Unsere Platte des Tages

Atom Heart veröffentlicht einfach zu wenig. Steile These, klar, und de facto superfalsch. Dennoch: Liedgut ist schon wieder viel zu lange her. Und weil man eben dieses Album in Teilen wie eine Fortsetzung von Pop Artificielle hören kann, sei hier an den letzten überlieferten Entwurf von Lassigue Bendthaus erinnert. 1998/99 erschien diese Sammlung von Cover-Versionen, die zu keinem Zeitpunkt nur unterhaltsam, sondern auch technischer Prototyp war. Und ist. Phonetisches Experiment, denn die Vocals folgen nicht dem Herzen, sondern zunächst nur dem Raster des Monitors. Perfide und fehlerfrei hingebogen, nachträglich mit imaginierten Roboter-Funk neu zusammengesetzt.

Lassigue Bendthaus war immer visionär, nahm vieles voraus, was heute als Allgemeingut gilt, war aber doch eher breitbeinig aufgestellt. Muss wohl auch die Zeit damals gewesen sein. Pop Artificiell hingegen ist filigran, wirkt selbst an den lautesten Stellen zerbrechlich, da hilft auch James Browns Geist nicht. Niemand anderem würde ich zutrauen, aus jedem Track der Welt eine überzeugende Coverversion zu bauen, die das Original mit Sicherheit sogar übertreffen würde, außer Atom Heart. Wie er sich aber auf diesem Album Lennon, die Stones, eben James Brown und andere vornimmt ist und bleibt einzigartig. Es sind Stücke, die, wenn ich mich recht erinnere, ihm nicht besonders am Herzen liegen, da mag ich aber auch falsch liegen. Unser Gespräch damals war mehr als skurril, weil ihn seine Plattenfirma am absoluten Stadtrand einquartiert hatte. Wie einen Handlungsreisenden mit seiner MPC. Die persönliche Beziehung Schmidts zu diesen Tracks spielt jetzt und hier und heute aber auch gar keine Rolle. Wir feiern ein großes Stück Popmusik.

LB – Pop Artificielle (KK, 1998)

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One Response

  1. BTH

    Ein wirklich großartiges Album. Leider ist meine CD sehr zerkratzt und ich komme seit Jahren nicht mehr in den Genuss.
    Neben der Fragilität besonders die Ambivalenz zwischen Wärme und Kälte die es mir sehr angetan hat.