Sehr zu empfehlen. Das sympathischste Festival Polens trotzte dem Regen

In Plock herrscht tatsächlich elektronischer Ausnahmezustand. Die Musik, insbesonders die Bässe lassen das idyllische Städtchen mit der schönen, vom Zahn der Zeit allerdings nicht gerade verschont gebliebenen Altstadt erzittern und dass schon seit 24 Stunden.

Nach einem tosenden Eröffnungsfest am Freitag, welches von musikalischen Raketen wie Trentemøller, Chris Liebing, Robag Wruhme, Seth Troxler, Shaun Reeves UND Modeselektor im marineblau leuchtenden Zirkuszelt untermalt wurde, ist Samstag in Plock natürlich niemand müde. Getanzt wird mitten auf dem Dorfplatz direkt neben dem Sitz der städtischen Ordensschwestern, dem Gebäude in dem vor vor 80 Jahren der heiligen Schwester Faustyna der Sohn Gottes erschien und sie bat, ihn zu malen, so wie sie ihn sehe. Eben dieses Bildnis schaut nun herab auf die Tanzenden, die sich davon keineswegs stören lassen. Jung und alt ist versammelt, die Stadt genießt den Überfluss an jungen Leuten, die inzwischen den Brunnen auf dem Platz in ein sprudelndes Schaumbad verwandelt haben. The Rave goes on.

Selbst als es in den Abendstunden anfängt zu regnen, lassen sich die von überall her angereisten Feierwütigen die Laune nicht verderben. Von allen Seiten strömt man Richtung Vistula River, an den sich das Festivalgelände schmiegt, gegen den Regen schützen Schirme, Gummistiefel und der gewiss seit Stunden mit viel Mühe angetrunkene Pegel.

Die Hauptbühne beehren Samstag Jurek Przeździecki, An On Bast von der Red Bull Music Academy, die überall in der Stadt mit Ständen und Workshops vertreten ist, sowie We Love und Pretty Lights, immer mehr Menschen sammeln sich vor der Bühne und trotzen dem Regen. Die Reflexionen der Tropfen auf den regenbogenfarbenen Schirmen sprühen im Strobolicht bunte Tropfen in die Nacht und die Menge tanzt. Als um Null Uhr Dreißig der Mann die Bühne betritt, auf den sie am Meisten gewartet haben, sind die Leute nicht mehr zu halten. Man mag es beschreiben wie man will – Paul Kalkbrenner packt sie sich vom ersten Augenblick, keiner steht mehr still. Der Hang an dessen Ufer das Audioriver stattfindet ist vollgepackt mit regencapestragenden Tanzenden, die Stimmung ist gigantisch.

Fotos: Inken Rauch

Um zwei Uhr fünfzehn entert dann die wesentlich rockiger eingestellte Band The Quemists die Bühne und schrubben mit ihrem roughen Drum And Bass, die glühende Masse auf ein noch höheres Feierlevel. Wem das nicht so gefällt, der schleicht sich durch die torkelnd verirrt übers Gelände wandernden Gestalten Richtung Zirkuszelt und erhascht hier einen Blick auf House Veteran Sven Väth. Mit dem Sand auf dem Boden und der springenden Crowd hat das Szenario durchaus etwas von Ibiza, wären da nicht die einsam herumliegenden Gummistiefel, deren Besitzer sich nun barfuss mehr oder weniger geschmeidig im Scheinwerferlicht bewegen.

Im Hybrid Zelt, welches auch überdacht eben noch Walkner & Moestl feat. Tania Saedi und zuvor Modestep beherbergt hat, gibt sich nun Brownswood Label Boss Gilles Peterson die Ehre. Und hat Spaß dabei. Wie immer mit einer herausragenden Trackauswahl feiert er bis 4 Uhr, bevor er von dem polnischen DJ Maximilian Skiba aus Warschau abgelöst wird. Zur After Hour kann man auch noch weiterziehen, zurück ins Städchen, aber ab ca. 6 läutet das Festival die letzte Runde ein, man ist geschafft. Zeltplätze befinden sich unmittelbar beim Gelände, und auch Hotelzimmer gibt es in direkt am Hang liegenden kleinen und großen Hotels, man hat es nicht weit.

Nicht umsonst ist es seit Jahren das einfussreichste und wichtigste Festival für elektronische Musik in ganz Polen, bei dem sich bis zu 20.000 Besucher einfinden. Das erstklassige Line Up, die netten Menschen und die absolut sehenswerte charmant abgewrackte Kleinstadt Plock, machen das Audioriver zu einem unbedingt besuchenswerten Festival.
Danke, Es war schön!

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