Es war live und wir waren dabei

we´r nervous …. feels like playing a live set for the first time!“ schreiben Modeselektor auf ihrer Facebook-Seite ziemlich genau 12 Stunden vor dem Start der Record Release Tour im Astra, Berlin. Und das merkt man den beiden auch an als sie in schwarzen Overalls gekleidet und mit Sonnenbrillen bedeckten Augen die Bühne betreten. Während hinter ihnen modeselektor und der berühmte Affenkopf in blauem Licht auf die Leinwände projiziert werden, scheint es als versteckten sich die Produzenten regelrecht hinter ihren Computern und Interface Stapeln. Blickkontakt mit dem Publikum fand trotz schützender Sonnenbrillen nicht statt. Wer das besagte Post nicht gelesen hat, könnte hier fälschlicher Weise eine Arroganz hinein interpretieren, die sich Modeselektor wahrscheinlich sogar erlauben könnte. Dennoch ist hier genau das Gegenteil der Fall. Sie wirken schüchtern, nervös und geradezu zaghaft. Keine Spur vom Techno-Clown-Image.

Die Synthiechords von „Blue Clouds“ bilden das Intro der Show und liefern auch sogleich die Begründung für das zurückhaltende Auftreten der Produzenten. Denn hier wird jedem unmissverständlich klar gemacht, das das neue Werk „Monkeytown“ nicht einfach nur alles wie gewohnt weg brettern möchte, sondern von einer melancholisch, euphorischen Attitüde geprägt ist, die Abschweifungen in ferne Gedankenwelten im Dancefloor Kontext nicht nur ermöglicht, sondern regelrecht verlangt. Sicherlich ein Grund für die Nervosität der Protagonisten. Interessanter Weise schien das Publikum auf ähnliche Art und Weise unsicher zu sein, wie es mit dieser neuen Emotionalität oder, wie Modeselektor selber sagen, Reife (siehe Interview in der aktuellen De:Bug 156) umzugehen hat. Dadurch entstand eine gewisse Verbundenheit zwischen dem Partyvolk und den Künstlern auf der Bühne, die einen in eine basserfüllte Blase der Zufriedenheit, aber eben auch leichter Zurückhaltung geraten ließ.

Das sollte natürlich nicht so bleiben. Mit den folgenden pumpenden Beats der Kollaborationen mit Busdriver („Pretensious Friends“) und Otto von Schirach („Evil Twin“) wurde die Blase, in der sich alle Anwesenden befanden, von den brachialen Beats und Basslines zwischen Hip-Hop und Techno langsam zum Platzen gebracht und der Weg hin zum hedonistischen Feiertaumel á La Modeselektor wurde frei. Da trauten sich die Herren im Overall dann auch das Mikro in die Hand zu nehmen um mit gepitchter Stimme wichtige Dinge zu verkünden. „We are Modeselektor by the way!“ Da ließ sich dann auch das Techno-Clown-Image wieder erahnen.

Nachdem noch eine ordentliche Rutsche progressiven Technos in das Nervensystem der sichtlich zufriedenen Feiermeute hämmerte, brachte das wunderschöne, wirklich unglaublich schöne „This“, das in Zusammenarbeit mit Thom Yorke entstanden ist, das Konzert zu einem runden Ende. Modeselektor hatten ihre Sonnenbrillen inzwischen abgenommen und strahlten zufrieden und erleichtert in Richtung Publikum. „Danke Berlin!
Danke Modeselektor!

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