Digital Performer konnte sich bislang in Europa nur schwer gegen die mächtige Konkurrenz von Logic und Cubase durchsetzen. In ihrer neuen Version 4.5 verspricht die DAW aber einen neuen Quantensprung: Coolness ist Straightness.
von Thaddeus Herrmann

DP 4.5 fokussiert. Nicht unzählige virtuelle Instrumente oder Effekt-Simulationen stehen im Vordergrund des Audio-/Midi-Sequencers, sondern die Kern-Funktionen, die so ein Programm haben muss: ein klar strukturierter Workspace, Stabilität und Features, die bei Konkurrenzprodukten immer noch nicht überzeugend verwirklicht wurden: keine Latenz bei PlugIns, kompromisslose Integration in andere Systeme (ProTools, natürlich, das Programm kann seine amerikanische Herkunft nicht verleugnen) und die Anbindung an die Postproduktions-Welt.
Natürlich weiß man auch bei MOTU um die elektronische Musik und die Anforderungen, die dieses Genre mit sich bringt: Ähnlich wie ProTools schon vor ein paar Jahren kommt der DP 4.5 mit “Beat Detection” im Audio-Bereich. Die Transienten des Audio-Materials werden analysiert und sehr überzeugend an den Song angeglichen. Der Clou: Der Loop steht hier nicht im Mittelpunkt. Der Algorithmus orientiert sich viel mehr an den Editiermöglichkeiten aus dem Midi-Bereich und kümmert sich gar nicht darum, wie lang das Audio-File ist. Snap to grid und alles sitzt, kann aber selbstverständlich hinterher wieder für bestimmte Teile des Files manuell bearbeitet werden.

Mein Wohnzimmer
DP 4.5 ist mein erster Kontakt mit dem Programm, deshalb kann ich die Beschwerden der User früherer Versionen nicht nachvollziehen: DP war immer unübersichtlich. Zu viele Fenster versperrten die Sicht auf das im Moment Relevante. Die neue Version überlässt dem Musiker die komplette Freiheit, bietet sogar Presets an für mögliche Arbeitsumgebungen. ProTools? Bitte sehr. Logic/Cubase? Voilà. DP 4.5 ist der Garant dafür, dass sich auch ein umfangreiches Projekt auf kleinem Bildschirm nicht anarchisch verselbstständigt.
Als eingeschworener Logic-User ist das Latenz-Handling von DP wahrscheinlich die beste Nachricht. Ich habe kein PlugIn gefunden, das mir einen unfunky Shuffle produziert hat. Alles ist tight. Das erleichtert den Workflow ungemein. Warum sollte man sich auch immer über Dinge Gedanken machen, die es gar nicht wert sind?

Umziehen
Es kostet ein wenig Zeit, um sich als Logic-User an das Interface vom DP zu gewöhnen. Dinge werden hier einfach anders dargestellt und gehandelt. Ich kann aber nur jedem ans Herz legen, sich darauf einzulassen. DP ist eine wirkliche Alternative und zieht aus den verschiedenen Konzepten der Hersteller die besten Elemente: unproblematischer AU-Support, Digidesign-Hardware-Support, Latenz-Ausgleich sind nur einige der Schlüssel-Features. Der Preis von 600.- Euro für die Vollversion macht DP noch attraktiver. Mit den 400 gesparten Euros gegenüber Logic lassen sich noch virtuelle Instrumente dazukaufen. Die sind bei DP nämlich nicht dabei, nur ein paar Effekt-PlugIns. Und das ist schon fast zu oldschool.

Motu

System: OSX, G4, 512 MB Ram
Preis: 600.- Euro (Vollversion), 170.- EUR (Update)