte Blümchenmuster, beige Fatamorganas in Seide und schmale Unterwäsche mit Bänder-Zauber wurden von den Deichkind-Bierbäuchen geradezu vom Laufsteg gedrängt. Das Publikum klatschte, wenn Deichkind ein Stück beendeten, nicht, wenn eine Kollektion durchgelaufen war.


(Die Schuhe der Stars: backstage in der Umkleidenische von Deichkind)

Bei diesem “Fashion meets Music” hat die Music die Fashion fast aufgefressen. Das war lustig anzusehen, nicht gerade sehr zartfühlend gegenüber den Designern, entsprach aber wohl der natürlichen Ordnung der Dinge (wie man sie von Klassenfahrten kennt). (Und wie sie auch auf fashionlab.de beobachtet wurde.)

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