Anschlussfreudiger Aufnahme-Purist zum kleinen Preis

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Bei M-Audio fühlt man sich meistens gut aufgehoben, so auch bei den mobilen Recordern. Der Micro-Track bietet alles was man braucht: in guter Qualität und zu einem guten Preis.von Daniel Coenen aus De:Bug 114

Der Erstkontakt mit dem retrofuturistisch angehauchten MicroTrack ernüchtert mit schnödem Vollplastik-Feeling und langem Bootvorgang von fast 20 Sekunden. Immerhin lässt sich das kleine Pummelchen aber bequem mit einer Hand bedienen. In der zweiten kann man dann ein externes Mikrofon halten, das an eine der beiden Mic/Line-Eingangsbuchsen auf der Oberseite des Geräts angeschlossen wird. Für diese symmetrischen Klinkenbuchsen (6,3mm) gibt es eine zuschaltbare 30-Volt-Phantomspeisung, so dass auch viele professionelle Kondensatormikros mit dem MicroTrack verwendet werden können. Ebenso ungewöhnlich für ein Gerät dieser Größe sind die drei unten angebrachten Cinch-Buchsen – ein S/PDIF-Digitaleingang und ein analoges Ausgangspärchen, das denselben Pegel führt wie der Miniklinken-Kopfhörerausgang.Electret-Mikros mit Tonaderspeisung wie das beiliegende Stereo-Mic oder viele Krawatten-Mikrofone werden in den separaten Miniklinken-Eingang gestöpselt. Vor dem Aufnahmestart wird noch eine CF-Speicherkarte in den seitlichen Slot geschoben und im Menü die Eingangsquelle und Aufnahmequalität ausgewählt – über diese Voreinstellungen gibt das großzügige, blau beleuchtete Display im Betrieb leider keine Auskunft. Im WAV-Modus kann der M-Audio mit bis zu 24 Bit/96 kHz aufnehmen, was allerdings nur dann Sinn macht, wenn über den Digitaleingang ein Highend-Vorverstärker angeschlossen ist oder alte DAT-Aufnahmen verlustfrei archiviert werden sollen. MP3s zeichnet das Gerät mit Bitraten von maximal 320 kbps auf. Für artefaktfreie Stereoaufnahmen reichen 224 kbps.Die Vorverstärkung der Analogeingänge wird mit einem seitlichen Schieber zwischen Line und Mic umgeschaltet. Da es für die großen Klinkenbuchsen zusätzlich eine High-Schalterstellung und einen im Menü zuschaltbaren 27dB-Boost gibt, sind genug Reserven für schwächelnde dynamische Mikros vorhanden. Das Rauschen ist bei Maximalverstärkung allerdings unüberhörbar. Für die Jagd auf leise Signale sollte man lieber zu einem Kondensatormikro oder zum mitgelieferten Stereomikro greifen. Dessen Klang ist übrigens erstaunlich gut: Konzert- und Geräuschaufnahmen haben saubere Höhen, einen knackigen Bass und viel Rauminformation, da es sich um ein omnidirektionales Mikrofon ohne Richtcharakteristik handelt. Schön also für Atmos oder Bandproben – eher nicht geeignet, um einen Einzelsound präzise aus dem umgebenden Klangmatsch herauszulösen.Die Feinaussteuerung erfolgt ausschließlich manuell über die koppelbaren Levels-Tasten, dank Tastenklick auch blind und mit Handschuhen. Nachteil dieses Konzepts: Bei Verwendung des T-Mics hört man das Geklicke natürlich in der Aufnahme. Einen Limiter gibt es ebensowenig wie die Möglichkeit, vorab die Dateinamen für das Aufnahmeprojekt festzulegen. Der Aufnahmestart und -stop über die Rec-Taste erzeugt und speichert jeweils ein File mit fortlaufender Numerierung (fileXXXX). Vor Übersteuerungen warnen die beiden roten Peak-LEDs besser als das etwas träge und nicht skalierte Levelmeter im Display.Aufnahmepausen erzeugt man durch Druck auf die seitliche Tastenwippe, Marker lassen sich so allerdings nicht einfügen.Auch bei der anschließenden Wiedergabe kommt die schwammige Wippe zum Einsatz. Sehr nervig ist das Spulen in längeren Aufnahmen: Man kann zwar mithören, die Geschwindigkeit ist aber nicht variabel und oft skipt man versehentlich zum nächsten File. Abhören und Verwaltung der Audiofiles erledigt man also besser am Rechner. Außer einer Löschfunktion bietet der MicroTrack sowieso keine Funktionen zur Dateiverwaltung.Übertragen werden die Daten via USB 2 mit rund 2,5 MB pro Sekunde. Über die USB-Buchse wird zugleich auch der interne, nicht vom User wechselbare Li-Ionen-Akku geladen, entweder vom Rechner oder vom mitgelieferten Netzteil. Eine Vollladung reicht für gut 4 Stunden Aufnahme. Wer längere Sessions in unzivilisiertem Gebiet plant, sollte sich eine USB-Batteriebox zulegen, die man im Netz für wenige Euro erstehen kann.FazitNach der jüngsten Preissenkung ist der MicroTrack ein echtes Schnäppchen. Das serienmäßige Stereomikro wappnet ihn für mobile Atmo-Aufnahmen und seine Schnittstellenvielfalt macht ihn zugleich zum Allround-Studiotool. Über die kleinen Mängel im Handling schaut man angesichts seiner zahlreichen Vorzüge – Digitaleingang, Phantomspeisung, 24 Bit-Option – gerne hinweg.

M-Audio

Preis: 329 Euro

Aufnahmemedium: CFAufnahmeformate: WAV (16/24 Bit, bis 96 kHz), MP3 (96-320 kbps)

Stromversorgung/Laufzeit: int. LiIonen-Akku, ca. 4 Std.Abmessungen: 61x110x29mm, 159g

Lieferumfang: 64MB CF, Stereo-Mic, Beutel, USB-Ladenetzteil, Kopfhörer[ratings]

One Response

  1. james

    das teil hat sehr wohl einen limiter!