Unsere Platte des Tages

Wenn selbst auf den Dancefloors die Kerzen angezündet werden, ist es Zeit, an die großen, epochalen Platten zu erinnern, die in ihrer Einzigartigkeit bis zum heutigen Tag hell und kräftig leuchten. “Container” ist so ein Album. Esa Ruoho, Finne mit – These – musikalischem ADHS, produziert(e) derart viele Tracks, dass die Erstellung einer umfassenden Diskografie ein kaum zu stemmendes akademisches Projekt zu sein scheint. Jeder Ton, jeder Takt, jeder Beat musste raus. Selbst damals, im Jahr 2000, als dieses Album erschien, war das schon zu viel. Dabei hätte “Container” den Weg ebnen können für eine große Karriere. Warum das dann anders kam, soll hier gar nicht Thema sein. Im Gegenteil. “Container” ist ein Album zu dem man immer wieder zurückfindet, ein Stück musikalische Zeitgeschichte, ein in Synthesizer gegossenes Dokument einer Aufbruchsstimmung sondersgleichen. In der Hochphase der Elektronika wählt Ruoho den Weg des kurzen und knappen Popsongs, um seine Melodien zu transportieren. Keine perfide geplante MAX/MSP-Studie, vielmehr schon damals ein klares Bekenntnis zur alten Schule, zur MPC, zum Pattern. Shed ist mit seinem aktuellen Album “The Traveller” vielleicht der erste, dem dies seitdem wieder gelungen ist, Ideen konzentriert, kurz und knapp in eine Form zu gießen, die eigentlich ein anderes Format verlangen und auch bedienen sollen. A propos Format: Container funktioniert am besten auf Vinyl. Nicht aus alter Verbundenheit zur 12″, sondern schlicht wegen der Trackauswahl.

Clair Poulton kümmerte sich damals um das Label deFocus. Davor hatte sie schon Clear in den Sand gesetzt und auch bei deFocus lief wohl nicht alles rund. Für alle Beteiligten. Erzählt man sich. “Container” ist und bleibt eines der zehn Alben für die einsame Insel.

Lackluster – Container (deFocus, 20000)

6 Responses

  1. Enning

    die Platte ist wirklich ein Klassiker ! sollte jeder im Regal haben.

  2. sascha

    ja. tolle platte. schon wieder 10 jahre her. oh man… in diesem zusammenhang sollte auch mal “atol scrap” von arovane geehrt werden!

  3. Thaddeus Herrmann

    @ sascha: stimmt! ich bitte jedoch um verständnis, dass in diesem falle die kollegen ran müssen :)

Unsere Platte des Tages


Vor ziemlich genau vier Jahren veröffentlichte Esa Ruoho aka Lackluster, dieser finnische Netz-Nerd, dieser Filesharer vor dem Herren, dieser Typ mit diesem Monster-Output, der seine Tracks eigentlich immer nur nach dem Entstehungsdatum nennt, ein Album auf Focus (später dann DeFocus), das seinesgleichen sucht. Vielleicht weil die neun Tracks alle unglaublich einfach gehalten sind und ihre Ideen so auf den Punkt bringen. Vielleicht aber auch, weil man einfach den Melodien und Beats nicht widerstehen kann. Unglaublich leichte hüpfende Tracks, die in ihrer untechnischen Art Elektronika auf den Thron halfen. Nie wieder war Lackluster so gut. Und nie wieder war Focus so gut. Nachdem die gute Claire ihr Label Clear zerrockt hatte, startete sie Focus, mit Smallfish-Anschluss im Londoner EastEnd. Es dauerte nicht lange, bis auf dieses Label zerrockt war. Geld haben die Künstler wohl nie gesehen. Claire sah man auch nie wieder, bis schließlich jemand in Wales Briefmarken kaufen wollte. Vom Labelchef zur Postangestellten. Schade eigentlich. Was bleibt, ist Lacklusters unfassbare LP.

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Elektronische Lebensaspekte.