So war die Art-Label-Party mit Bloc Party im E-Werk

Bald kommt wieder die große Ernüchterung am Kühlregal: Die hübsch gestalteten Beck’s Art Label Bierflaschen sind langsam alle leer getrunken und weichen über kurz oder lang wieder der Einheitsetikettierung. Den Höhepunkt der seit Juli laufenden Art Label Aktion markierte der vergangene Samstag im Berliner E-Werk, wo die Bremer Biermarke mit 1.200 partyhungrigen und durstigen Gästen feierte. Auf der Bühne standen neben C2C die Indierocker von Bloc Party.


Kunst am Bier

Wir erinnern uns: Im Sommer wurden 90 Millionen Beck’s-Flaschen mit fünf verschiedenen Designs zu Pop-Art-Objekten. Fünf Künstler – M.I.A., Seeed, Anton Corbijn, Boys Noize (zusammen mit dem Aktionskünstler Paul Snowden) und eben Bloc Party – kreierten ihre persönlichen Varianten der Frontetiketten. Das gab nicht nur für den Endnutzer eine lustige Qual der Wahl, weil Abwechslung ja King ist, sondern zeugt auch von kunstsinnigem Engagement im Hause Beck’s. Der Favorit jedes Ravers war fraglos das “Boys Noize Techno Beer” mit Zunge-raus-Smiley. Nach “Aciiieeed” kommt “Biiieeer”.

Die Londoner Post-Post-Punks von Bloc Party haben mit ihrer Labelgestaltung genau den Stil bewiesen, der ihre besten Alben und Songs ausmacht. In Anlehnung an das Cover ihres aktuellen Albums “Four” sehen wir minimalistisches Schwarz-Weiß, umkreist von bunten Neonringen. Für was sollte das sonst stehen, als Bloc Partys Kombination von kühlem, scharfkantigem New-Wave-Gitarrenrock und modernen elektronischen Einflüssen.
Die kleine Retro-Welle, die Bloc Party und andere Bands der Class-of-2005 getragen hat, ist mittlerweile etwas abgeflaut. Während die meisten Indiebands dieser Jahre heute in der Versenkung verschwunden sind, halten sich nur noch diejenigen mit genügend Substanz im Licht der Aufmerksamkeit. Trotzdem: Auch für Bloc Party war ihr neues Album ein kleines Comeback, von dem wir uns am Samstag gerne live überzeugen wollten.

Die grün schimmernden Hallen des E-Werks waren schon rappelvoll, als zunächst ein anderer Act auf der Bühne stand und für Bloc Party einheizte: C2C, ein 4-köpfiges französisches DJ-Kollektiv, das in bester Turntableism-Manier hinter Plattenspielern und Mixern zu Gange war. So haben wir uns die “moderne” Band immer vorgestellt – bloß keine Gitarren. Scratching und Beatjuggling vom feinsten, dazu tolle bunte Visuals an der Frontseite der DJ-Tische, die stark an das Konzept von Mostly Robot erinnerten. Die schweißtreibende Handarbeit von C2C wurde vom Publikum auch lauthals gewürdigt, und bei Hits wie “Intergalactic” von den Beastie Boys flogen ringsum die Arme und Bierbecher euphorisch in die Luft.

C2C in Aktion (Bild: Nils Krüger)

Die Tickets für den Abend konnte man übrigens nicht kaufen, sondern wurden unter unglaublichen 25.000 hoffnungsvollen Fans verlost. Für 1.200 von ihnen hat es geklappt, und die Freude darüber stand dem überraschend homogenen Publikum den ganzen Abend ins Gesicht geschrieben. Besonders in dem Moment, als endlich der Hauptgang serviert wurde: Kele, Russell, Gordon und Matt steigen auf die Bühne und werden gefeiert wie Legenden. Es wird schnell klar, dass die Band vor allem ihre neue Platte an Mann und Frau bringen will, die ganzen Hits ihrer alten Alben “Silent Alarm” und “A Weekend In The City” soll sich die Menge erst mal verdienen. Kein Problem, so lauthals wie der vordere Teil der Halle jeden Song mitinterpretiert. Echte Fans am Start. Das neue Bloc-Party-Material ist wie zu erwarten keine überraschende Neuerfindung, die Band bleibt ihrem Sound treu, und das alleine reicht schon an diesem Abend.

