Unsere Platte des Tages

Da ist zunächst – natürlich! – der Hit. “Superstar” drehte sich im Jahr 2000 überall und mit diesem Track und dem dazugehörigen Album setzte sich Perlon-Gründer Markus Nikolai sein eigenes Denkmal. Nötig hatte er das nicht, der erfolgreiche Optiker hatte schon vor Perlon seine musikalische Spur hinterlassen. Und genau die ist auch dafür verantwortlich, dass wir hier ausnahmsweise mal die Rückseite des Album-Covers zeigen. Verwischte Spuren müssen aufgedeckt werden. Konkret: Bigod 20, Nostromo Dept und Umo Detic. Unter anderem. Nikolai hat in der Frankfurter Techno/EBM-Ursuppe immer mitgespielt und während ein Großteil der Produktionen aus dieser Zeit heute mit guten Gewissen auf dem Discogs-Stapel landen, deutet Nikolais Handschrift auch 2010 immer noch auf den Plattenteller. Durch eine Brille sieht man Beats einfach anders.
Das Album “Back” gruppiert nicht nur Tracks und den vermeintlichen Hit herum. Die Doppel-LP ist vielmehr ein grandioses Beispiel dafür, wie Techno auf Album-Länge funktionieren kann. Und sollte. Seine musikalische Geschichte schwingt dabei in jedem Takt mit. Es ist ein ähnlicher Entwurf, wie ihn Uwe Schmidt als Lassigue Bendthaus schon ein paar Jahre zuvor erfolgreich umgesetzt hatte. Das stoische deutsche Beatverständnis, Vocals – ganz wichtig – und Funk. House, Techno und das langsame Rüberschwappen in die deutschen Studios. Wer das beherrschte, hatte eine Zukunft. Alle anderen landeten auf den EBM-Revival-Parties an der Autobahnausfahrt. Kein schöner Gedanke, Nikolai musste das aber zum Glück nie kennen lernen.

Markus Nikolai – Back (Perlon, 2000)