Zwei ausverkaufte Shows im Berliner Astra bieten eine endlose Collage aus Edits und Improvisationen, die den Hype um die Londoner untermauern.


Fotos (3x): Hannah Heubel

Fragil wirken die ersten Schritte, mit denen The XX die Bühne des Berliner Astra betreten. Allein wie Oliver Sim den Bass hält erinnert mehr an Musikschule, als eine Formation, die eine dreimonatige Tour quer durch Europa in Angriff nehmen kann. Ebenso dunkel wie die etablierte Erscheinung ganz in Schwarz wird der Lichteinsatz dezent zur Akzentuierung eingesetzt, die Kontrolle liegt in der rechten Hand von Jamie Smith.

Bereits im Vorfeld war jedem Besucher bewusst, dass Ausnahmezustände außerhalb der Location an der Revalaer Straße herrschen werden, wenn sogar die Zusatzshow um 23 Uhr innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war. Den Tiefgang im Exzess zu suchen sagt The XX in keinem Augenblick des Sets zu, doch ebenso das naheliegende Runterspielen des Longplayers wird vermieden.

Ein Cover schleicht sich hinzu, Passagen werden improvisiert und editiert, solange der Raum dazu vorhanden ist. Mit einer Spielzeit von knapp einer Stunde übertrifft das Trio alle Längen-Erwartungen und kann den Hype-Tiraden zum Trotz mit einer Mixtur aus Anti-Folk und Neogaze Erlösung in den Gesichtern erscheinen lassen. Ein Set, das in seiner Gänze Beziehungen in all ihren Facetten erfasst und sich an den wenigen tanzbaren Stellen sich nicht schämt, dezidiert auch four to the floor geben zu dürfen.

Lückenlos reihen sich die einzelnen Tracks aneinander, das Arrangement nimmt in dieser ersten Show der Nacht nur wenige Momente der Folge auf dem Longplayer als Blaupause, um das Werk in einer vollkommen anderen Folge erscheinen zu lassen. Auch wenn sich Romy Madley Croft merklich mehr zurückhält in den Momenten der Stille als Oliver Sim, sorgt letzterer als Kontrapunkt für die Kommunikation zwischen Band und Publikum. Wenn sich Sim im letzten Track vor der Zugabe am Crash-Becken austobt, spielt er mit einer Kraft und Überzeugung, die für alle drei Mitglieder stellvertretend ausgelebt wird. Sim ist das Ventil der The XX nach außen.

Ebenfalls die Installation von Saam Fahramand, die im Berliner HBC am Wochenende zu erkunden war, offeriert ungeahnte Facetten, zu denen das Debüt-Album fähig ist. Jeweils im Kreis angeordnet stehen drei Säulen, die für jedes Bandmitglied mit einem eigenen Lautsprecher und Monitor stehen. Im Endlosloop wird das Album gespielt, auf jedem Monitor die einzelnen Bewegungen der Mitglieder. Das vollkommen andere Hörverständnis, das in der 3.0 Anordnung implementiert ist, erfordert für optimale Lokalisierung der einzelnen Passagen eine ständige Drehung im Kreis, um angenehmes Hören zu ermöglichen. Aus einem einfühlsamen, gemächlichen Material eine ungewohnte Dynamik und Anstrengung zu kreieren, ist Fahramand gebührend gelungen.

Für die zweite Show des Abends stehen die Besucherschlangen wieder quer über den Vorplatz auf die Straße hinein. Das logistische Projekt der doppelten Dosis scheint den Veranstaltern nicht vollkommen gelungen zu sein, verzögert sich der Beginn der zweiten Episode in den nächsten Tag hinein. Die nächste Venue für The XX wird deutlich größer ausfallen.

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