Kleine Sensation: der erste Synthesizer von Clavia mit Samples

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Von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 120

Über die knallroten Synths von Clavia muss man keine groß einleitenden Worte mehr verlieren. Der Nord Lead war eine Revolution, genau wie der Nord Modular. All das ist Jahre her und seitdem hat die schwedische Firma diese Geräte immer weiterentwickelt, überarbeitet, Funktionen hinzugefügt und das technische WIssen dazu genutzt, das Portfolio um das eine oder andere Schmankerl zu erweitern. Der Nord Wave setzt voll und ganz auf die Performance-Vorteile der älteren Geräte und fügt eine entscheidende Funktion hinzu, die es bislang so noch nicht bei Clavia gab: Samples.

Erster Eindruck
Auch wenn das Hardware-Comeback ja immer wieder angekündigt wird … elektronische Musik macht man heute in der Regel am Rechner. Die Folge: Hardware ist teuer, weil nicht mehr in so großen Stückzahlen zu verkaufen, und oft billig verarbeitet. Bei dem ganzen Plastik-Müll da draußen ist es immer wieder eine Freude, einen Clavia-Synth im Studio zu begrüßen. Hier bricht nichts ab, das Keyboard spielt sich toll und die Potis haben genau die richtige Portion Gegenwehr. Apropos Potis: Clavia verzichtet beim Nord Wave auf die schicken Endlos-Regler mit LED-Kränzen des Modular G2 und Lead 3 (der ja mittlerweile auch nicht mehr hergestellt wird). Das kann man komplett verkraften, allein die Tatsache, dass das ganze Gerät nicht anfängt zu schaukeln, wenn man die Reso hochdreht, erspart mir zahlreiche Schweißausbrüche. Ansonsten findet man sich in dem Clavia-typischen Design schnell zurecht. Praktisch alles ist an seinem gewohnten Platz.

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Anmachen
Der Clavia Nord Wave hat 18 Stereo-Stimmen, die man auf einer Vier-Oktaven-Tastatur spielen kann. In der Synthesizer-Sektion stehen zwei Oszillatoren zur Verfügung. Beide bieten Rechteck, Dreieck und Sägezahn, in Verbindung mit Noise und FM. Beide bieten aber auch unabhängig voneinander Neuigkeiten, die uns gleich zum großen Aha-Effekt des Nord Wave bringen: Oszillator 1 bietet zusätzlich 62 Wavetables, der zweite bindet Samples mit ein. Und hier wird es spannend. 180 MB Flash-Speicher stehen dem Benutzer für Samples zur Verfügung. Natürlich wird der Nord Wave bereits mit reichlich Presets ausgeliefert, die zwar guter Standard sind und auf der Bühne oft verwendete akustische Instrumente, Orgeln oder aber auch speziellere Sounds wie die alten Melotron-Klassiker, schnell verfügbar machen, wirklich Spaß bringt diese Funktion aber erst, wenn man seine eigenen Samples in den Nord Wave lädt. Dies geschieht mit Hilfe einer Software, in der sich Samples erst sehr detailliert bearbeiten (Start-/Endpunkt, Loop-Punkte etc), sich dann komplett auf die Tastatur mappen und schließlich per USB in das Gerät kopieren lassen. Der Editor steht für Windows und OS X zur Verfügung und nach kurzer Einarbeitung findet man sich hier schnell zurecht. Sowieso hat mich das Zusammenspiel von Rechner und Synth mehr als begeistert. Auch das Update des Betriebssystems ging per Rechner praktisch automatisch, auch auf OS X. Eher eine Seltenheit, hier können sich andere Hersteller eine große Scheibe abschneiden. Der Sample-Editor ist allerdings auch bitter nötig, denn sind die eigenen Sounds erst mal im Nord Wave, können sie kaum noch editiert werden.
Samples im Wave? Gut, dann können die jetzt alle Features nutzen, die auch zur Formung des Oszillator-Signals zur Verfügung stehen, also die ganze Signalkette. Das ist der Clou des Nord Wave, ein paar Loops und Absurditäten später war dank der Synthese des Nord Wave alles so dermaßen schwingend zerlegt, dass ich mich fühlte wie Autechres Roadie. Hilfreich: Oszillator 2 kann seinen 1er Buddy frequenzmodulieren, so wie man es aus Geräten wie Yamahas SY77 oder SY99 her kennt. Muss ich den Spaß noch weiter beschreiben? Dachte ich es mir doch …
Vom Key-Feature zu den Standards. Auch hier hat sich einiges getan. Durchweg überzeugt haben mich die Effekte, die einfach und effektiv in das Gerät eingebunden sind. Das Delay hat einen praktischen Tap-Button, Das Reverb klingt weich und warm und die Auswahl der Räume ist sehr gut durchdacht und der Tube Amp schließlich macht richtig Dampf. Filter-technisch ist ein Kamm-Modul dazu gekommen, der sich gut in die Standards Low-, High-, Bandpass und Formant einfügt. Alle sind resonanzfähig und bieten 12 und 24 dB. Die Hüllkurven sind Clavia-typisch sensationell schnell und knackig, genau wie beim LFO. Warum der allerdings nichts zur MIDI-Clock synchronisierbar ist, hat mir nicht eingeleuchtet. Auch neu: Der Equalizer. Er ist dem VCA nachgeschaltet und bietet zwei Bänder.
Das Morphing ist ein guter Bekannter bei Clavia-Geräten, hier bezieht es sich das Keytracking, die Velocity und das Modulationsrad.

