Der Schweizer über sein Debüt-Album, seine Tiga-Connection und die Vorzüge, wenn man Studio und Club im selben Haus hat

Zehn Jahre nach seiner ersten Maxi “Studioschwein” hat Gregor Schönborn aka Crowdpleaser just sein Debüt-Album veröffentlicht. Gut Ding will eben Weile haben. Der Genfer hat sich nie stressen lassen. Pro Jahr ein, zwei Releases, gerne gemeinsam mit befreundeten Produzenten, das muss reichen. Nach Maxis auf Mental Groove, Drumpoet Community, Cheap oder Third Ear hat er mit seinem Album auf Tigas Turbo eine neue Label-Heimat gefunden. Und auch die zehn Tracks auf seinem Longplayer-Debüt sind gut abgehangene, Disco und, ähm, World Music-affine House-Tracks. Ein Grund mehr, ihm ein paar Fragen per Mail zu schicken.

Dass dein Debüt-Album auf Tigas Label Turbo erscheinen würde, war ehrlich gesagt eine kleine Überraschung. Stilistisch hätte es z.B: auch sehr gut zu Drumpoet Community gepasst. Wie kam es dazu?

Das Album habe ich ohne irgend ein Label im Kopf zu haben fertig produziert. Ich kenne Tiga seit langem, wir legen gerne zusammen auf und er hat ein paar meiner Tracks für seine Mixe lizensiert. Sogar schon einen Track, noch bevor ich überhaupt Crowdpleaser hieß. Wir haben schon öfter darüber gesprochen, mal was auf Turbo rauszubringen. Von den drei Labels, an welche ich das Album dann geschickt habe, war eines Turbo.

Sind die Stücke in einem Guss entstanden, oder hast du Tracks aus unterschiedlichen Phasen zusammengefügt? Hattest du eine Idee, welche Stimmung das Album transportieren sollte (es klingt sehr sommerlich)?

Alle Stücke sind letzten Sommer in einem Zeitraum von etwa 4-5 Monaten entstanden. Da mein Studio unter meinem kleinen Club liegt, gehe ich oft direkt nach einer langen Nacht zum Musik machen nach “unten”. Da kann es schon zu einer gewissen sommerlichen Leichtigkeit kommen. Andrerseits kann ich natürlich alle meine Produktionen sofort auf einer lauten Clubanlage testen, was für mich ideal ist. Ich wollte alles sehr offen produzieren und die Tracks ihren “eigenen” Weg finden lassen, nur so kann ich ein für mich homogenes Album produzieren ohne das ein Track zu stark oder zu schwach ist. Da ging es mir eher darum, das vom Aussterben bedrohte Album-Format kohärent zu füllen als darum, eine gewisse Stimmung zu vermitteln.

Wie kam es zu der Kollaboration mit Wamian Kaid?

Wamian wohnt zwei Häuser weiter in der selben Straße wie ich. Die instrumentale Version hatte ich bereits fertig als ich Ihn das erstemal auf einer Party singen hörte. Ich war natürlich begeistert. Habe ihm dann anschließend den Track gebrannt und er fand ihn gut. Zwei Wochen später kam er zu mir ins Studio und wir haben in weniger als einer Dreiviertelstunde seine Worte und Stimme aufgenommen. Das Stück war danach fertig.

Was macht eigentlich dein Label Mental Groove?

Mental Groove ist doch nicht mein Label, tssss… Ich habe zwar viel Musik da raus gebracht und auch eine Zeit lang mit Schönwehrs die Grafik gemacht, aber das Label gehört Oliver. Wir treffen uns regelmäßig, reden aber nicht mehr über Musik.

Seit deiner ersten Maxi “Studioschwein” sind zehn Jahre vergangen. Hat sich deine Art, Musik zu machen, seitdem merklich geändert? Gibt es ästhetische Grundüberzeugungen, zu denen du immer wieder zurückkehrst?

Ich versuche nach wie vor die Musik zu machen, die in mir drinnen steckt. Ich denke den Humor habe ich beibehalten. Ich aber seitdem sehr sehr viel mehr Musik gehört, was natürlich seine Narben hinterlässt.

Wenn du nicht gerade auflegst oder produzierst, bist du Grafik Designer. Überschneiden sich diese beiden Bereiche beim Musikmachen manchmal? Hat Produzieren eine wichtige visuelle Komponente für dich?

Irgendwie kreuzt sich im Hirn ja eh alles. Ich habe den Dancefloor erst kürzlich mal in einer Vision als eine “grosse” DINA4-Seite gesehen, haha… Ich denke, ich versuche in beiden Bereichen die selben Werte so kompromisslos wie nur irendwie möglich zu verticken.

Was steht als nächstes an?

Ich arbeite gerade an einem Buch über die Filme des Schweizer Künstlers Philippe Decrauzat und an einem Remix für Chromeo, für welchen ich jetzt los ins studio muss, da ich ihn noch heute abend zum Mastering schicken muss.

Turbo CD 030 — Crowdpleaser by Turbo Recordings

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