Experten diskutieren über die Frage, wie technische Entwicklungen Musik beeinflussen können

Lauter Hinterköpfe, die sich zur einen und zur anderen Seite hin bewegen und starr in Richtung des Podiums blicken, prägen die Sicht, abgestandene Luft erschwert die Konzentration, gelegentliche Lacher sollen daran erinnern, dass trotz aller Intellektualität der jugendliche Esprit noch nicht abhanden gekommen ist.

Es ist Mittwochabend auf dem Club Transmediale und die Abschlussdiskussion mit dem Thema “How technology affects music” erwies sich als interessanter Querschnitt philosophischer und technischer Betrachtungsweisen der Frage, inwiefern die technologische Evolution die musikalische beeinflussen kann und umgekehrt. Mit Gästen wie Robert Henke alias Monolake, dem Turntable-Künstler sowie künstlerischen Leiter des STEIM-Institus Takuro Mizuta Lippit alias DJ Sniff, Christopher Salter und dem innovativen Prozesskünstler Yutaka Makino, hatte man international renommierte Experten geladen, die täglich mit den Chancen und Risiken der Schnittstelle von Musiker und Technik konfrontiert sind.

Alle waren sich zu Beginn darüber einig, dass eigentlich ständig eine gegenseitige Beeinflussung zwischen dem Musiker und seinen Instrumenten besteht, da, wie Salter betonte, ohnehin eine konstante Interaktion besteht, wenn beispielsweise ein Künstler mit Ableton Live seine Musik performt oder produziert. Eine weitere Frage bezog sich auf den Umstand, inwiefern der Missbrauch von Technologie für die Kunst förderlich sein kann. Und frei nach dem jamaikanischen Motto “every spoil is a style” waren sich alle darüber einig, dass genau diese von den Entwicklern unintendierten Eingriffe wie z.B. das erstmalige Scratchen von Platten, Innovationen ermöglichten. Denn sobald der praktische Nutzen eines Gerätes obsolet wird, werden neue Möglichkeiten freigesetzt. Robert Henke amüsierte das Publikum in diesem Zusammenhang mit einer lustigen Anekdote aus den 90er-Jahren, als er von jemanden berichtete, der in seinem Studio auf dilletantische Weise eine 808 direkt ins daraufhin extrem übersteuernde Mischpult steckte, um eine fette Techno-Bassdrum zu erhalten. So sehr dies auch dem professionellen Ingenieur die Haare zu Berg stiegen ließ, jeder weiß mittlerweile um die Macht eines kräftigen Bassfundaments.

Als weniger konsensfähig erwies sich schließlich die Frage nach der Zukunft der technischen Innovationen auf musikalischer Ebene. Während DJ Sniff lediglich auf die, ohnehin nicht zugängliche, militärische Forschung verwies, wurde Henke etwas konkreter, indem er von den längst noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten der Wave Field Synthesis schwärmte, mithilfe derer es bereits möglich ist, über eine Entfernung von 500 Metern bestimmte Sounds zielgenau zu projizieren. Vor allem in Bezug auf die vorauseilende 3D-Technik des Kinos gebe es hier noch erheblichen Aufholbedarf. Als zum Schluss aus dem Publikum sich jemand, ganz 90er, über die Institution des Laptopmusikers echauffierte, konterte Christopher Salter mit einem Zitat, dem angesichts unserer täglich gegenwärtigen Bilderflut und dem Zwang zur Authentizität in Zukunft noch mehr Bedeutung beigemessen werden sollte: “Maximize energy, minimize imagery.”

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