Wie Reviews heutzutage entstehen am Beispiel von den Amygdala-Remixen

Sicher wisst ihr es alle, Promos kommen mit Infotexten. Manche sind langweilig, manche lahm, manche kurz, wenige kurzweilig. Eigentlich liest man die auch nicht. Das jedenfalls war immer unsere Einstellung, es sei denn irgendetwas verlockt einen dazu. Prokrastination z.B.

Eben ist uns ein Review auf Inverted Audio aufgefallen, dass nur wenige Stunden nach dem “Release” der Promo kam. Schnell gehört! Erster sein. Immer wichtig heutzutage, das gibt die meisten Klicks. Und dann waren wir auf der Promoseite und alles kam uns so bekannt vor.

Wir pasten euch mal kurz Absatz für Absatz das Original mit seinem veränderten Review hier rein, und markieren die Stellen, die es davon nichts ins erste “Review” der neuen Pampa geschafft haben in bold.

Despite all the collaborations on last year’s Amygdala by Pampa cult leader DJ Koze, there was still one recurring comment from the public: The album still had DJ Koze’s trademark stamp all over it. That is why have been taking the proper steps to expand on this, offering a remix series, to further disassociate DJ Koze from this otherwise respectable assortment of songs. Here is the second installment.

Soweit der schon mal amüsante Einstieg in den Promotext. Wirklich eigentümlich sperriges, niedlich deutsches Englisch mit Halbsätzen, die wir auch in der De:Bug gerne gelesen hätten.

Das Review kürzt diesen Teil radikal zum Infopart und übernimmt eigentlich nur einen nicht vorhandenen Schreibfehler:

Following remixes from Matthew Herbert and Efdemin, Pampa Records serve up the second instalment {sic} of the Amygdala remix series from Roman Flügel and Robag Wruhme.

Klar, kann man machen, man ahnt ja noch gar nicht was folgt, also weiter im Promo-Text:

First up is Roman Flügel, co-founder of the legendary label powerhouse Ongaku/Klang/Playhouse, not to mention his more recent releases on Clone and Live At Robert Johnson. We have no idea what kind of app he used, but somehow he transformed the title track “Amygdala” from a laid-back, wind-chiming electro-pop number into a clock-working tech-house fairy tale. Roman wisely and tastefully retains the original guest spot from Milosh (of the duo Rhye), offering a grittier backdrop for his lulling vocal delivery.

Hier ist im “Review” nahezu der gesamte Abschnitt gepastet, das einzige was fehlt, ist der typisch augenzwinkernde Koze-Charme der blödelnden App-Bemerkung. Dabei machte eigentlich genau das den Promotext mal ausnahmsweise richtig lesenswert und gab ihm noch mehr von der sympathischen Tonalität, die das Intro auch schon hatte. Und so geht es auch weiter. Der original Promotext:

Next comes Robag Whrume, who is no stranger to any Pampa fan, having released an album and a mix CD with us, aside from his countless other works. Here he has taken the pleasant puffiness of DJ Koze’s “Nices Wölkchen” and incubated it in a deep house cocoon. The witch-shifted voice of guest singer Apparat is given a new life, hovering amidst a mesmerizing mechanical groove. As always, there’s nothing formulaic about Robag’s formula as he serves up little moments of magic.

Verschwunden im “Review” ist dann die “puffiness” (tolles Wort), die putzige um die Ecke Metapher mit dem Kokon auch, die im “Review” (das die Meisterleistung der “Review” überhaupt) schlichtweg wegbanalisiert wird.

…his remix of “Nices Wölkchen” is the highlight of the EP, effortlessly taking the listener into a deep house cocoon.

Und Ende. So macht man aus einem ausnahmsweise sehr sympathischen Promotext, der dem geplagten Reviewhinterherhetzer ein Grinsen ins Gesicht zaubert, falls er ihn liest, mit nur ein paar Handgriffen ein total langweiliges Review, das wirklich nicht so klingt, als hätte irgendwer die (beinahe vergessen, ja, tolle Tracks, wir machen gleich mal ein Review..) Platte dafür wirklich hören müssen, sondern schlichtweg nur ein Sachbearbeiter die Popularität von Pampa genutzt, eben um erster zu sein. Clickbait ist wirklich angekommen.

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