"Fehler machen mir nichts aus."

Giorgio Moroder - Performance

Gorgio Moroder ist zweifelsohne einer der ganz Großen der elektronischen und der  Discomusik. Verantwortlich für den futuristischen Vibe in Donna Summers “I Feel Love” und “Love to Love You Baby”, definierte Moroder die Musiklandschaft in den 70er Jahren von seinem Münchner Studio aus völlig neu. Süddeutscher Hedonismus an Düsseldorfer Kraftwerkreferenzen – Musikkenner sezieren seit Jahrzehnten seine Einflüsse, sowie den Einfluss seiner Musik auf kontemporäre Loops. Sein letzter Aufschlag in der Popkultur ist sicherlich die Zusammenarbeit mit den französischen Elektronikavantgardisten  „Daft Punk“.

Moroder hat mit vielen weiteren Künstlern gearbeitet – doch sein größter Hit ist “Together in Electric Dreams”, die Zusammenarbeit mit Human Leagues Phil Oakey – und umfasst Soundtrack Arbeiten für Hollywood Filme wie „Midnight Express“ und „Top Gun“. Im Vorfeld seines Auftritts bei der diesjährigen Red Bull Music Academy, hatten wir  die Möglichkeit mit Moroder per Telefon seine unglaubliche Karriere zu skizzieren..

Giorgio Moroder - Performance

Ich finde es interessant, dass die kommende Red Bull Music Academy Show dein erster DJ-Gig ist.

Es ist jedenfalls das erste Mal in Amerika. Im letzten Jahr habe ich so etwas ähnliches wie einen 12 minütigen DJ-Gig auf einer Louis Vuitton Show gespielt. Und dann gab es noch eine kleine DJ Show für Elton John in Cannes. Aber dieser Auftritt wird der erste sein, auf dem ich Instrumente einsetze – und einige Vocoder.

Ich glaube die meisten Menschen würden nicht erwarten, dass jemand, der so  große Dance-Hits hatte, niemals als DJ aufgetreten ist. Warum bist du in den  70er Jahren kaum in Clubs gegangen?

Na ja, ich war in einigen Clubs, aber ich bin nicht wirklich ein Nachtmensch. Ich arbeitete bis zehn, elf oder 12 in der Nacht, und dann war ich halt  müde. Du hörst den ganzen Tag den gleichen Song – na ja, nicht unbedingt den gleichen- aber diese schweren Rhythmen – Ich war letztendlich froh, nach Hause zu gehen und zu entspannen. Aber manchmal, vor allem in München, wenn ich einen neuen Song hatte, dann gab ich das Band einem Freund, der ein DJ in einer Diskothek war, um die Reaktion der Leute zu sehen.

Giorgio Moroder, und sein erster DJ Auftritt im Rahmen der Red Bull Music Academy. Zugegeben, er hatte einen „musikalischen Direktor“ an seiner Seite, der ihn durch die Welt der Potys und Serrato-Feinheiten lotste. Als Moroder aber zu seinem Mini-Klavier griff gehörte das Output in Brooklyn ihm allein. 

DJ Set: http://www.rbmaradio.com/shows/giorgio-moroder-live-at-deep-space

Ich hab gesehen, dass du im letzten Jahr auf Soundcloud Musik gepostet hast? Kannst du erklären, weswegen du diese Plattform nutzt?

Ehrlich gesagt, war ich es gar nicht, der das getan hat. [Lacht] Jemand postet dort in meinem Namen, ich weiß nicht genau, wie das im Einzelnen abläuft. Bis jetzt hat sich allerdings noch keine Plattenfirma beschwert. Die alten Songs bringen ohnehin kein Geld. Also ist es schön, dass die Menschen die Songs anhören können.

Ich las kürzlich, dass einige deiner frühen Werke tatsächlich neu herausgebracht werden.

Ja, auf einem britischen Plattenlabel. Ich weiß nicht viel darüber, aber sie veröffentlichen wirklich altes Zeug. Ich bin gespannt darauf,  was es letztendlich ist. Ich hoffe, dass sie sich die besten Songs raussuchen.

Giorgio Moroder - Performance

Welche deiner Arbeiten gefallen dir am meisten, abgesehen von deinen größten Hits?

Ich hatte einen großen Bubblegum-Song, den ich weiterhin noch sehr gerne mag, “Looky, Looky.”. Ich hab ihn vor ein paar Tagen gehört und dachte, dass es kein schlechter Song sei. „Looky Looky“ war ein Hit in Frankreich, Spanien und Italien. Und dann war da noch “Son of My Father”, wo ich zum ersten Mal einen Synthesizer verwendet habe. Der Song wurde von einer Gruppe namens Chicory Tip gecovert, aber meine Version schaffte es in die Top 40 in Amerika.

Ich weiß, dass Synthesizer damals etwas launisch waren. Hattest du Probleme mit der Technik?

Der Moog, mit dem ich arbeitete,  war ständig out-of-tune. Es war wirklich eine Qual, mit ihm zu arbeiten. Er verfügte natürlich über wunderbare Sounds, aber heutzutage ist der Umgang mit Synthesizern viel leichter. Er ist jetzt immer in-tune und du kannst länger als eine Minute spielen, bevor du ihn erneut einstimmen musst.

