Der letzte Tag


Sónar Revisited Der dritte und letzte Tag auf dem Sónar versprach programmatisch auch bei Sonnenlicht ein paar musikalische Leckereien, wie sie in diesem Jahr leider größtenteils den Freunden des nächtlichen Megaraves in Barcelonas Messehallen vorbehalten bleiben sollten. Dabei konnte man den Samstag locker angehen und neben eines zunächst eher unscheinbaren Programms auf den diversen Bühnen seine Aufmerksamkeit gern auch mal auf das Beiprogramm wie SonarCinema, die in diesem Jahr eher spährlich besetzte SonarPro mit Label- und Fachvertreterständen, sowie die Multimediausstellung SonarMàtica richten. Letztere erfreute mit wirklich netten multimedialen Installationen und digitalen Spielereien von interaktiven Schattenmonstern bis zu virtuellen Zwergen, die Teedosen über Frühstücktische schieben. Neben eher ambitionierten Showcases von Various Productions, Mira Calix oder Planningtorock dürfen als musikalische Highlights des Tages definitiv die Live Performances von Fiblanda aus Barcelona sowie Claro Intelecto und Andy Scott aus U.K. genannt werden. Mit Spannung erwartet schließlich der Live Act von den Junior Boys, die aufgrund technischer Probloeme leicht verspätet ins Rennen gingen, die Masse vor der Hauptbühne mit einer zurückhaltenden Bühnenshow jedoch nicht so recht begeistern konnten. Denkt man hier zwei Jahre zurück an den grandiosen Auftritt von Hot Chip, so lies sich der Vergleich mit ihnen nun definitiv entkräften. Oder lag’s am Bier? Amerikanisches Budweiser als diesjähriger Hauptsponsor des Festivals erwies sich nämlich im Langzeittest aufgrund der fehlenden Umdrehungen als definitiv raveunkompatible Marke. Zum Kräftesammeln ging’s deshalb in die nächste Tapasbar, wodurch der finale Showcase von Hey Willpower kurzerhand vom Programmplaner des Autors gestrichen wurde. Bei der zweiten Nachtschicht Sónar by Night lag dann die Messlatte wieder ganz oben. Mit den Plastic-Punk-Heroen Devo, neben den Beastie Boys die unbestrittenen Co-Headliner des Festivals, standen die Hardcore-Veteranen Altern8, Fangoria live, Ghostly International’s Matthew Dear’s Big Hands Projekt oder Jurassic 5’s DJ Nu-Mark genauso auf dem Programm wie Chateau Flight, Ame, Miss Kittin, Jeff Mills, Dave Clark sowie Label Showcases von Lo Recordings oder M_nus. Eigentlich ein Schlagabtausch der ganz großen Sonderklasse, wobei man sich jedoch wirklich fragen muss, ob aufgrund der reinen Größe der Hallen mit Boxenwänden so groß wie Fußballplätze und des damit einhergehenden Klangverlusts in nahezu allen Frequenzbereichen, sowie des Massenauflaufs an Feiernden mit Augen so groß wie Tellern die Musik überhaupt noch eine Rolle spielt? In dem Zusammenhang ließ sich in diesem Jahr die Beobachtung machen, dass, während sich gerade die deutsche Szene immer weiter auf Side-Parties am Strand oder in die Clubs zurückzieht, das Sónar selbst insbesondere von Spaniern und Engländern frequentiert wird, die wirklich alles wollen und alles geben. Damit scheint das Sónar da zu profitiern, wo Ibiza aufgrund der aktuellen Schließungswelle balearischer Clubs einzubüßen droht: beim Status als wichtigster mediterraner Rave-Institution! Und falls irgendwann das Privilege als letzter Bastion und derzeitige Ausweichlocation der wilden Kerle von Cocoon ebenfalls geschlossen werden sollte, in Barcelona ist noch Platz. Sonar: Der erste Tag Sonar: Der zweite Tag

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Elektronische Lebensaspekte.