Unsere Platte des Tages

Als R&S Records vor drei Jahren mit einer Welle von Wiederveröffentlichungen alter Klassiker und der Ankündigung, auch neue Künstler signen zu wollen, auf die Bildfläche zurückkehrten, war ich skeptisch, ob sie an ihre Glanzzeiten Anfang der 90er anknüpfen würden können. Der Schatten der eigenen Diskographie war schon verdammt groß. Es hat eine Weile gedauert, aber mit Platten von James Blake und dem Wunderkind Pariah sind sie auf einem guten Weg ihren Pionier-Status von damals auch in 2010 endgültig zu bestätigen. Der 21-jährige Schotte Arthur Cayzer aka Pariah ist neben James Blake für zwei der Platten verantwortlich, die das endgültige Comeback des belgischen Labels unterstreichen. “Detroit Falls”, dieser die Motown-Band The Originals sampelnde Banger von einem Track war eigenen Angaben zu folge der erste Track, den er überhaupt jemals fertig produziert hat. Als er dank nächtlicher Party mit einem Kater auf seinem Bett lag. Ein Hangover-Track sozusagen. Klar, dass man, bei der Art wie Pariah hier die Sample-Fetzen über einen drahtigen Beat skippen lässt und quiteschbunte Synthie-Melodien drunter mischt, sofort an den späten J.Dilla denkt. Aber eben nicht nur. Der spezielle UK-Dreh, der eine Generation junger Produzenten auf den Spuren des Hardcore Continuums gerade alle möglichen Stile durcheinander werfen lässt, ist auch hier unüberhörbar. Mit “Orpheus”, der B-Seite von “Detroit Falls”, schwelgt er dann ganz in traurig-schöner Burial-Melancholie. Und auch hier ist der Track einfach zu gut, als das man ihm vorwerfen könnte, lediglich den Trademark-Sound des UK-Garage-Enigmas reproduziert zu haben. Als die Platte vor einem halben Jahr erschien, klang sie wie ein Versprechen. Letzte Zweifel an Pariahs Vielseitigekeit hat dann der jüngst erschienene Nachfolger “Safehouses” ausgeräumt! Der Zenit von Bass Music scheint noch immer nicht erreicht zu sein. Ganz großes Kino. Wir freuen uns schon auf sein Debüt-Album im nächsten Jahr.

Pariah – Detroit Falls (R&S Records, 2010)

2 Responses

  1. Merowinger

    Platte des Tages? Für mich die Platte des Jahres, neben der CMYK EP. Und die Klavierwerke EP ist ja auch noch nicht draußen.

  2. jens

    glaube dass ltj bukem unter dem namen pariah ambient d&b veroeffentlicht hat.