Prelistening und Interview zum Release des Albums "Wander" auf Haunt Music

Photo by Steffi Rossol

Morgen stellt DeWalta sein gerade bei Haunt Music erschienenes Album “Wander” bei UR Wedding in der Fiesere Miese vor, und das nahmen wir zum Anlass ihn über die Hintergründe von “Wander” auszufragen. Wenn ihr während dem Interview das Album hören wollt, komplettes Prelistening ist am Ende des Interviews.

DeBug: Ist der Titel des Albums als Wortspiel auf Meander und im Sinne von “schlendern” zu verstehen? Wenn ja, was ist für dich das Schlendernde an dem Album?

DeWalta: Ganz im Gegensatz zu anderen bisherigen Singles 12″ Platten, die ich in Vergangenheit veröffentlicht habe, steht bei diesem ersten full-length Album kein konkretes Konzept im Mittelpunkt, sondern es war mir ein Anliegen viele verschiedene Aspekte von Musik zu verbinden. Wie man ja hört, versuche ich auf “Wander” verschiedene Stile, verschiedene Produktionsweisen, Recording, Kollaborationen und ganz generell recht Unterschiedliches auf einer Platte zu vereinen. Das unterschiedliche Material dazu stammt teilweise von alten “Jazz-Uni-Eißler-Zeiten” und ist aber auch teilweise ganz neu hinzugekommen. Es verbindet also auch einiges aus meiner musikalischen Vergangenheit und Gegenwart.
Als ich also über den Titel des Albums nachdachte, kam mir immer wieder der Gedanke eines freien Suchenden, der mal hier und mal da hineinschnuppert. In den vergangenen Projekten, war ja doch immer ein klarer elektronischer DeWalta-Stil im Vordergrund. Auf “Wander” ist es, als ob man in einer Nacht von einer Jazz Bar zu einem Hiphop-Jam und am Ende auch in einen Techno-House-Club geht und eben verschiedene Musik hört.

DeBug: Wie kommt es, dass es nicht auf Meander rauskommt?

DeWalta: Ich arbeite viel mit Haunt und dachte schon länger über ein Album auf Haunt nach. Auch wenn man ein Album evtl. auf Meander oder Vakant erwartet hätte; ich war ja in die Entstehungsgeschichte von Haunt von Anfang an involviert und sehr interessiert. Das Label entstand als Platform für elektronische Musik, die vor allem mit akustischen Aufnahmen mit Musikern produziert wird. Jazz spielte da von Anfang an eine ganz wichtige Rolle! Wir trafen uns also regelmäßig im Studio um Material aufzunehmen, sei es Saxophon, Kontrabass oder Schlagzeug. Hinzu kam noch, dass das Label nun von K7! vertrieben und unterstützt wird. Somit war Haunt das bessere und passendere Zuhause für ein größeres Projekt wie ein Album.

DeBug: Es gibt viele Kollaborationen auf dem Album, hast du schon öfter vorher so gearbeitet (und wir haben es einfach übersehen) oder war das für dich auch ein Anreiz bei der Produktion eines Albums und was hat es für dich am Sound verändert?

DeWalta: Ich bin immer offen gewesen gegenüber Kollaborationen, oder anders; ich kollaboriere im Prinzip ständig! Musik machen ist und war für mich immer etwas gesellschaftliches oder soziales. Man spricht darüber, spielt sich Dinge vor ect. Am Anfang gab es ja DeWalta & Aquatic, dann ein paar Solo Platten, aber auch die allerersten Schritte im Studio machte ich mit einem Freund und hervorragendem Pianist aus der Uni vor einigen Jahren.
Bei dem Album wollte ich jedoch weiter gehen und dachte mir, dass man speziell dafür mehr Raum für Features, mehr Platz für Musiker und Instrumentalisten schaffen könnte. So kam ich auf Achim Hilgert, meinen Bassist von eh und je, André Seidel, Judith Ahrends und schliesslich auch über kanadische Freunde auf MC Joga.
Natürlich verändert das ganz klar den Sound einer Produktion und es war mir immer sehr wichtig, diese beiden Welten so gut wie möglich zu verbinden, so dass es als Ganzes am Ende harmonisch und passend klingt und nicht wie eine Techno-Produktion, die nun auf einem Album Musiker featured oder andersherum. Es war mir extrem wichtig, in beiden Seiten (sei es Jazz und Techno oder House) irgendwie ehrlich zu bleiben, aber auf jeden Fall etwas Neues zu schaffen, einen DeWalta-Focus zu behalten und eine stimmige Mischung zu schaffen, ohne die Platte anmaßend oder hochgestochen klingen zu lassen. Da spielte auch viel Engineering-Arbeit eine sehr große Rolle.

