Es war live und ich war dabei

Ende September hatte unser Kollege Andreas Ernst Gelegenheit, an einem Workshop von LeafAudio in Berlin teilzunehmen. Ohne Erfahrung mit Lötkolben und Schaltungstechnik hat er einen Abend lang aus simplen Bauteilen einen Verzerrer zusammengebaut und schildert hier sein Workshop-Erlebnis. Bei den De:Bug Musiktechniktagen könnt auch ihr eure Traumkisten selber bauen.

Der Fuzz-O-Mat
Ich mag analoge Schaltungen. Ihr Atmen. Ich pfeife auf Reproduktionsfähigkeit, lasse dem Zufall gerne Raum. Wer den haptischen Kontakt mit dem Instrument der grafischen Darstellung auf einem Bildschirm vorzieht und Potis drehend auch mal Blut und Wasser schwitzt, bis der Sound der letzten Session wieder mindestens ähnlich und dann kraftvoll aus den Monitoren schallt, wer sich also außerhalb des Rechners auf Klangsuche begibt, Strippen zieht statt PlugIns lädt, dem bietet LeafAudio ein ganzes Arsenal an spielfreudigen Geräten – zum Selberbauen. Und genau da fängt der ganze Spaß schon mächtig an.

Sechs Kondensatoren, dreizehn Widerstände, drei Transistoren, Leuchtdioden, Schalter und Kabel hält Manuel Richter von LeafAudio für jeden Teilnehmer des Workshops an diesem Abend in Berlin bereit, nebst kleiner Plastikdose, die nun Gehäuse werden soll. Ein Dutzend Jungs sind gekommen, keine Damen. Löten scheint Männersache zu sein, doch es wird sich an diesem Abend noch häufig zeigen, dass ruhige Hände, Fingerspitzengefühl, gute Augen und Geduld weit wichtiger sind, als technisches Verständnis. Erfahrung im Löten war in dieser Männerrunde jedenfalls die Ausnahme, viele Kolben noch originalverpackt und in der Mehrzahl eine günstige 5€-Variante. 

Während also viele der Kolben zum ersten mal heiß werden, schaffen wir uns einen Überblick über unser Vorhaben: Der Fuzz-O-Mat sei die Todespeitsche des Herrn, die alles zerstört, schreddert und verzerrt, was man durch seine Eingeweide schickt. Manuel Richter demonstriert auch gleich ein fertiges Gerät anhand von Beats, die durch den Fuzz-O-Mat tatsächlich höllisch abgehen. Mit seinen vielen Bauteilen auf dem Tisch ausgebreitet wirkt dieses Teufelsding dann aber doch vor allem filigran. Ein Segen ist da Richters Anleitung, die selbst dem Laien selbsterklärend ist: kaum komplizierter als ein Lego-Set, übersichtlich und verständlich, auch wenn man nicht weiß, was man da eigentlich im einzelnen in den Fingern hält. Und wer nun zum ersten Mal mit Kolben und Lötzinn Hand anlegt, dem erklärt der Workshop-Leiter entspannt, wie´s geht. So bestückt nun jeder nach und nach seine Platine. Die erweist sich zwar als etwas klein, ein Layout-Fehler, der bei kommenden Fuzzer-Generationen behoben werden soll, dennoch sind bald die meisten Bauteile an ihrem Platz. Und wenn es mal hakt, steht Manual Richter beruhigend und helfend zur Seite. Die analoge Schaltung ist schließlich nicht in Beton gegossen. Lötpatzer lassen sich beheben und die Schaltung mit dem Spannungsprüfer auf ihre Fehler kontrollieren. Am Ende habe ich es dann geschafft: Trotz ein paar Ungereimtheiten an diesem Abend, die Manuel Richter und seine Helfer zunächst selbst nicht ergründen können, funzt mein Erstlingswerk am Ende tatsächlich – wie Hölle. 

7 Responses

  1. lötomat

    die brandwunden geheilt – der nächste workshop gebucht 😉

  2. 19-zoll stammtisch

    muss mal ne lanze brechen 🙂
    von 4 workshops, die wir mit leafaudio gemacht haben, war dieser tatsaechlich der schwierigste; wahrlich viele erstloeter und der FUZZ-O-MAT, das neuste projekt im programm, zwar nicht fehldesignt aber eben etwas filigran fuer anfaenger. wir “helfer” vom stammtisch hatten das dingens dann auch zum ersten mal in der hand und mussten uns in den testprozess erst einfunden.

    letztendlich ist ja jeder zu seiner ordentlich krachmachenden brotdose gekommen 😉

    ausserdem: VERZERRER sind wohl maennersache, loeten eher nicht (tags darauf, beim BUMSSS drumsynth waren auch wieder einige frauen dabei).

    wenn ich selbst an meine ersten DIY versuche denke oder diverse bausaetze aus der szene betrachte, die auch fachmaennsich bestueckt oft nicht halten was versprochen wurde, finde ich dass jeder mit dem ergebnis dieses abends mit dem heissen eisen zufrieden sein darf 😛

    dann mal viel spass bei den musiktagen!

  3. chester

    war beim fuzz-o-mat workshop………war ´ne tolle sache, nette leute kennengelernt und lust bekommen auf mehr…..

  4. Manuel G Richter

    Ja, wir haben jetzt das Platinen-Layout geändert, nun ist die Platine des Fuzz-O-Mat fast doppelt so groß wie neulich. Das Thema sollte also gegessen sein beim nächsten mal. Danke vielmals noch an die 19″-Stammtisch-Jungs für´s Helfen, ihr seid top!! Und wir freuen uns schon auf die DeBug-Workshops und sind schon am Vorbereiten.