Giorgio Moroder - Lifestyle

Eine der Geschichten, die ich immer über Donna Summers „Love to Love You Baby“ gehört war, dass der Labelchef, Neil Bogart dich anrief, nachdem du ihm eine Drei-Minuten-Version geschickt hast und dich darum bat, eine viel, viel längere Version zu basteln. Wie lief das ab?

Es gibt da mehrere Geschichten, um ehrlich zu sein. Und ich weiß nicht, welche wahr ist. Er rief mich um 3 Uhr morgens an und bat mich, den Song zu verlängern. Er sagte, dass er eine Party in seinem Haus hatte, dort die Single-Version spielte und dass die Leute den Song immer und immer wieder hören wollten. Er dachte, dass war eine tolle Idee – also setzte ich sie um. Das war das entscheidende Element, was den Song zu einem Welthit gemacht hat.  Ich habe das gleiche dann bei „From Here to Eternity“ gemacht und es ist ziemlich interessant, wenn du einen Song-Flow über 17, 18 oder 19 Minuten hast und das Lied mehre Stile und Stadien durchwandert, es sich letztendlich aber um das gleiche Song handelt.

„Ich war eigentlich sehr zufrieden damit, zuhause meine Kreuzworträtsel zu lösen. Dann kamen Daft Punk, und haben mich wieder auf die Bühnen dieser Welt geworfen.“ Giorgio Moroder spricht im Rahmen der Red Bull Music Academy über die Zusammenarbeit mit Daft Punk, und warum er in Donna Summers Superhit „I Love To Love“ noch mehr Stöhnen einbauen wollte. Und das ist nur der Anfang.

Du bist auf dem neuen Album von Daft Punk zu hören. Wie war die Arbeit mit ihnen?

Es war großartig. Ich habe nicht wirklich in dem Sinne mit ihnen gearbeitet, dass wir zusammen im Studio waren. Sie haben mich nur gefragt, ob ich etwas über mein Leben erzählen könnte. Also setzten wir uns drei Stunden lang in ihr Pariser Studio. Sie gaben mir das Konzept des Albums, aber nicht wirklich Informationen über das Lied. Ich habe den Song das erste mal vor ein paar Tagen gehört und ich bin wirklich erstaunt, wie gut sie meine Stimme in ihre Musik integriert haben. Sie waren sehr professionell, sehr detailorientierte Jungs.

Ich sah vor kurzem ein Video, wo du erwähntest, wie sehr sie auf Details und Kleinigkeiten achten.

Sehr. Zum Beispiel die Art, wie sie mit dem Vocoder umgehen. Er ist eines ihrer wichtigsten Instrumente, und – wie sie mir sagten – verbringen sie Tage, um den richtigen Sound zu finden, um die richtige Mikrofon finden. Wenn du das Tape hörst, da gibt es so viele kleine Dinge … Elemente, die ich erst beim dritten Hören bemerkte und die mir beim ersten Durchgang nicht aufgefallen sind. Die beiden sind Perfektionisten.

Würdest du dich als Perfektionist bezeichnen?

Nein. Mir machen Fehler nichts aus – nicht unbedingt große Fehler- aber in “Take My Breath Away” zum Beispiel, der Klang des Basses wurde auf einem Computer gespeichert und ich habe ihn verloren. Ich konnte ihn einfach nicht wiederfinden. Also, im Grunde war das Lied etwas, das ich eingespielt habe. Und ich kein sehr guter Bassist. [Lacht] Das Lied besteht aus vielen kleinen Dingen, die nicht gut gemacht wurden. Aber es schien OK zu sein.

Auch auf  „Love To Love You Baby”. Der Bass klingt gut. Aber wenn du ihn Solo hörst, klingt er fürchterlich. Absolut schrecklich. Zwei Wochen später haben wir die längere Version produziert und in der Zwischenzeit hat der Bassist den Song besser gelernt. Also klingt der Bass im zweiten Teil viel besser. Wenn du ihn mit all den weiteren Instrumenten hörst, fällt es einem gar nicht auf. Das ist ziemlich gut.

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, gibt es jemanden, mit dem du gerne zusammengearbeitet hättest?

Ich erinnere mich daran, dass Sylvester Stallone, als er den dritten Rambo Film drehte, unbedingt einen Song von Bob Dylan haben wollte. Ich wollte unbedingt mit ihm arbeiten, er ist eine absolute Legende. Also zeigte ich ihm einen Song und Sylvester hat es gefallen. Ich präsentierte Bob den Song, und er hörte ihn an. Ich glaube, er hörte ihn sieben oder acht Mal, jedoch lehnte er schließlich ab. Ich weiß nicht, warum – vielleicht war es nicht der richtige Film oder Song – aber das war einer der Künstler, mit dem ich unbedingt arbeiten wollte. Wir haben nie für irgendwas anderes benutzt. Wir haben ihn speziell für diese Szene und Film geschrieben. Bob Dylan ist einer von diesen Künstler, bei dem du dir denkst, na ja … wenn er es nicht mag, ist es wahrscheinlich ohnehin ein schlechter Song gewesen.