Neue Kopfhörer von Shure

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Musik kommt uns immer näher. Seit Kopfhörer-Hersteller das In-Ear-Monitoring der Konzertbühnen für den Consumer-Markt entdeckt haben, stecken uns die Ohrhörer immer tiefer im Ohr – für besseren Sound. Shure kommt mit Modellen für jeden Geldbeutel.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 114

Wenn man tagtäglich von Musik umgeben ist, wird man zickig. Denn was tagsüber aus den Laptop-Lautsprechern kommt, klingt genauso unbefriedigend, wie die viel zu laute P.A. der berühmt-berüchtigten Keller-Clubs. Um sich zu schützen, wird man wählerisch, greift mitunter tief in die Tasche, um wenigstens zu Hause gute Monitore und gute Kopfhörer für unterwegs zu haben. Und gerade weil der iPod die mobile Musik wieder so nach vorne gebracht hat, herrscht Krieg da draußen. Jeder weiß, dass die weißen Ohrhörer aus Cupertino nicht mehr als ein freundschaftliches Schulterklopfen sind. Shure, wie alle anderen Hersteller von Kopfhörern, bietet hier zahlreiche Alternativen, doch der amerikanische Hersteller, so scheint es, ist in Sachen audiophiler Mobilität einen Schritt weiter als andere Wettbewerber. Vier Modelle umfassen die aktuelle Range der Ohrhörer, die alle mit der “Sound Isolating”-Technologie ausgestattet sind. Auf dem Papier bedeutet das: Ohrhörer rein, Musik an, bye bye Außenwelt. Der Clou: Das ist tatsächlich so. Man ist plötzlich wieder allein mit seiner Musik, wird nicht abgelenkt von Unterhaltungen in der U-Bahn oder von Sonnenanbetern am Strand. Shure ist so von seiner Technologie überzeugt, dass optinal das “Push-To-Hear”-Modul angeboten wird, ein Gerät, das zwischen Ohrhörer und Walkman gestöpselt werden kann und auf Knopfdruck ein Mikrofon aktiviert, die Musik beendet und einen mit der Außenwelt kommunizieren lässt. So sinnig das auch klingt, scheint mit ein solcher Device doch ein bisschen übertrieben, denn: Er funktioniert zwar wunderbar, ist in seiner Größe aber ein wenig zu “unmobil” und lässt einen sofort als Profi-Poser mit Business-Anschluss erscheinen.
Reden wir lieber über den Sound. Die beiden Einstiegsmodelle (SE210 und SE310) sind klassische Ohrhörer mit gutem, ausgewogenem Sound. Der SE310 bietet zusätzlich einen erweiterten Frequenzbereich im “Hi-Definition Micro-Speaker”-Treiber und macht zusätzlich im Bassbereich mit dem “Tuned BassPort” noch etwas mehr Druck. Der Unterschied zwischen den beiden Modellen ist deutlich hörbar, ob einem das 100 Euro wert ist, muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden. Beeindruckender sind die beiden oberen Modelle der Range. Der SE420 verfügt über zweigeteilte Lautsprecher. Der “Dual TruAcoustic MicroSpeaker” ist ein vollwertiger Zwei-Wege-Ohrhörer, ähnlich einer klassischen HiFi-Box, mit Hoch- und Tieftöner. Hier fängt der Hörspaß an, das Klangbild ist deutlich feiner und ausgewogener und man hat das Gefühl, noch näher an der Musik dran zu sein. Und genau das ist ja oft das Problem von Ohrhörern. Die Musik liegt geradezu auf dem Trommelfell auf, was der Frequenzgewichtung bei preiswerten Produkten oft nicht gerade gut tut. Der gute alte Smiley-Effekt greift hier voll durch: zu viel Bass, zu viele Höhen und in der Mitte gar nichts mehr. Der SE420 kann aber durch fein abgestimmten Klang alle Zweifel zunichte machen. Es ist in der Tat ein Quantensprung in Sachen Sound. Und der wird nur noch vom High-End-Modell, dem SE530 getoppt. Hier haben wir es mit einem ausgewachsenen Drei-Wege-Lautsprecher zu tun: zwei Hochtöner und ein Tiefton-Lautsprecher mit Frequenzweiche zur Trennung von hohen und tiefen Frequenzen sorgen für ein für meine Begriffe bisher unbekannt gutes Klangerlebnis. Das deutlich größere Modell ist dennoch federleicht und stört am Ohr in keinster Weise. Und auch, wenn ich eigentlich kein Freund von Drei-Wege-Lautsprechern bin, macht der SE530 Musik noch plastischer und präsenter.

