Mit “Electronic Instruments 2” schickt Native Instruments eine weitere Ensemble-Sammlung ins Rennen, nicht nur für all diejenigen, denen das eigene Programmieren in Reaktor zu fusselig ist. Mit dem Sounddesign von Photek, Richard Devine, Junkie XL oder Speedy J ist man nah dran an der elektronischen Realität. Grundbedingung ist der schnelle Rechner …
von Thaddeus Herrmann

Für 99 Euro bekommt der Reaktor 4- oder Reaktor-Session-User acht neue Instrumente, über die man jeweils mindestens eine Seite füllen könnte. Der offenen und modularen Struktur von Reaktor ist es zu verdanken, dass die hier gebündelten Ensembles eben nicht der 24. Aufguss eines Softsynths oder eines Drumsamplers sind, sondern dem User weit mehr Eingriffsmöglichkeiten geben bzw. die Idee eines Instrumentes mal von der anderen Seite aufzäumen. Reaktor-User dürften sich in dieser Welt schnell zurecht finden. Diejenigen, die sich jedoch bewusst für die abgespeckte Session-Version, also die Preset-Variante entschieden haben, werden unter Umständen stutzen. Die Reaktor-Welt funktioniert einfach anders, aber das dürfte sich mittlerweile schon herumgesprochen haben.

Synthesizer
Drei neue Tonerzeuger kommen im Paket. “Photone” ist das neue Schlachtschiff in jedem Reaktor. Eigentlich ein traditioneller subtraktiver Synth, bietet er zusätzlich spezielle Oszillatoren, eine Emulation des analogen Detunings und umfangreiche Routing-Möglichkeiten der Filter (2 x Multimode). “Metaphysical Function” geht da schon einen Schritt weiter und zeigt die Stärken von Reaktor, ungewöhnliche Interfaces mit Features zu verbinden, die man im normalen Softsynth vergeblich sucht: 32 automatisierbare Fader kontrollieren den Sound von Signal-Prozessoren, Ringmodulation, Sampler und EQs. Vollkommen entkoppelt von Host und Midi-Informationen morphen Klänge vor sich hin und warten darauf bearbeitet zu werden. Allein mit den Presets kann man sich schon Stunden beschäftigen und den subtilen Veränderungen und Varianten eines Samples zuhören. “Akkord” kombiniert additive und FM-Synthese, fügt Waveshaping dazu und ist die perfekte Maschine für Arpeggiatos und lebendige, hüpfende Akkorde. Der spezielle Chord Sequencer verwandelt jede noch so langweilige Bassline in ein abwechslungsreiches Monster.

Effekte
“Resochord” harmonisiert jeden Klang, egal ob er schon hörbar tonal ist oder nicht. Ähnlich dem Prinzip eines Vocoders werden Audiosignale durchgeschliffen und verlassen das PlugIn mit den Harmonien, die man auf der Tastatur spielt. Sechs Feedback-Generatoren, alle einzeln stimmbar – selbstverständlich -, sind für den neuen Sound verantwortlich. “Fast FX” ist ein Kombipack aus sechs Effekten: Freeze (klar, oder), zZZzZZ (granuliert das Eingangssignal), Slice Manipulator (zerlegt das Sample, verändert die Reihenfolge der Teile und deren Abspielrichtung), Gate (mit Step-Sequenzer) und schließlich ein Filter, das auch am Step-Sequenzer angreifen kann. “Fast FX” ist vor allem für Live-Gigs konzipiert und erlaubt dem User, 256 Snapshots mit unterschiedlichen Voreinstellungen abzuspeichern und kann entweder auf externe Signalquellen zugreifen oder auf den integrierten Sampler. Feine Sache. “Cyan” schließlich ist ein professioneller Chorus.

Drum Machines
“Krypt” ist ein Granular-Sampler, der auf sechs Kanälen zerhackt, was nur geht. Dabei können Einzelsamples genauso geladen werden wie ganze Loops, die dann gleich noch zerschnitten und neu zusammengesetzt werden können. Mit eingebautem Pattern-Sequenzer lassen sich hier in kürzester Zeit ziemlich langweilige Samples sehr dreckig aufmotzen. “Limelite” rundet das neue Package von NI ab. Nicht umsonst nennt es sich “Advanced Beat Composer”. Mit fünf Sample-Einheiten, über 600 MB Sounds, integriertem Sequenzer (sieben Kanäle), werden einem sogar diverse Remix-Vorschläge vom Programm gemacht, das die Patterns wild durcheinander wirbelt. Effekte hat “Limelite” auch, klar.

Fazit und Cpu-Hunger
“Electronic Instruments 2” macht einen rundum guten Eindruck, zumindest vom Sound. Die Presets sind nicht peinlich und gleichzeitig ein guter Ausgangspunkt für eigene Kreationen. Doch wie so oft macht einem die Technik das Arbeiten schwer. Mac-seitig hat unser Testrechner (PowerBook G4 / 1 GHz, 512 MB Ram) in Verbindung mit Logic als Host-Software nicht lange durchgehalten. Der Trend, derart CPU-hungrige Instrumente zu programmieren, ist dabei nicht ganz einzusehen. Welchen Sinn hat ein Instrument, dass die CPU-Last bereits bei einer Instanz auf über 50% schießen lässt und es unter Umständen bis zu sieben Sekunden dauert (wir haben mitgestoppt), bis ein Fader auf die Maus reagiert? Unter OS X scheint ein G5 mittlerweile das Minimum zu sein, um gut und flüssig arbeiten zu können. All denjenigen, die diesen Rechner bereits besitzen, kann ich “Electronic Instruments 2” empfehlen, den G4s dieser Welt leider nicht.

Preis: 99 Euro

http://www.native-instruments.de

System:
MAC: OS X, G4, 1GHz, 512 MB
PC: XP, P4, 1GHz, 384 MB

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