DJ & Studiofilter im 19"-Format

Allen & Heath, früher vor allem bekannt durch gut klingende Studiopulte, hat sich in den letzten Jahren mit der XONE-Serie zum Marktführer im Bereich professionelle DJ-Mixer gemausert.
Der XONE VF-1-Filter ist der gleiche wie der des XONE:92 DJ-Mixers, allerdings mit mehr Parametern und größeren Bedienelementen ausgestattet.

von Nerk aka Benjamin Weiss aus De:Bug 122

Übersicht
Zunächst: Anders als die meisten anderen mir bekannten Filter bietet der VF-1 keinerlei Regelmöglichkeiten für den Ein- und Ausgang. Drei Filtertypen stehen zur Verfügung, die per Button aktivierbar sind: Tiefpass, Bandpass und Hochpass. Da sie voneinander unabhängig sind, kann man sich durch Aktivieren von Tiefpass und Hochpass so zum Beispiel auch einen Notchfilter basteln. Benutzt man den Filter in Stereo, hat er eine Flankensteilheit von 12 dB, die sich im Monobetrieb (an der Rückseite per Switch einstellbar) auf 24 dB verdoppelt. Über Midi lassen sich auch zwei VF-1 zu einer Stereoeinheit mit 24 dB verbinden, wobei eins der beiden dann Master ist und beide gleichzeitig steuert.
In die Resonanz ist eine Art Kindersicherung namens ARC (Automatic Resonance Control) eingebaut, die verhindern soll, dass bei hohen Resonanzwerten der Pegel nach oben ausreißt und eventuell die Anlage zerstört. Das ist, wenn man Analogfilter sonst kennt und eben diese Dynamiksprünge erwartet, erst mal gewöhnungsbedürftig. Eine ähnliche Funktion wurde in die Röhrenverzerrungsstufe integriert, auch hier wird der Pegel automatisch angepasst, um heftige Pegelspitzen zu vermeiden. Der Grad der Röhrenverzerrung lässt sich von moderatem Softclipping bis hin zu heftiger Verzerrung stufenlos regeln, bei Bedarf kann die Verzerrung auch sehr wirkungsvoll vom Envelope Follower moduliert werden. Der dient dem pegelabhängigen Ansteuern der Filterfrequenz durch das Eingangssignal und bietet zwei verschiedene Releasezeiten, außerdem einen Drehregler für die Intensität der Bearbeitung durch das externe Signal. Schließlich ist noch ein leider nicht synchronisierbarer LFO mit Rechteck oder Dreieck an Bord, dessen Tiefe und Rate sich definieren lässt.

Steuern von außen
Midi ist zwar vorhanden, die Implementation hätte allerdings vollständiger sein können: Controller gibt es für Cutoff-Frequenz, die drei verschiedenen Filtertypen sowie die Bypass-Funktion. Außerdem hat man die Wahl zwischen drei verschiedenen Modi, die man allerdings nur wechseln kann, wenn man vorher den Filter vom Netz trennt, im laufenden Betrieb Fehlanzeige. Der erste Modus dient der Fernsteuerung durch einen XONE:92 DJ-Mixer, der zweite ist der Keyboard Tracking Mode (hier folgt die Filterfrequenz der Note eines Midikeyboard) und schließlich gibt es noch den Keyboard Mute Mode (wenn alle Keyboardtasten losgelassen werden, wird der Ausgang des Filters gemutet). Da die Modi über die Filterbandbuttons beim Einschalten eingestellt werden, lassen sie sich genauso wie die Bänder auch kombinieren: Modus 1 und Modus 2 zusammen lassen dann zum Beispiel nur die Frequenzen durch, die in der Nähe der gespielten Midinote liegen. Schön wäre zum Beispiel ein zum Tempo synchronisierbarer LFO, aber wer weiß, vielleicht lässt sich das ja noch einbauen.

Haptik & Sound
Die Haptik des VF-1 ist vorbildlich: große, griffige Drehregler mit angenehmem Widerstand, die nicht zu eng beieinander liegen, und großzügige Buttons für die Filtertypen und den Bypass erlauben einen schnellen und wirkungsvollen Eingriff ins Soundgeschehen. Die Bedienung ist tatsächlich idiotensicher (auch wenn das jetzt vielleicht ein wenig gemein klingt): Mutwilliges Übersteuern durch Resonanz, Verzerrung oder hohe Pegel wird durch das Design effizient verhindert. Das hat aber keine negativen Auswirkungen auf den in jeder Situation satten und fetten Sound. Insgesamt ein effizientes, gut bedienbares und gut klingendes Werkzeug, sowohl für Djs als auch im Studio bestens geeignet.

Anschlüsse: Midi In/Out, symmetrische XLR-Ein- und Ausgänge, Cinch Ein- und Ausgang, Klinken Ein- und Ausgang, Monitorausgang

Allen & Heath

Preis: 767 Euro (Liste), 570 Euro (Straße)