Wer einen klassisch-analogen Sound möchte, ist mit dem Leipzig bestens bedient. Nur so genau hinlangen sollte man nicht.

Manchmal kann einem der Retrolook analoger Neuschöpfungen echt grausam auf die Nerven gehen. Das trifft auch in diesem Fall zu. Pseudo-Moog-Drehregler, die allerdings nicht wie beim Original fest in der Verankerung sitzen, sondern stattdessen leicht schlabberig umherschlackern, abgerundet durch zwei sinnlos ans Rack genagelte Holzpanele, die ebenso lose sitzen und noch nicht mal eben sind. Schon wenn man die wegließe, wäre der Leipzig von Analogue Solutions wahrscheinlich ein leidlich hübscher Synthesizer …

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 124

Übersicht
Der Leipzig ist ein komplett analog konstruierter Synthesizer, der sich tatsächlich beim Schaltungsdesign stark an Moogs wie dem Rogue oder dem Prodigy orientiert. Zwei VCOs mit Glide und Suboszillatoren, ein Filter, zwei Audioeingänge mit Mixer, zwei ASR-Hüllkurven, ein VCA sowie ein Noisegenerator … das war es schon in Sachen Ausstattung. Ein wenig missverständlich ist die im Handbuch beschriebene Funktion als Midi-To-CV/Gate-Interface, denn die Übersetzung gilt nur Geräte-intern, da es keinerlei CV oder Gate Outs gibt.
Die VCOs lassen sich unabhängig voneinander stimmen und mit Portamento versehen. VCO 1 kann in der Pulsweite eingestellt werden, VCO2 bietet dafür die Möglichkeit, zu verschiedenen Quellen synchronisiert zu werden: zu VCO1, dann zum LFO oder einem der beiden externen Signale. Pulsweitenmodulation gibt es auch pro VCO und zwar wahlweise durch den LFO oder durch die zweite Hüllkurve. In der Mixersektion kommt alles zusammen, was durch den Filter soll: Noise und das Signal aus dem ersten Eingang, VCO 1 und 2 sowie wahlweise der Suboszillator für VCO1 oder VCO2. Der Filter ist ein klassischer Tiefpass-Moogfilter mit Emphasis (aka Resonanz), Cutoff, Key Track und Envelope Modulation durch die Hüllkurve 1.
Etwas ungewöhnlicher sind die zwei ASR-Hüllkurven: Mit ihnen lässt sich wahlweise Decay oder Release einstellen, was man mit den darunterliegenden Switches macht. Die bringen noch kurz Verwirrung ins Spiel, haben sie doch auf jeder Seite zwei Einraster, die allerdings keine unterschiedlichen Funktionen haben. Angeblich gab es nicht die richtigen Teile, so das Handbuch. Neben den schon im VCO-Bereich und beim Filter möglichen Modulationen gibt es noch ein paar weitere: Der LFO (wahlweise als Rechteck oder Dreieck) kann Filter und VCOs modulieren, die Hüllkurven die VCOs, und schließlich gibt es als Modulationsquelle für VCO2 und den Filter die aus den Mididaten generierten CV-Werte.

Bedienung und Sound
Spätestens der Sound der Kiste versöhnte mich mit dem Leipzig: satt drückendes, voluminöses Klangbild, das das ganze Spektrum analoger Klangsynthese bietet. Auch die Bedienung ist sehr gut und übersichtlich gelöst: Die Regler haben einen angenehmen Abstand voneinander, alles ist auch bei schwierigen Lichtverhältnissen gut zu erkennen und die Oberfläche ist sinnvoll strukturiert. Die Regler sind gut parametrisiert, der Regelweg ist nie zu lang, aber auch nie zu kurz, man hat also immer alles gut im Griff. Insgesamt eine gute Wahl für Leute, die einen satten, klassisch-analogen Sound möchten, an dem sich auch komfortabel schrauben lässt, ohne dass man die Übersicht verliert. Nicht billig, aber abgesehen vom Äußeren auf jeden Fall sein Geld wert.

Soundbeispiel 1

Soundbeispiel 2

Soundbeispiel 3

Analogue Solutions

SchneidersBuero (deutscher Vertrieb)

Preis: 700 Euro

Anschlüsse: Midi In, Midi Thru, zwei Klinkeneingänge für externe Signale, ein Klinkenausgang, Kaltgerätestecker