Sperrtafeln sind rechtswidrig, werden aber bestimmt bleiben

Endlich! Die GEMA hat einen Rechtsstreit mit YouTube gewonnen. Wir gratulieren. Das erste Mal muss gar nicht weh tun. Und wir hoffen mal ehrlich, YouTube ist das schnurz genug, um nicht in Berufung zu gehen. Die so genannten Sperrtafeln, die man auf YouTube ständig statt Musikvideos sieht, sind laut Landgericht München rechtswidrig. Voll-Nuss 2.0!

Das Landgericht München urteilte heute, dass diese oder ähnliche von YouTube verwendeten Sperrtafel-Texte eine „absolut verzerrte Darstellung der rechtlichen Auseinandersetzung zwischen den Parteien zu Lasten der GEMA“ sei. Durch die Verwendung der Sperrtafeln würde die GEMA herabgewürdigt und angeschwärzt, begründet das Gericht weiter. Der Text erwecke bei den Nutzern den falschen Eindruck, die GEMA sei für die Sperrungen der Videos verantwortlich, obwohl YouTube die Sperrungen selbst vornimmt.Gema Pressemeldung

Das erleichtert die Arbeit des GEMA-Dialogs jetzt vermutlich um 98% und sie können sich wichtigeren Dingen widmen. Das finden wir auch gut. Aber was werden wir wohl in Zukunft sehen? Vermutlich steht dann auf den Tafeln einfach nur noch, wer die Rechte für die jeweiligen Stücke nicht eingeräumt hat, d.h. es werden jetzt Abertausende von YouTube-GEMA-Motzern ihren Frust auf den Facebook-Seiten der jeweiligen Plattenfirmen ablassen. Die sind natürlich schwerer zu finden, aber was genau sich dadurch ändern soll ist uns nicht klar. Wichtig ist das, wie die GEMA logischerweise sagt, aber nicht und auch kein Signal an die Musikurheber, die eigentlich nie einen Zweifel daran hatten, dass nicht die GEMA den Musikgenuss im Internet verhindert, wie die Pressemitteilung sagt.

Die Entscheidung ist ein wichtiges und positives Signal an die Musikurheber: Es ist nicht die GEMA, die den Musikgenuss im Internet verhindert. Sie will lediglich YouTube lizenzieren, so wie alle anderen Musikportale.

Aber hey, die GEMA Pressestelle hatte in den letzten Wochen ja nur mit dem Sperrtafel-Stress zu tun und beim nächsten mal liest sie die Pressemeldung sicher vorher noch mal durch.

Andere positive Nebeneffekte der Entscheidung: Hans-Christian Ströbele und die Bild können sich auch wieder wichtigeren Aufgaben widmen, als sich von der GEMA verklagen zu lassen für vorschnelles Click-Baiting, bzw. sich die Total-Blöße zu geben.

Also in dem Sinne. Machs gut YouTube-Sperrtafel. Die Zeit mit dir war schön, wir werden dich nicht vermissen und tröste dich damit, dass das Urteil eh noch nicht rechtskräftig ist.

One Response

  1. hufner

    Das ist echt lax formuliert. Denn YouTube hat ja auch gesperrt, wo niemand niemals noch Rechte an irgendwas hatte. Wie wäre es, wenn YouTube einfach mal seine Nutzungsbedingungen konsequent umsetzen würde und seinen Frust nicht an der GEMA abließe sondern an seinen Nutzern. Das wäre wenigstens ehrlich.