Großes Update für die beliebte DAW

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Nach sage und schreibe 21 Betas war es so weit: Anfang Dezember letzten Jahres erschien die neue Version von Ableton Live. Großes Feature-Hubern oder gelungene Produktpflege? Ein bisschen von beidem …

Von Benjamin Weiss aus De:Bug 119

Sound

Die erste und für mich fast wichtigste Änderung betrifft die Sound Engine: Endlich wurde der Mixbus auf zeitgemäße 64-Bit gehievt (alle anderen mir bekannten DAWs nutzen diese Auflösung schon seit längerem). Und der Unterschied ist deutlich zu hören: Gerenderte Mixes klingen (wenn man den High-Quality-Modus gewählt hat) jetzt nicht mehr so, als ob ein Handtuch über dem Monitor liegt, Aliasing wurde hörbar reduziert. High-Quality-Modes gibt es auch für Operator, Dynamic Tube, EQ 8 und den Saturator, außerdem wurde POW-r Dithering integriert.

DAW-Standards
Live ist in der neuen Version auch näher an die anderen großen DAWs gerückt: Features wie der Sidechain, die Integration externer Hardware über External Instruments und External Audio Effects, die verbesserte Audio Engine, ein Spektral-Analyzer und die endlich im Arrangement professionell nutzbare Automation (= für jeden automatisierten Parameter lässt sich eine Spur öffnen) zeigen die Annäherung deutlich. Der Sidechain ist allerdings noch nicht für PlugIns anderer Hersteller nutzbar, sondern ausschließlich dem Compressor 2 sowie dem Gate und dem Audio Filter vorbehalten. Für ein stabiles Miditiming stand Live bisher nicht unbedingt, was sich am zuweilen deutlichen Driften der Midiclock bei der Synchronisation mit externen Geräten zeigte. Das wurde geändert: Zwar ist es nicht schneller, aber deutlich stabiler und tighter geworden.

Drum Racks, Slicing und Rexfiles
Die Drum Racks sind eine große Innovation in der neuen Version von Live. Sie sind eine Ansammlung von Slots, von denen immer eine Matrix von 4×4 (wie bei der MPC) zu sehen ist. Die Slots lassen sich mit fast allem bestücken, was Live zu bieten hat: Einzelsamples, ganze Clips, Rexfiles, Instrumente. Die Sequenzdaten sind in einem einzelnen Midiclip enthalten. Die Drumrack-Tracks verhalten sich wie Ordner und lassen sich aufklappen: Pro Slot gibt es einen kompletten Kanalzug. Wird es im Drum Rack unübersichtlich, kann man die einzelnen Sounds auch wieder aufdröseln: Man zieht sie einfach aus dem aufgeklappten Drumrack-Kanalzug in einen leeren Midiclip und sämtliche Einstellungen, Effekte und die Noten für den ausgewählten Slot kommen mit. Sehr praktisch, um zum Beispiel Drumpatterns zu erzeugen, die sich später dann nach Sounds vereinzeln lassen. Die Drum Racks dienen auch dem komfortablen Editieren von Rexfiles. Beim bloßen Ziehen ins Arrangement sind diese nämlich noch statisch, werden also einfach als Audioloop abgespielt. Per Rechtsclick werden die Slices anhand der Recycledaten in ein Rack geladen, das dann gleich die Mididaten des Loops bekommt. Slicen lassen sich aber auch alle anderen Audiofiles, und zwar in bis zu 128 Teile, wahlweise anhand von Quantisierungen oder Warpmarkern, allerdings wird’s dann beim Aufklappen etwas voll im Mixer.

Tempo und Takt
Taktraster-Wechsel waren bisher nicht möglich in Live, jetzt kann man sie sowohl im Session View als auch im Arrangement nutzen. Um das Tempo besser an externe, nicht synchronisierte Quellen anzupassen, gibt’s die neue Temponudge-Funktion: Mit ihr kann man ähnlich wie bei einem Plattenspieler das Tempo kurz verschnellern oder verlangsamen. Das funktioniert recht gut, wenn die CPU nicht viel zu tun hat; bei größeren Sessions reagiert Temponudge aber zu träge.

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Add-Ons
Mehr und mehr scheint sich auch Ableton für den Verkauf von Libraries zu interessieren, und so wurden ein paar Sample-Päckchen geschnürt, die in der Ableton Live Suite enthalten, aber auch einzeln zu kaufen sind.

1. Electric, Analog und Tension
Drei neue Instrumente werden mit der Ableton Suite ausgeliefert (und sind einzeln für je 129,- Euro erhältlich). Sie wurden in Zusammenarbeit mit Applied Acoustic Systems entwickelt und beruhen auf bereits existierenden PlugIns, deren GUI an Live angepasst wurde. Electric (aka Lounge Lizard) widmet sich der Emulation klassischer E-Pianos, Analog (aka Ultra Analog) ist ein virtuell analoger Synthesizer und Tension (aka String Studio) ist für die Emulation von Saiteninstrumenten aller Art gedacht. Sie sind allesamt gute, wenn auch eher unspektakuläre Zugaben, wer aber schon mit anderen PlugIns in der Richtung ausgestattet ist, wird sie nicht unbedingt brauchen.

2. Drum Machines & Session Drums
Ein weiteres Instrument ist Drum Machines: Klassiker wie die Roland TR-Serie, Oberheim DMX, Linn Drum und Sequential Circuits stehen als Einzelsounds und Kits in verschiedenen Variationen im Drumrackformat zur Verfügung, allesamt ausgestattet mit Makros. Session Drums dagegen ist eine Sammlung von live gespielten Drumaufnahmen, deren Mikrofonierung man selbst bestimmen kann.

3. Orchester
Hier werden Streicher, Blechbläser und Holzbläser als separat erhältliche Module für je 249,- Euro geboten, die Percussions sind mit 169 Euro etwas günstiger.

Fazit
Live 7 ist eine gelungene Kombination aus innovativen Features und Produktpflege. Neben Standard-DAW-Features und deutlich verbessertem Sound haben mich vor allem die Drum Racks überzeugt, die das Programming um ein vielfaches vereinfachen. Auch das tightere Miditiming ist für alle, die mit Drummachines oder anderer Hardware arbeiten, eine echte Erlösung. Dabei hat die Performance nicht gelitten, auf meinem G5 2×2 GHz verhielt sich Live 7 entsprechend Live 6. Lohnendes Update!

Ableton

Preise:

Live 7 : 419 Euro (Download Version) 499 Euro (Boxed Version, mit Essential Instruments Collection 2)

Ableton Suite: Download (Live 7, Operator, Sampler, Electric, Analog, Tension und Drum Machines): 649 Euro; Boxed (zusätzlich Session Drums + Essential Instrument Collection 2): 799 Euro

Tension, Electric, Analog: je 129 Euro
Session Drums: 149 Euro
Essential Instrument Collection 2: 99 Euro
Drum Machines: 69 Euro
Orchestral Libraries: je 209 Euro

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