Unsere Platte des Tages

Aus gegebenem Anlass widmen wir diese Kolumne heute Aaron Carl. Waren die Platten, die der Detroiter auf Mike Banks Label Soul City veröffentlichte vor allem auf deepe soulige House-Nummern mit gelegentlichem Garage-Einfluss gebucht, ließ er 1998 mit “Down” die Katze aus dem Sack und lieferte einen herrlich expliziten Pick-Up-Track irgendwo zwischen Detroit-Booty (oder Ghetto Tech) und wirklich dreckigem House ab. “I wanna go down on you. If it’s the last thing that I do. I wanna go down on you. You make me … shiver”, raunzt Aaaron Carl über einen stoisch marschierenden Beat und diese genauso explizit drückende und am Schritt schubbernde Bassline. Selten hat jemand dem Wort “shiver” einen so Nackenhaare aufstellenden sexuellen Drive verpasst. Aber “Down” ist nicht nur ein Sex-Track, sondern vor allem ein schwuler Sex-Track. Die Lyrics (“I wanna make you scream like a lady. And even though we can’t have babies we can still have fun!”) dürften vor allem im (größtenteils) sexistischen Machismo-Kontext von Detroit-Booty, wo der Track nicht nur wegen des Remixes von DJ Dijital auch ein großer Hit war, für die ein oder andere lustige Verwirrungssituation gesorgt haben. Ein paar Jahre später verwandte Aaron Carl Teile der “Down”-Lyrics noch einmal in dem Track “Homoerotic”. Wer es bis dahin nicht verstanden hatte oder verstehen wollte, musste wirklich einiges an Verdrängungsleistung aufbringen, um die Stoßrichtung von Carls Texten in explizite Hetero-Lust umzudeuten. “Down” war Aaron Carls größter Hit. R.I.P:

Aaron Carl – Down (Metroplex, 1998)

One Response

  1. KID

    Mann ich liebe diese Nummer! Egal ob schwul oder hetero, das ist “Sex on Wax”. Genauso wie die neue Jimmy Edgar.
    R.I.P. Aaron.