Spaß haben sie auch noch dabei, Sänger Kele kommentiert zwischen den Songs munter das Geschehen. Und als dann noch die großen Lieblingsnummern kommen, “Flux”, “Helicopter” oder “This Modern Love”, ist alles perfekt. Man mag diese Band immer noch ganz gern, irgendwie waren sie immer etwas Besonderes. Ging man etwas näher an die Bühne heran, bekam das Ganze allerdings einen melancholischen Unterton – Kele spielt und macht wie immer, nur sieht er ein bisschen traurig aus dabei. Wie jemand, der in zu kurzer Zeit zu oft auf irgendwelchen Bühnen stand. Das zeigt er nicht wirklich, und es ist nur eine Ahnung. Was aus ihm und seiner Band wird, das wird die Zeit zeigen. Ihr kleines Comeback ist jedenfalls geglückt.

Die Party danach (Bild: Nils Krüger)

Nach dem Konzert ist der Abend noch lange nicht vorbei – in der Halle gegenüber sind die Kühlschränke noch prall gefüllt mit (vielleicht den letzten?) Art-Label-Flaschen und hinter dem DJ-Pult schickt sich Kid Simius an, mit ziemlich ungewöhnlichen und krachenden Beats dem Abend noch die Sahnehaube aufzusetzen. Als wir abziehen, ist die Tanzfläche so krachend gefüllt wie vorher die Konzerthalle. Nun hieß es: tanzen bis zum Morgengrauen, bis das letzte Kunstwerk von der Bierflasche gekratzt war. Hoffentlich finden wir im Späti ums Eck noch noch ein paar Techno-Biere. Spätestens jetzt werden sie zum Sammlerobjekt.

Übrigens: Für alle, die kein Ticket für en Abend ergattern konnten, hat Beck’s ein Kamerateam in die Menge geschickt und in einem 360°-Video einen ganzen Song von Bloc Party festgehalten. Zu sehen auf der Beck’s-Homepage oder hier:

4 Responses

  1. Peter Sendler

    Danke Interwebs! Wegen dir berichten intro, spex de:bug und groove nur noch von unfassbar miesen Promoveranstaltungen, für die es entweder Geld gibt oder bei denen ein generöser wie szeneaffiner Pressemensch ein paar Easy-Jet-Tickets springen lässt, damit ein unterbezahlter Medienprekärer wohlwollend vom Event berichtet. Ein Gutes hat das ganze aber für die Agenturspassten: Es wahrscheinlich nie leichter Bandfotos vor voll stylischen grünen Flaschenwänden irgendwo unterzubringen als heute.

  2. Oliver Bartelt

    Hallo Peter,

    wenn du schon den szeneaffinen Pressemenschen ansprichst, will ich dir auch gerne antworten. Ganz so glamorös, wie du dir meine Arbeit vorstellst, ist sie dann doch nicht – wir werfen weder mit Geld um uns noch lassen wir Easy-Jet-Tickets springen (wo gibts das denn?)…

    Wir versuchen, mit Inhalten zu überzeugen – in diesem Fall haben wir Bloc Party in Berlin für ihr einziges Konzert auf die Bühne geholt, zudem mit C2C und Kid Simius noch zwei Supports. Das ganze “für umme” für rund 1.200 Fans. Beworben hatten sich für die Tickets über 25.000 Leute – freiwillig und in Vorfreude auf das Konzert.
    Wenn du dir die Bilder oben anschaust, wirst du mir zustimmen, dass das E-Werk weder mit Branding vollgekleistert war noch irgendwelche Promos gelaufen sind. Beck’s hat schlicht und ergreifend wieder mal Musik ermöglicht, die so sonst nicht stattgefunden hätte. Ich kann nicht für die Redaktion der DE:BUG sprechen – mit deiner Vermutung tust du aber sowohl ihnen wie uns Unrecht.

    Mag sein, dass es das, was du beschreibt gibt, bei uns allerdings nicht.

    Beste Grüße, Oliver Bartelt

  3. Andy

    Schade eigentlich, das eine Bremer-Biermarke so ein Event nicht in die Heimatstadt holt!

  4. Philipp

    Ich mag Werbung allgemein nicht und solche Aktionen umso weniger.. schade dass das auch an meinem Bild von der de:bug kratzt..