Silver Apples Of The Moon Revisited

Text & Bild: Tim Caspar Boehme

Morton Subotnick im HAU 1, Berlin, 31.1.2011 Eröffnungskonzert Club Transmediale
“Silver Apples of the Moon Revisited“

Das kann man durchaus mal einen amtlichen Auftakt nennen: Morton Subotnick, amerikanischer Synthesizer-Pionier der ersten Stunde, gab sich mit seinen immerhin 77 Jahren die Ehre und eröffnete die zwölfte Edition des CTM. Auf dem Programm stand sein legendäres Synthesizer-Werk “Silver Apples of the Moon“, mit dem er 1967 aus dem Stand einen Klassiker der elektronischen Musik (und Klassik-Charterfolg) hinlegte. Jetzt gestattete er also einen zweiten Blick auf seine bis heute bekannteste Komposition. Den damals von Don Buchla entwickelten Modular-Synthesizer hatte er für dieses Konzert in einer neuen Version mitgebracht, bei dem er die analogen Signale sowohl über den Computer via Ableton als auch per Mikrofon-Interface mit der eigenen Stimme kontrollierte.

Parallelen zum Original gab es reichlich, seien es die tierstimmenartigen Zirpsignale am Anfang oder die später einsetzenden, durchgehenden Pulsrhythmen, die man als unbeabsichtigte Prototypen von Techno verstehen kann. Doch ansonsten war deutlich zu merken, dass Subotnick das Stück live spielte, ohne vorgefertigte Elemente, die Musik entstand in Echtzeit und würde nicht noch einmal exakt genauso gespielt werden können. Auch wenn die Vorlage der Musik schon mehr als 40 Jahre alt ist, wirken die “Silver Apples“ heute immer noch unvermindert, äh, frisch und können in ihrer fremdartigen Klangsprache selbst elektronikgewöhnte Ohren nach wie vor elektrisieren. Subotnicks urtümliche High-Tech-Sprache bleibt in ihrer synthetisch vermittelten Körperlichkeit weiter einzigartig und offen und auf sehr direkte Weise ansprechend. Die von der koreanischen Pianistin SooJin Anjou beigesteuerten Klaviertöne standen da zunächst etwas für sich im Raum, kamen aber dank Computerbearbeitung bald mit den anderen Klängen in Dialog. Und Lillevans abstrakte Videoarbeiten fügten der Musik zwar keine weitere Bedeutungsebene hinzu, passten sich dafür aber dynamisch bestens ins Geschehen ein. Ein echtes Geschenk von Subotnick!

Club Transmediale

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