Unsere Platte des Tages

Das Spaßprojekt der gestandenen Post Punk-Elektroniker Jean-Marc Lederman (u. a. Fad Gadget, Gene Loves Jezebel) und Bruce Geduldig (u. a. Tuxedomoon) bleibt den meisten wohl mit ihrem 1987er-Clubhit „Poison“ in Erinnerung. In Tracks wie diesen orientierte man sich musikalisch an der hartnäckig alle sonstigen Clubmusiktendenzen ignorierenden Benelux-EBM-New Beat-Szene, die zunächst nur widerwillig House, Acid und Techno als neuen Spielkamerad akzeptierte. Die Weathermen vergnügten sich aber meistens in einer Popauslegung all dessen, und zogen der martialischen Universalernsthaftigkeit der zugehörigen Szene den Boden unter den Kampfstiefeln weg. Statt Tarnanzugtanzzwang dachte man sich eben lieber psychotische Frauenrollen aus, und gab sich je nach Bedarf als Patricia Hearst / Jimmyjoe Snark III bzw. Susanna Stammer und Chuck B aus. So weit, so ulkig. 1988 verblüfften sie dann aber mit „Punishment Park“, einem Track, der wie aus einer Zeitmaschine herausgeplumpst schien, die gleichzeitig auf vor und zurück eingestellt war. Einerseits war dies klassisch melodiöser Synthpop, andererseits auch irgendwie gestörter Deep House, und dazu gab es einen rätselhaften Text, der zugleich sexy und hinterhältig wie eingekehrt und traurig klang. The games people play, die zwielichtige Darkroom-Großstadtblues-Variante. Themenverwandtschaft zum gleichnamigen Agitprop-Filmklassiker von Peter Watkins bestand nur in entlegenen Winkeln, aber der Track hallt ebenso lange nach.

The Weathermen – Punishment Park (Play It Again Sam Records, 1988)

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