Richie Hawtin über Plastikman, Jeff Mills über Djing und Kunst und Carl Craig über Planet E

Jeff Mills, Carl Craig, Richie Hawtin, drei Techno-Granden, die weit davon entfernt sind, es sich im Olymp der elektronischen Musik einfach auf den eigenen Lorbeeren gemütlich zu machen. Jeder verfolgt sehr beharrlich seine eigene Vision. Wenn dann innerhalb von einem Wochenende Interviews mit den Dreien zu ihren neuesten Projekten auftauchen, ist es interessant zu lesen, wie der unterschiedliche Fokus bei allen auch die Stoßrichtung ihrer Karrieren reflektiert.

Jeff Mills, der sich schon seit einiger Zeit komplett vom Auf und Ab der Techno-Gezeiten entkoppelt und sein eigenes Sound- und Referenz-Universum geschaffen hat, das er unermüdlich neu vermisst, scheint es bei fast allem, was er macht, immer wieder um Aufklärung zu gehen, um Geschichte und darum, Verbindungen zwischen unterschiedlichen Entwicklungen (technologisch, historisch) aufzuzeigen. In seinem Interview mit Juno-Plus spricht er über einige dieser Projekte, wie zum Beispiel seine “The Drummer”-Maxi-Serie, auf denen er nach Schlagzeuger-Legenden benannte, mit seiner 808 programmierte Rhythmus-Tracks releast hat.

Richie Hawtin reflektiert im Interview mit Resident-Advisor-Editor Todd Burns, das jetzt in seiner uneditierten, englischen Original-Version auf Burns’ Webseite online gestellt wurde (und in der gekürzten deutschen Fassung in der Groove erschienen ist), über die Rückkehr seines Plastikman-Projektes als Multimedia-Event und die Herausforderungen, die das ganze Unternehmen vor allem im Studio an ihn gestellt hat. Eine aufwendige Zeitreise, dessen Ziel es nicht zuletzt ist, Plastikman auf seine heutige Relevanz hin abzuklopfen (woran Hawtin natürlich keinen Zweifel hat) und seinen ikonischen (Pionier)-Status noch einmal für eine neue Generation zu untermauern.

Carl Caig wiederum wird in der “Talking Shopcast”-Interview-Serie be Little White Earbuds vor allem als Label-Chef von Planet E befragt und von allen Dreien (Mills, Hawtin und eben Craig) ist er auch derjenige, der sowohl mit seinen Produktionen als auch mit seinem Label am festen im Hier und Jetzt von Techno, im zunehmend herausfordernden Alltagsbusiness verankert ist. Carl Craig hatte mit Planet E von allen Detroiter Labeln immer die wenigsten Berührungsängste mit europäischen Produzenten und deren Adaption von Motor City Techno (und House), was in den letzten Jahren auch dazu geführt hat, dass nicht wenige den Fokus auf den europäischen Markt, bzw. die Dancefloors der großen Clubs, den viele Planet E Releases nahe legten, eifrig kritisiert haben. Angesichts der schwindenden Auflagen scheint damit aber jetzt auch erst mal Schluss zu sein und Produzenten aus Detroit wieder mehr im Mittelpunkt zu stehen.

Die drei Interviews gibt es hier, hier und hier.

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