Unsere Platte des Tages

In unglaublich kurzer Zeit, konzentriert auf drei Jahre, hat Beaumont Hannant bahnbrechende Platten veröffentlicht. Zwischen 1993 und 1996 setzte der Engländer wichtige Akzente in Sachen Elektronika. Mit einem umfassenden HipHop-Background wählte er dabei aber einen dezidiert anderen Weg als viele seine Mitstreiter. Technische Innovation, Beat-Science auf der Makro-Ebene, komplexe und abstrakte Soundgebilde waren Hannants Sache nie. Dafür die große Geste, die kanalisierte Implosion eines ganzen Heimstudios mit sehr britischer Rave-Euphorie, viel Hall und Hymnen-Affinität. “Sculptured”, erschienen 1994, setzte der großen Phase des Produzenten ein gefühltes Ende. An dieses Album kam nichts mehr ran, auch nicht ansatzweise. Vocals von Lida Husik, mit der Hannant auch danach noch zusammenarbeiten würde, klar deklarierter HipHop, Gitarren: Beaumonts drittes Album (nach dem beiden Teilen der “Texturology”) führt auch heute noch zu offenen Mündern und Begeisterung. Mit daran Schuld ist die Tatsache, dass der Produzent im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen fast in Vergessenheit geraten ist, die Releases nicht mehr aufgelegt werden und auch nicht digital erhältlich sind. Und auf YouTube findet sich kein einziges Stück dieses legendären Albums.

Wir haben Beaumont Hannant in unserer aktuellen Radiosendung eine halbe Stunde gewidmet. Nicht nur, um uns alle wieder an die Genialität des Musikers zu erinnern … sondern vor allem, weil seine Tracks tief in der Nacht noch verführerischer glitzern.

Beaumont Hannant, Sculptured (GPR, 1994)

Hannant bei Discogs.