Unplugged-Gig des Soulbarden am vergangenen Samstag im MADE

Schluss mit der nervigen Neo Soul-Leier – das Kunstförderungsprojekt MADE zog Aloe Blacc am Samstagabend den Stecker, drapierte Miki Kekenj mit seinem Streicherquintett drumherum und präsentierte vor einem von der Musik inspirierten Jaybo-Painting eine erfrischende Neuauflage von Aloe Blacc’s mittlerweile etwas totgespieltem Vintage-Sound.

Dinge aus dem Kontext herausreißen, ummodeln, anders machen – das ist das Konzept von MADE, welches an diesem Samstagabend auch der mitunter ewig gleichen Leier von Aloe Blacc zu Gute kommt. Verantwortlich für die Veränderung der Arrangements zeichnet Miki Kekenj und sein Streicherquartett. Er hat eine Handvoll Songs von Aloe Blacc komplett dem souligen Retrokostüm entledigt und für ein Streicherquartett umgeschrieben.

Zeitgeistige Kammermusik statt reminiszenzgeschwängertem Throwback-Sound quasi. Ergänzt wird der Streichsoul durch drei Werke des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák. Passend dazu hat Künstler Jaybo Aloe Blacc’s Referenzsingle „I Need A Dollar“ auf sich wirken lassen und stellt das Bild an diesem Abend aus – ein imposantes Werk des offengeistigen Künstlers, der mit Sprühfarben und Acryl, eine visuelle Perspektive auf das Bild geschaffen hat.

Elegante Zeitgeistklassik
Dann betritt Aloe Blacc die Bühne: Ein schmucker Binder, gestärktes, blütenweißes Hemd und ein kupferfarbenes Samtsakko – schick. Das eine Bein hängt locker vom Barhocker, dass andere legt er lässig auf der Trittstange ab. Mit den großen Händen umfasst er das bauchige Wasserglas und schwenkt es sinnierend hin und her. Ein kurzer, aber bedeutungsschwangerer Augenaufschlag auf den Grund, dann lässt er den Blick über die Köpfe der geladenen Gäste hinwegschweifen und legt los.

Neo Soul über Streicherarrangements – das klingt nicht nur smart und anders, sondern hat auch einen entscheidenden Vorteil: Der sonst omnipräsente Bläserbombast und die ewig gleichen DooWoop-Throwins wälzen nicht mehr so mir nichts, dir nichts über das das Blacc’sche Timbre hinweg und man konzentriert sich mehr und mehr auf das Lyricism des ehemaligen Rappers. Klar, „Momma Hold My Hand“ kann schon unter dem Schmonzettenbegriff verhandelt werden; aber wie sich die schummernd-uninspirierten Bassläufe des „Take Me Back“-Originals im MADE plötzlich in elegante Zeitgeistklassik verwandeln, ist schlichtweg beeindruckend.

Zum Ende dann, klar: „I Need A Dollar“ – erstaunlicherweise eines der schwächeren Arrangements des Abends. Trotzdem: Das Johlen und die Zwischenrufe bestätigen die Gassenhauercoleur des Stücks. Kennt jeder. Aloe schaut noch mal kurz ins Glas, vielleicht ist ihm das gerade alles ein bisschen unangenehm. Dann setzt er wieder an: „And if I share my story with you – will you share your dollar with me?“ Das kann und darf man gerne zweideutig verstehen. Daran, dass alle Künstler und das MADE-Team an diesem Abend Enormes und Einzigartiges geleistet haben, gibt es aber nichts zu rütteln.

Fotos: Nils Krüger

4 Responses

  1. De:Bug Screen » Ein Abend mit Aloe Blacc

    […] MADE war und dort einige seiner Songs als Unplugged-Versionen präsentiert hat, hatten wir ja schon berichtet. Jetzt gibt es ein Video von der Veranstaltung, inklusive eines Interviews mit Blacc, Kekenjs und […]