Das praktische 303-Format scheint dieses Jahr das populärste für Synthesizer zu werden: Nach Waldorfs Blofeld, der Rozzbox, dem Fricke Kraftzwerg und dem Plugiator nun der Virus TI Snow

Das praktische 303-Format scheint dieses Jahr das populärste für Synthesizer zu werden: Nach Waldorfs Blofeld, der Rozzbox, dem Fricke Kraftzwerg und dem Plugiator ist auch der jüngste Spross von Access’ Virus-Linie, der Virus TI Snow, nun in dieser handlichen Größe erschienen.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 124

Übersicht
Der kleinste Virus ist, im Vergleich zu seinen größeren Geschwistern, auch in der DSP-Leistung der kleinste: Er besitzt etwa die Hälfte der Rechenleistung und kann 50 Stimmen gleichzeitig spielen. Die DSP-Auslastung wird immer in einem kleinen Fenster im gut lesbaren Display eingeblendet. Neben der Hauptfunktion als Synthesizer ist der Snow aber noch gleichzeitig eine USB-Soundkarte mit zwei Eingängen und zwei Ausgängen, ein Midi-Interface und eine Effektbox.

Zugriff & Kontrolle
Zum Anfassen gibt es fünf Drehregler, von denen man drei (die so genannten Soft Knobs) selbst belegen kann. Ein weiterer ist für die Masterlautstärke da. Die anderen beiden sind festgelegt auf Cutoff und Resonanz. Bis auf den Lautstärkeregler sind alle fest doppelt belegt, wobei man die zweite Belegung mit der Edit Taste erreicht. Wer Sounds von Grund auf bauen will, kann das zwar auch ausschließlich am Gerät tun, deutlich schneller und übersichtlicher geht es aber am Rechner. Total Integration – so heißt das bei Access, wenn man die Viren auch als VST/ AudioUnit-PlugIns samplegenau nutzen kann. Sämtliche Parameter können in den Hosts automatisiert werden. Was aber noch viel besser ist: Es gibt ein großzügiges grafisches Display für die vielen Funktionen des Virus, die problemlos ein paar Menüseiten füllen, so dass man bequem und mit der nötigen Übersicht an Sounds basteln kann. Auf einen sonst gewohnten Vorteil von PlugIns muss man jedoch verzichten: Bouncen kann man leider nur in Echtzeit, sonst gibt es Knackser im Sound.

Klangerzeugung, Effekte und Sound
Die 1024 Preset-Sounds erschlagen einen förmlich: Neben durchaus guten in einer ziemlich großen Bandbreite finden sich aber immer wieder welche, die dermaßen mit Effekten zugekleistert sind, dass man eigentlich gar keine Lust mehr auf die Effektsektion des Snow hat. Zu Unrecht, denn die ist wirklich ziemlich gelungen und klingt gut. Neben Standards wie Distortion, Delay, Reverb, Phaser, Chorus und EQ gibt es noch Ring Modulator, Vocoder, Envelope Follower und Analog Boost. Die lassen sich alle auch für externe Signale (wahlweise über USB oder die beiden Klinkeneingänge) nutzen. Ein recht spezieller Effekt ist der neue Atomizer, dessen Funktionen man schon so oder ähnlich von diversen Shredder-PlugIns kennt. Er zerteilt ein anliegendes Audiosignal in Loops, die sich dann neu zusammensetzen, mit zusätzlichen Effekten behandeln und dem Original wieder zugemischt werden können, wobei das ganze per Midi-Tastatur gesteuert werden kann.
Drei Oszillatoren bietet der Snow, neben den klassischen Wellenformen gibt es auch Wavetablesynthese mit 64 Wellenformen, Morph-Funktion inklusive. Außerdem an Bord: die so genannten Hypersaw-Oszillatoren (bis zu neun Sägezähne gleichzeitig) und jetzt auch Graintables und Formant-Oszillatoren.
Gefiltert wird mit zwei Filtern, die wahlweise parallel, seriell oder gesplittet geschaltet werden können. Als Charakteristika stehen Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Band Reject zur Verfügung, wovon die Tiefpässe bis zu vierpolig ausfallen können. Die beiden Hüllkurven kommen als ADSR mit Sustain Slope und sind für den VCA und den Filter da.

Modulation
Modulieren lässt sich mit den drei LFOs alles, was ein Parameter und nicht bei drei auf dem Baum ist, wahlweise zur Geschwindigkeit synchronisiert oder freilaufend, wofür sechs verschiedene Wellenformen bereitstehen. Das ist aber noch längst nicht alles. In der Modulationsmatrix gibt es sechs Slots, die sich mit einer Modulationsquelle und bis zu drei Modulationszielen füttern lassen, was selbst für die komplexesten Routings reichen sollte.

Arpeggiator
Der integrierte Arpeggiator dürfte zu den vielfältigsten gehören, die es momentan in einem Hardwaresynth dieser Preisklasse gibt. Zusätzlich zu den 64 Presets kann man für den Arpeggiator auch komplett eigene Patterns schreiben, wobei ein Pattern bis zu 32 Steps haben kann.

Fazit
Alles in allem ist der Virus TI Snow ein ziemlich überzeugendes und universelles Gerät. Trotz der ausufernden Möglichkeiten im Sounddesign und der riesigen Library ist Access das Kunststück gelungen, diese auch ohne Rechner und mit einer spartanischen Menge an Kontroll-Elementen im Zugriff zu behalten. Im Multimode kann man ihn zwar auch an seine DSP-Grenzen bringen, im allgemeinen dürfte das aber eher selten passieren. Gut geeignet für den Einsatz unterwegs (eine stylische Tragetasche von Logstoff wird gleich mitgeliefert) und live sowieso könnte der Snow im Grundsound vielleicht noch ein bisschen mehr Eigencharakter haben, viel mehr kann man ihm aber nicht vorwerfen. Die Verarbeitung ist sehr solide, Knöpfe und Tasten sitzen fest und die weißen LEDs sind vor allem im Dunkeln recht praktisch.

Access

Preis: ca. 1060 Euro

Anschlüsse: 2 x Ein- und Ausgang im Klinkenformat, USB 2.0, Midi In und Midi Out, externes Netzteil

2 Responses

  1. Arturia Origin Synthesizer im Test

    […] muss sich Arturias Erstlings-Hardware-Werk vor niemandem verstecken. Und die Konkurrenz ist mit Virus TI oder Clavias Nord Modular definitiv alles andere als schwach auf der Brust. Aber wer wenn nicht der […]