Es war live und wir waren dabei: Nur Rusties Virtuosität überzeugt im Berliner WMF auf voller Länge

Disproportionalität. Dieser eigentlich unsymphatische, weil viel zu mathematische Begriff, könnte die Samstagnacht im Berliner WMF nicht passender beschreiben. Erstens: Die Menge der insgesamt, aber nie gleichzeitig anwesenden, 700 Menschen war disproportional zur Anzahl der potentiellen Clubgänger an einem Samstagabend auf einem der bedeutensten Clubfestivals in Europa. Zweitens: Der zweite Floor, auf dem mit Rustie und Brackles die vielverprechendsten Künstler aus der Gegenwart der britischen Bassmusik auftraten, war, bezogen auf die Menge der Leute auf dem Mainfloor, genauso unproportional.

Doch bekanntlich sollte man anhand solcher Kriterien nicht vorschnell urteilen und so konnte die regelrechte Beat-Flut des jungen Rustie, der mit Abstand beste Acts des Abends, schnell alle Bedenken ob der vielen Unverhältnismäßigkeiten wegspülen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit jagte der Künstler aus Glasgow die Platten und Daten über sein Setup aus Turntables und Macbook und konnte die wenigen Anwesenden im dunklen Obergeschoss des Clubs von Anfang an mit seiner HipHop-Dubstep-Wonky-Mischung in seinen Bann ziehen. Erfrischend waren vor allem seine Skills an den Plattentellern, die er duch schnelles Scratchen und unzählige, unerwartete Breaks unter Beweis stellte und das Tanzen zur Herausforderung werden ließ.

Bei Rustie wird das Abhören zum Sport

Ganz im Gegensatz zum Mainfloor, auf der die Münchener Schlachthof Bronx eine größtenteils durch anarchischen 4-to-the-floor-Bailefunk angetriebene Performance dem Titel “Heat” alle Ehre machte. Zusammen mit den anregenden Visuals des Israelis VJ Sniper konnte man sich mitten im kältesten Winter der letzten Jahre schwitzend und springend tropischen Fantasien hingeben. Zurück auf dem anderen Floor wollten die vom Briten Paul Spymania versprühten Funken der geraden Rhythmen auf niemanden mehr so recht übergehen und hinterließ die zweite Partynacht der Club Transmediale im zwiespältigen Licht.

Schlachthof Bronx wüten bei schlechter Sicht, aber guter Stimmung

Anscheinend bleibt der modernen britischen Bassmusik rund um den Diskursbegriff des Hardcore-Continuums hierzulande immer noch die verdiente Aufmerksamkeit verwehrt. Man kann gespannt bleiben, ob man nicht am kommenden Freitag mit den ebenso im WMF stattfindenden Auftritten von Mount Kimbie und Scuba in diesem Zusammenhang eines besseren belehrt wird.

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