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Und?
Mir hat der Nord Wave gut gefallen. Grundsolide verarbeitet, fetter Sound, alle Features, die man über die Jahre bei Clavia lieb gewonnen hat, und die Sample-Option machen das Gerät nicht nur zu einem Killer-Livetool, sondern auch im Studio zu einem verlässlichen Kreativpartner. Die Software-Anbindung ist vorbildlich, das Gerät arbeitet schnell und zuverlässig und so können wir auch über ein paar Dinge hinwegschauen, die man in dieser Preisklasse eigentlich schon erwarten kann: vollwertiges MIDI-Trio und mehr als zwei Ausgänge wären hier zu nennen. Wer den Clavia-Sound schon immer mit Samples aufbohren wollte, ist beim Nord Wave genau richtig!

Anschlüsse:
2 x LineOut, 1 x Headphone Out, Control Pedal, Sustain Pedal, USB, Midi In/Out

Preis: 2378,81 Euro (UvP, Strassenpreis ca. 2000 Euro)

Soundbeispiel 1

Soundbeispiel 2

Soundbeispiel 3

Clavia

10 Responses

  1. SuicideServer

    Hmmm für meine Ohren zumindest das er viel “dünner” klingt als ein Virus. Hatte selbst mal den NordRack 3 und abgesehen von den Knoblights fand ich den klang sehr fad. Nichtsdestotrotz geile maschine für abgedrehte Pad Sounds.

  2. Falk

    Wer Kirmes und Asitechno will, der soll sich halt einen Virus kaufen.

    Was sollen diese unqualifizierten Vergleiche?

  3. Matthias

    @Falk Beide sind VA Synths auf subtraktiver Basis.
    Soviel zum Thema unqualifizierte Vergleiche;)

  4. Herbert

    Was ? Lfos’s lassen sich nicht zur Midiclock syncronisieren? Kein Keyboardsplit?Wo leben wir denn?

    Im Vergleich zur Korg Oasys ist der Nordwave ein schlechter Witz und da sind selbst
    2000€ Wucher.

  5. Herbert

    Kein Arpeggiator und kein Keyboardsplit und das im jahre 2008..?!?

    Ein witz im vergleich zu korg Oasys

  6. Zierenberg

    @Herbert

    Du kannst Doch nicht `n Clavia NW mit OASIS vergleichen !!!