Shure hat mit den aktuellen Ohrhörern ins Schwarze getroffen, vor allem mit den High-End-Modellen. Qualität, die allerdings ihren Preis hat. Der SE530 ist mit 450 Euro teurer als jeder iPod und auch schon das Einsteiger-Modell SE210 schlägt mit 150 Euro zu Buche. Es ist eine Frage des Ausprobierens. Ich jedenfalls wollte den SE420 und den SE530 nicht wirklich wieder hergeben. Man will einfach nicht mehr zurück, Kompromisse haben beim Musikhören nichts zu suchen. Ist man bereit, wirklich viel Geld für Ohrhörer auszugeben, sei die De:Bug-Kaufempfehlung ganz klar der SE420. Bei 350 Euro mag einem zwar anfangs schwindelig werden, den Klang, den man dafür bekommt, wird aber unverzüglich versöhnen. Einziges Manko: Das etwas zu kurz geratene Kabel, das per mitgelieferter Verlängerung dann wiederum ein bisschen zu lang wird. Schwamm drüber.

Shure

SE210
Frequenzgang: 25Hz-18,5kHz
Treiber: Hi-Definition MicroSpeaker
149.- Euro

SE310
Frequenzgang: 22Hz-19kHz
Treiber: Hi-Definition MicroSpeaker & Tuned BassPort
249.- Euro

SE420
Frequenzgang: 20Hz-19kHz
Treiber: Dual TruAcoustic MicroSpeaker
349.- Euro

SE530
Frequenzgang: 18Hz-19kHz
Treiber: Triple TruAcoustic Microspeaker
449.- Euro

[ratings]

INTERVIEW

Scott Sullivan ist Senior Director of Product Development bei Shure. Die Entwicklung der Sound-Isolation-Ohrhörer hat er mitgeprägt.

In-Ear-Ohrhörer erobern seit ein paar Jahren den Consumer-Markt. Erzählen sie die Geschichte aus Ihrer Sicht.

Wir arbeiten seit 2002 an diesen Produkten. Damals haben wir die E-Serie vorgestellt. Sie basierte auf der Ohrhörer-Komponente aus unseren Personal System Monitors. Damals beobachteten wir, dass viele Musiker die Ohrhörer auf jenseits der Bühne verwendeten. Der Schritt, diese Technologie auch als Consumer-Produkt anzubieten, bedeutete, dass unsere Kunden die Klangqualität, den Tragekomfort und die Mobilität nutzen konnten, die bislang Musikern vorbehalten war. Die aktuellen Modelle, die SE-Linie, basieren auf den Erfahrungen mit der ursprünglichen E-Serie, haben aber eine verbesserte Ergonomie, sind modularer und haben einen verbesserten Klang.

Was ist der große Vorteil dieser Ohrhörer?