DeBug: Würdest du sagen, dass Jazz auf dem Album, obwohl ja auch deine Herkunft, jetzt eine noch wichtigere Rolle spielt?

DeWalta: Ja, ich denke das könnte man so sagen: Jazz aber auch Funk und Hiphop oder ganz generell; nordamerikanische Musik des 20sten Jahrhunderts spielt zumindest auf dieser Platte mehr eine Rolle als sie es sowieso schon tut.

DeBug: Was war dir bei der Integration von Vocals wie auf “Keep On” oder auch dem Rap auf “Barksdale” besonders wichtig?

DeWalta: Wie schon oben erwähnt war es mir extrem wichtig die Musiker und den MC in einer DeWalta-Produktion zu verbinden. Ich wollte einen neuen Mix erschaffen, der verschiedene Welten in Musik verbindet. “Barksdale” ist ja kein ordinärer Hiphop. Es sollte ein neuer Sound her der an Altes erinnert, damit spielt aber von heute stammt. Dafür spielte zunächst die Instrumentierung eine Rolle sprich Synths aus dem Modularsystem, Prophet 5, Moog, Jomox-Beats, ect. Alles voll-analog. Aber auch das Engineering, der Mix, Kompression, gute Ohren und feine EQs spielten eine sehr sehr große Rolle bei diesem Projekt.

DeBug: Was hat dich bei der Produktion am meisten Zeit gekostet?

DeWalta: Am meisten Zeit hat mich speziell das Engineering, der Mix, der Sound des Albums gekostet. In den letzten Jahren habe ich mich viel mit der technischen Seite einer Produktion beschäftigt, losgelöst vom Geschmack oder Musikstil. Ich arbeite auch zunehmend als Mixing-Engineer oder reiner Techniker (z.B. kompletter Mixdown des Albums “Rogue” von Tolga Fidan auf Vakant). Dort werden dann Dinge wie Psychoakusik, die Dreidimensionalität, Weite oder auch Offenheit einer guten Produktion sehr wichtig. Die kleinen feinen Unterschiede eines Mixdowns waren mir extrem wichtig und machen auf diesem Album einen großen Unterschied. Ich denke der Klang und der Sound dieses Albums ist recht gut geworden. Man sollte sich es mal auf guten Boxen, laut anhören und auf den Mix achten.

DeBug: Ist “Machine Soul” am Ende so eine Art Motto für das Album?

DeWalta: “Machine Soul” entstand aus einem Jam mit meiner alten Band von vor einigen Jahren, aufgenommen im Proberaum. Dieses etwas rohe “Live-Gefühl” war schon auf den Aufnahmen und dem Material vorhanden und ich wollte es in der Produktion unterstützen. Vielleicht könnte man es als Motto dieser Platte sehen. Es war immer als letzter Track und als ausklingen und “Wiedersehen” gedacht… Es vereint wohl viel in sich, was vorher auf dem Album passiert.
Schlussendlich sehr richtig: Ich denke diese frage kann man wohl mit “ja” beantworten :-)

DeBug: Trittst du mit dem Album auch live auf, wenn ja in welcher Konstellation?

DeWalta: Bisher sind ein paar live Gigs geplant, vor allem nun schon bald im Fabric in London im Juli, in Russland und im Watergate in Berlin im August. Da die Logistik und Zeit es nicht anders zulässt, werde ich wohl in diesem Fall Solo mit Geräten auftreten. Falls jedoch Interesse seitens Clubs und Veranstaltern besteht auch in einer größeren Formationen aufzutreten ist das natürlich möglich.

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