    OASIS = Workstation (Eierlegende Wollmilchsau)
    NORDWAVE = Synthbrett (sonst nix)

    Aber für Dich mach`n die auch noch einen 4er Splitt möglich, rüsten die restlichen
    Outs nach und packen noch ne Orgel und eine Pianosektion dran, nicht zu vergessen
    73 und 88Tasten Version und… äh.. nennen das dann Nord Stage 2 !

    Aber dann wirst Du warscheinlich sagen ohne graphicfähigen Touchscreen und
    Karma 8 ist das `n Witz.

    Achja immer wenn Leute die Arpeggiatoren vermissen, erinnert mich das immer an kleine heulende Kinder deren Lolli auf `n Boden gefallen ist.

    Aber weißt Du was…

    kauf Dir ein Oasis! Das ist Dein Ding!

    Gruß (alles nicht so ernst nehmen)

  7. Matthias

    Naja Arpeggiator ist schon nicht verkehrt.Erspart ein lästiges Sequenzer öffnen und nur eine Hand freihaben zum schrauben.Viele unterschätzen den auch.Er ist eine gute Spielhilfe zum Soundz basteln.Ich mag ihn lieber als einen Sequenzer innerhalb eines Synthies.
    Clavia will halt aus dem Rahmen fallen und halt ,,speziell´´ sein was ja auch nie verkehrt ist.
    Allerdings wär für mich der Nordwave als Desktopversion mit Arpeggiator intressant:)
    (Hoffentlich liest das einer von Clavia;)

  8. Patrick

    Hab den Wave jetzt schon ein Jahr… Mal abgesehen, dass ein Arpeggiator wirklich cool gewesen wäre, sollte man nicht vergessen: das Gerät ist eher für Soundtüftler geschaffen. Wer Arpeggiatoren und viele Ausgänge braucht (Der Wave hat nur 2) soll sich ein NordLead X kaufen, die werden ja auch noch hergestellt…
    Der NordWave ist für eine andere Zielgruppe:
    Die Klangerzeugung ist viel erweiterter als beim NordLead und daurch auch vielseitiger… gemäss Clavia sind darum nur 2 Slots in das Teil eingebaut und der Arpeggiator weggefallen. DIe Klangsynthese-Möglichkeiten sind aber gerade mit dem einladen von Samples und den Wavetables unzählige Male höher als beim NordLead…
    Ich würds mal so sagen: Wer mit dem NordLead oder Virus noch Klänge vermisst ist mit dem NordWave richtig. Wem die KlangsyntheseMöglichkeiten des NordLead oder Virus genügen braucht den NordWave nicht…
    Ich persönlich nutze das Gerät noch nicht zu 100%, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden…
    Persönlich möchte ich jedoch betonen (Hab ein NordRack & Virus als Vergleich): Die Klangsynthese im NordWave ist genial und definitiv vielseitiger als im Virus oder Lead… Zudem sind die Klänge wesentlich satter als beim NordLead womit das Gerät zumindest Klangmässig von der Sattheit an den Virus rankommt… Speziell der TubeAmp/EQ/Delay, die Wavetables & das arbeiten mit den Samples ist genial… Clavia rückt mit diesem Gerät in den Samplemarkt vor und bedient somit auch jene, die mehr als nur vorgefertigte Presets benötigen wollen. Das Geld Wert aber nicht jeder weiss das Gerät si zu nutzen… (ich inklusive 😉 )

  9. Moritz

    Hallo,

    kann mir jemand der ein Nord Wave hat sagen ob man da noch eine MIDI-Tastatur anschließen kann und damit zum Beispiel gleichzeitig einen 2. Sound abspielen kann?

    Ich hoffe ich bin hier mit meiner Frage an der richtigen Adreesse, im Keyboard-Shop habe ich nur ein ja/vielleicht/eventuell/müsstegehen bekommen.

    vielen Dank und viele Grüße,

    Moritz