Es war live und wir waren dabei: im Festsaal Kreuzberg

Hype Williams


Am Donnerstag hieß es Halbzeit für den Club Transmediale, und das Programm steigerte sich langsam seinem Höhepunkt entgegen. Im Festsaal Kreuzberg standen an diesem dritten Festivaltag schon einige Hochkaräter auf dem Programm, allesamt junge Newcomer auf dem Weg vom Geheimtipp zu weltweitem Fame.

Den Abend im wie schon die Tage zuvor bestens gefüllten Festsaal eröffneten Hype Williams, eine hoch gehandelte Zweier-Combo aus London, die mittlerweile nach Berlin übergesiedelt ist. Nach ein paar Minuten bemerkte das Publikum schließlich, dass die zwei Gestalten, die gerade ihre abgewetzten alten Synthesizer und Keyboards hochfahren, die erste Band sind und ein Konzert spielen. Das heißt, eine hypnotische Performance aus verspulten, sehnsuchtsvollen LoFi-Beats, Noise-Modulationen und Drones.


Zwischendurch gastierte noch eine Art Voodoo-Priester mit einem schwarzen Jesukindlein auf der Bühne und Dean, der Mann mit der Alu-Mütze, quäkte mit einer Melodica eine ganze Weile durch die Zuschauerreihen. Die Reaktionen reichten von ungläubigem Staunen bis zu zufriedenem Kopfnicken. Beeindruckender Sound und ein grandioser Auftakt.

Raime


Next in Line: Raime, zwei junge Männer aus London, die mit ihrer Neuinterpretation vom Minimal Wave und Industrial der frühen 80er immerhin vom Fact Magazine als einer der “10 artists to watch in 2011” gehandelt werden. Nach einiger Verzögerung – der Beamer zickte – begannen sie ihr Set, verkrochen sich hinter ihrem MacBook und kamen auch nicht mehr wirklich dahinter hervor. Eine eher blaße Vorstellung, zwar hochatmosphärisch, aber zu eintönig und ohne wirkliche Höhepunkte.

Dorian Concept


Ein Maschinengewehr-Feuer an Höhepunkten lieferte dafür Dorian Concept ab, wie man es von dem jungen Wiener gewohnt ist. Mit einer guten Portion Hyperaktivität daddelte sich der sympatische Bubikopf und Flying Lotus-Homeboy die Finger wund und brachte die Menge schonmal für später in Form. Bald erscheint seine EP auf Ninja Tune, und Dorian Concept ist für uns definitv einer der wahren artists to watch für die Zukunft.

Pariah


Dann die Krönung des Abens, Pariah! Es war etwas unklar, ob der junge Brite, der im letzten Jahr mit seinen zwei R&S-Releases einen ähnlich fulminanten Start wie James Blake hingelegt hat, live spielen oder nur auflegen würde. Die Enttäuschung war deshalb bei manchen zunächst relativ groß, als er sein sehr House-dominiertes und gerades Set mit Kozes “Blume der Nacht” eröffnete. Auflegen kann der Junge dennoch superb, im Handumdrehen verwandelte er den Konzertraum zum euphorischem Club mit brechend vollem Floor. Mit seinem Überhit “Detroit Falls” beendete er nach gut zwei Stunden dann seinen Dienst. Well done, alle zusammen.

5 Responses

  1. automat

    Hier eine weitere Review der Veranstaltung mit Videos und Texten zu einzelnen Events, unter anderem Modeselektor live @ Maria am Ostbahnhof und der Hyperdub Night im Berghain.