Dass sie auf der Erfahrung aufsetzen, die wir bei der Betreung von Bühnenkünstlern gesammelt haben. Die Ohrpassstücke aus Schaumstoff schirmen Umgebungsgeräusche so gut ab, dass sehr kleine Lautsprecher einen sehr präzisen Klang direkt an das Ohr liefern können. “Normale” Kopf- oder Ohrhörer sitzen außerhalb des Ohrkanals und verzichten gänzlich auf Abschirmung. Andere Firmen bieten “Noice-Cancelling”-Ohrhörer an, die angeblich den gleichen Grad der Abschirmung bieten, wie unsere “Sound-Isolation”-Modelle. Doch es gibt Unterschiede, die sich aus der Ergonomie unserer Produkte ergeben. Unsere Ohrhörer trägt man wie Ohrstöpsel tatsächlich im Ohr, der weiche, anpassungsfähige Schaumstoff passt sich dem Ohr an und lässt so keine Geräusche durch. Damit liegen wir bei rund 37 dB Abschirmung, andere Hersteller erreichen nur 20 dB. Viele Noise-Cancelling-Ohrhörer sind dazu noch aktiv, d.h. sie sind größer, schwerer, oft sogar mit Batterie, die bestimmte Frequenzen nutzen, um Umweltgeräusche zu verdrängen. Dabei kommt es zu Artefakten. Wir glauben, dass unser System besser ist, weil es die natürliche Beschaffenheit des Ohres nutzt, auf Technik verzichtet und somit zum besseren Ergebnis kommt.

Der SE530 ist vereinfacht gesagt ein Drei-Wege-Lautsprecher mit einem Hoch- und zwei Tieftönern. Mit welchen technischen Herausforderungen ist man bei solch einem Design konfrontiert?

Kurz gesagt: Wie kann man die heimische Stereo-Anlage so schrumpfen, dass sie in das Ohr passt. Faktisch geht es um Akustik und Mechanik, die in ein ansprechendes Design passen und dabei einen fantastischen Klang liefern müssen. Nur in der Kombination der drei Wege konnten wir den Klang erreichen, den wir uns vorstellten. Als wir die drei Komponenten hatten, mussten sie in Einklang gebracht werden, damit kein Frequenzbereich überbetont wird. Dafür mussten wir dann die Komponenten noch einmal komplett überarbeiten und vor allem die Bauteile, die den fließenden Übergang zwischen den Frequenzbereichen garantieren, miniatursieren. Dann kam das Design. Edel sollte es aussehen, auch nach intensivem Gebrauch. Außerdem haben wir beim SE530 erstmalig unserer neuen Ohrpassstücke ausprobiert, was viel Forschungsarbeit bedeutete. Viele Erfahrungen, die wir bei der Entwicklung des SE530 gemacht haben, sind auch in die anderen Modelle mit eingeflossen.

Dennoch ist der SE530 größer und schwerer als andere Ohrhörer. Gibt es natürliche Grenzen für solche Ohrhörer, was Gewicht und Größe angeht?

Naja, der SE530 wiegt 30 Gramm, das empfinden wir nicht als schwer. Und er ist kleiner als die Modelle 2c und 5c unserer früheren E-Serie. Man muss die Modelle “Probe tragen” und schließlich das finden, das am besten zu einem passt.

Der SE530 ist mit 450 Euro sehr teuer. Gleichzeitig werden MP3-Player immer billiger? Empfinden Sie das als Gegensatz? Die Menschen kaufen billige Abspielgeräte und geben dann viel Geld aus, um ihre komprimierte Musik zu hören?

Unsere Umfragen haben uns andere Ergebnisse beschert. Viele der Käufer des SE530 haben sich schon lange von Kompression verabschiedet und verwendet den Ohrhörer entweder zu Hause an der Stereoanlage oder aber für unkomprimierte Files, wenn sie unterwegs sind. Außerdem: Der Ohrhörer bietet sechs Lautsprecher. Kauft man die für die heimische Anlage, sollte man schon 500 Dollar ausgeben!

3 Responses

  1. Jan

    Ja, also wenn der nerk vom PortaPro schon genauso begeistert ist, wie ich, kann ich den 530 ja blind kaufen. 🙂

    Wie ist denn der Vergleich PortaPro und 530?

    Gruss

    Jan

  2. nerk

    weiss ich leider nicht, da musst du den Thaddeus fragen (ich glaube der hat sie beide gehört) 🙂

  3. Jan

    Also ich finde Thaddeus sollte sich mal dazu äussern. Hier und jetzt! 🙂 Vor allem, weil ich mal mit nem Entwickler von Hearsafe gesprochen hab, der meinte, dass Mehrwegsysteme in Kopfhörern schlecht zu realisieren wären… hmmmm…