Es war live und wir waren dabei. Mit Video

Rund 20.000 Besucher zählte das Juicy Beats Festival in Dortmund in diesem Sommer. Am 28. Juli ging es mit zahlreichen Highlights tipptopp über die zahlreichen Bühnen im Westfalenpark. Wir haben unseren Reporter Christian Kinkel auf die Reise geschickt und steigen zu dem Zeitpunkt ein, an dem der Nieselregen für einen kurzen Moment die Festivalfreude zu trüben schien. Die Sonne ließ nicht lange auf sich warten, genau wie gute Bassdrums und folkige Überraschungen.

Ich kam also gegen 13:30 Uhr bei gelegentlichem Nieselregen im Westfalenpark an. Schnell noch die praktische Festival-App heruntergeladen und das Früchtesuchen konnte beginnen. Leider wollte das Programm einfach nicht herausfinden, an welcher Stelle des unübersichtlichen Geländes ich mich gerade befand, so musste ich doch wieder auf altmodische Wegweiser achtgeben, die sporadisch am Wegesrand platziert wurden. Ein weiteres Problem waren die nicht einheitlichen Bezeichnungen der Bühnen, die auf der Karte aus mir unerfindlichen Gründen andere Namen trugen als auf dem Programm. Die Lösung: sich die Frucht merken, die der jeweiligen Stage zugeordnet war: gar nicht so einfach bei 27 Lautsprecherpärchen.

Nosliw eröffnete die Mainstage mit dem für ihn typischen freundlichen deutschsprachigen Reggae-Sound, der wenigstens musikalisch für etwas Sonne und einen angenehmen Geruch auf den nassen Wiesen sorgte. Ab und zu war man sich nicht ganz sicher, ob man nun auf einer Demo gegen Rechts gelandet war oder doch auf dem Juicy Beats, aber man kam auf jeden Fall so langsam in Festivallaune. Dann war wieder Zeit für Geländeerkundungen. Vorbei an etlichen Techno-, House- und Indie-Stages, einmal quer über das gesamte Gelände hin zur Sounds & Poetry Stage, wo Linda Bockholt spielte, eine sympathisch zierliche Schüchternheit, die lieber Musik macht als zu reden. Bewaffnet mit ihrer E-Gitarre spielte sie neben eigenen Kompositionen auch Cover von Portugal The Man oder Ray Charles, die die wenigen Zuhörer vom Tanzen zu den benachbarten und unüberhörbaren four-to-the-floor-Entwürfen abhielten. Es war schon skurril, hier in der letzten Ecke des Juicy Beats herumzusitzen und Musik wie im Wohnzimmer zu hören. Aber es gab auch einfach keinen Grund diesen Ort zu verlassen.

Auf der Electronic Stage spielten dann Symbiz aus Braunschweig bzw. Berlin: mein erstes Highlight. Die Brüder spielten in ihrem Live-Set eine Mischung verschiedener Global-Bass-Stile, die zwischen Dubstep-, Juke- und Garage-Einflüssen mäanderte. Die so weit meiner Kenntnis einzige Function-One-Anlage des Festivals tat ihr Übriges und ließ die stetig größer werdende Crowd regelrecht ausrasten. Handtuch wedelnd, mit Mikrofon- oder Gitarreneinlagen brachten die beiden gebürtigen Koreaner eine der besten Shows des Tages, die mit einem Freeze des ganzen Publikums zu Ende ging. Perfekt!

So langsam wurde nun der Timetable zu einem regelrechten Gegenspieler, da man sich ständig zwischen mindestens zwei Acts entscheiden musste. Selbst mit geschickter Planung und guten Geländekenntnissen war es einfach nicht möglich, ihn zu bezwingen. Jetzt also keine Fehlentscheidung treffen! Ich entschied mich für die Indie-Dame Dillon, die – natürlich – auf der komplett entgegen gelegenen Seite des Geländes auf der Konzerthaus Stage spielte. Dort angekommen wurde schnell klar, es war ein Fehler. Denn so ein stark von Fever Ray geprägter düsterer Sound war zwar offensichtlich für eine nur so da stehende Fangemeinde der richtige Soundtrack, für die sich endlich zeigende Sonne und meine Stimmung aber nun wirklich nicht. Außerdem forderte mich ein Blick auf die App dazu auf, mich schnellst möglich wieder auf den Weg zurück zur Electronic Stage zu machen, da DJ Koze sein Set in Kürze beginnen sollte.

Der Weg führte wie immer an der Mainstage vorbei, wo gerade Casper mit seinem rockistischen HipHop ein Meer von Händen auf und ab hüpfen ließ. Ich hielt also kurz inne und beobachtete von der Musik wenig begeistert das Treiben. Gut, reicht dann aber auch schnell wieder und es ging endlich zu Koze, der sein Set bereits begonnen hatte und mit gewohnter Professionalität die richtigen Schwingungen auf den Obstteller brachte. Technoid, verspielt und funky, ein Set wie aus einem Guss und dabei doch vielseitig. Koze eben. Definitiv mein Highlight des Tages. Interessanter Weise sollte dies der einzige Act bleiben, bei dem der Floor zu meinem Entsetzen zunehmend leerer wurde. Es schien, als wollte ein Großteil der Anwesenden lieber Dubstep aus der Feder von Skrillex hören und warteten nun enttäuscht auf irgendeinen Drop, der natürlich und vollkommen zu Recht ausblieb oder eben zumindest nicht so stattfand, wie es erhofft wurde. Ich fühlte mich verpflichtet, bis zum Ende zu bleiben. Hätte ich ja sowieso gemacht, obwohl ich dadurch das Set vom weit entfernt spielenden Till von Sein verpassen musste. Man kann eben nicht alles haben.

Mit Anbruch der Dämmerung ging es danach ein weiteres Mal zur Mainstage. Modeselektor begrüßten die Menge mit der für sie charakteristisch gewordenen gepitchten Quietschestimme und nahmen damit ihrem Auftritt von der ersten Sekunde an die Ernsthaftigkeit, die bei einem ihrer Auftritte ohnehin fehl am Platze ist. Ganz modebewusst kam Szary mit einer kurzen roten 90er-Jahre-Sporthose und einem weiß-rotem Hemd auf die Bühne und versorgte die Masse mit Champagner und Kissen für die Kissenschlacht. Außerdem spielte er das “Setzt euch alle hin und springt, wenn die Bassdrum wieder einsetzt, alle gleichzeitig hoch”-Spiel und konnte so offensichtlich punkten. Die Leute waren begeistert und feierten mit den nicht unbedingt spektakulären aber dennoch hübsch anzusehenden Visuals der Pfadfinderei in die Dunkelheit hinein.

Ihr wart selbst beim Juicy Beats? Oder plant 2013 auf jeden Fall hinzufahren? Schwelgen wir einen Moment in Erinnerungen im Video.