Antifolk-Papst, Autor der "wahren Geschichte der Popmusik", Gründer der Zeitschrift testcard

Mit erst 42 Jahren ist der Autor und Musikjournalist Martin Büsser gestern Nacht seiner Krankheit erlegen. Die wenigsten wussten überhaupt etwas von seinem Leiden. Mit Büsser verliert die hiesige Popkritik eine zentrale Persönlichkeit.

In den 80er und frühen 90er Jahren machte sich der Mainzer beim Fanzine „Zap“ in Punk und HC-Kreisen einen Namen, bevor er als freier Journalist u.a. für Jazzthetik, Süddeutsche Zeitung, Emma und Die Zeit zu schreiben begann. 1995 war er einer der Gründer der Halbjahresschrift „testcard – Beiträge zur Popgeschichte“, für die er bis zuletzt als Redakteur tätig war. Neben zahllosen journalistischen Veröffentlichungen (auch für De:Bug) verfasste Büsser eine Reihe von wichtigen Büchern und Aufsätzen zur Geschichte, Soziologie und Nischen der Popmusik.

Ganz große Würfe waren dabei seine „wahre“ Popmusikgeschichte und seine Pionierarbeit zu Antifolk und anderen obskuren Strömungen. Zuletzt schrieb er regelmäßig für Intro und konkret über Experimentelle Musik, zeitgenössische Kunst, Independentkino und Themen der Gender Studies. Letztes Jahr erschien seine queere Graphic Novel „Der Junge von nebenan“.

Martin Büssers große Gabe war ein maximaler Erkenntnisgewinn aus der (links)politisch bewussten Auseinandersetzung mit Musik, Kunst und Kultur. Er hat bewiesen, dass hochkomplexe Themen und Vorgänge nicht zwingend abgehoben-verschwurbelt vermittelt werden müssen, von der Plattenkritik bis zum quasi-akademischen testcard-Artikel. Vieles ist jetzt schon Standardwerk.

18 Responses

  1. Stephan Barth

    RT @debug_magazine: MUSIK: Popautor Martin Büsser an Krebs gestorben:
    Mit erst 42 Jahren ist der Autor und Musikjournalist Martin Büs… http://bit.ly/dovFq2

  2. behjan

    Ich hatte erst kürzlich im OX-Magazin (mit 4 Wochen Verzögerung gekauft) gelesen,daß Martin verstarb,was mir in dem Augenblick einen Stich im Herzen versetzte!
    Von Ende 1980er bis Mitte 1990er las ich monatlich seine Kolumnen und Rezensionen.
    Unvergesslich sein denkwürdiger Artikel “REVOLUTION Nr.9″…!!!
    Mach´s gut Martin! R.I.P. ;=(