Akais Antwort auf Novations Launchpad

Dezidierte Ableton Live Controller boomen seit der APC 40 und dem Novation Launchpad. Akais APC 20 ist der neueste Mitbewerber um die Controller-Krone, ist aber weitaus mehr als nur der kleine Bruder der APC 40 und kann das Angebot an Live-Interfaces mit guten Features bereichern.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 140

Als letztes Jahr im November das Launchpad herauskam, war die Überraschung perfekt, denn es hatte eigentlich keiner damit gerechnet, dass Ableton so kurz nach der APC 40 von Akai auch mit einem anderen Hersteller, in diesem Fall Novation, einen weiteren Controller für Ableton Live bringt. Unerwartet schnell hat Akai darauf reagiert und auf der diesjährigen Winter NAMM die APC 20 vorgestellt, die nicht nur mit dem gleichen Preis sondern mit durchaus konkurrenzfähigen Features kommt, wenn sich die Geräte auch deutlich voneinander unterscheiden. Die von mir getestete APC20 befand sich noch im Prototypenstatus, deswegen kann sich natürlich noch das eine oder andere ändern.

Übersicht
Die APC 20 sieht so aus wie eine APC 40, der man den rechten Teil abgeschnitten hat: bis auf den Cue keine Drehregler, aber die komplette Matrix von 5 x 8 Pads zum Triggern von Clips im Session View, acht Scene Pads und die acht Fader mit ihnen zugeordneten Solo/Cue Buttons, Stop Buttons, Record/Arm und Activator Buttons. Die Select Buttons sind doppelt belegt, hier finden sich auf der obersten Ebene Play, Stop, Global Record und MIDI Overdub sowie die Navigationstasten Left, Right, Up & Down und der Zugriff auf den Note Mode. Mit Shift gelangt man in die zweite Ebene, in der sich die Tracks 1-8 und der Master selektieren lassen. Hier haben auch die Record/Arm Buttons eine zweite Funktion: Mit ihnen kann man die acht Bänke für Volume, Pan, Send A, B und C sowie die drei User Modes anwählen, die dann über die Fader gesteuert werden. Neubelegungen aller Bedienelemente oder der User-Modi funktionieren wie immer über Abletons MIDI-Zuweisung.

Neue Features
Die kleine APC 20 hat aber ein paar Alleinstellungsmerkmale und ist nicht nur die kleinere Schwester der APC 40: Ähnlich wie beim Launchpad gibt es einen Note-Modus, bei dem man über die Pads MIDI-Noten spielen kann und drei verschiedene User-Modi, die alle über die Shift-Taste erreichbar sind. In den User-Modi kann man allerdings nicht, wie beim Launchpad, sämtliche Pads neu belegen, sondern nur die Funktion der Fader. Trotzdem lassen sich so bis zu 24 Parameter auf die Fader legen, wenn man die PAN-Seite oder einen der Sends noch dazu nimmt, sogar 32 oder mehr, damit kann man also durchaus was anfangen.

Praxis
Wie schon bei APC 40 und Launchpad erschliessen sich die Funktionen all denen, die schon mal Live im Session View benutzt haben sofort: jeweils acht Tracks und fünf Scenes sind gleichzeitig sichtbar und lassen sich direkt antriggern, belegte Clips leuchten orange (wenn sie nicht spielen), grün (wenn sie spielen) oder rot, wenn auf sie aufgenommen wird. Dass sich die Funktionalität der Fader je nach angewählter Bank ändert, ist zumindest für APC 40-User zunächst gewöhnungsbedürftig, denn wenn man einmal am Schrauben in einer der Bänke ist (also Sends, User-Modes und Pan) hat man keinen direkten Zugriff mehr auf die Lautstärke eines Tracks. Ansonsten funktioniert das mit der Doppelbelegung aber überraschend intuitiv und der Note-Modus ist eine echte Bereicherung.

Fazit
Im Vergleich mit dem Launchpad von Novation gibt es keinen wirklichen Gewinner: Das Launchpad punktet mit mehr Pads und dadurch Anpassungsmöglichkeiten im User-Mode, dafür hat die APC 20 acht Fader, die sich mit Parametern frei belegen lassen. Beide lassen sich bis zu vier mal stacken, was wohl auch für die ausschweifendste Kontrollwut mehr als ausreichen dürfte. Als Ergänzung zur APC 40 ergibt sich nicht nur der komfortable Zugriff auf 16 Tracks mit ihren Clips gleichzeitig, die APC 20 springt im Zusammenspiel automatisch in den Track-Select-Modus, wodurch sie sich wie eine erweiterte APC 40 (oder dann 60?) verhält. Ob man sie dann noch in den Note Modus schalten kann, konnte ich leider nicht ausprobieren, aber vielleicht ist ja die beste Kombination auch sowieso die aus Launchpad und APC? Alles in allem wird es so langsam richtig spannend bei den Live-Controllern, und ob man sich für den einen oder anderen entscheidet, ist mehr und mehr eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Akai

Preis: 199,- Euro

5 Responses

  1. De:Bug Musiktechnik » DIY: APC80

    […] ist doch mal ne gute Idee: aus einer APC40 und einer APC20 einfach die APC80 bauen, damit man endlich direkten Zugriff auf 16 Kanäle hat. Gesagt, getan hat […]