Monströser Sound und Prozessorverbrauch

lush101b Kopie

Dieser Softsynth erscheint ein wenig aus der Zeit gefallen: Emulationen von Synthesizer-Klassikern mit subtraktiver Synthese für den Rechner sind in den letzten Jahren immer seltener geworden, mal abgesehen vielleicht vom gerade erschienenen Monark von NI. Und selbst mit dem Namen verweisen die Emulations-Spezialisten von D16 auf die Vergangenheit, nämlich den Roland-Klassiker SH-101. Doch auch wenn der Lush 101 teilweise auch auf dessen Architektur aufbaut – er kann viel mehr.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 170


Struktur
Basis des Lush-Sounds sind acht unabhängige Layer – die, über den gleichen Midi-Kanal angespielt, auch zu einem Monster-Synth zusammengefasst werden können. Jeder Layer steuert zwei Oszillatoren, einen Noise-Generator und einen Suboszillator, deren Klang von einer einfachen Filtersektion mit resonierendem Multimode-Filter und passivem Hochpass geformt werden. Schön: Die Filterschaltung lässt sich von “Normal” auf “SH-101” umstellen, eine Emulation der instabileren Schaltung der 101. Auch die zwei LFOs und Hüllkurven können auf 101 gebürstet werden – letztere sind schnell genug für knackige Drumsounds. Auf jeden Layer kann ein Insert-, bis zu drei Send-Effekte, EQs und Kompressoren angewendet werden. Auch wenn so viel Nachbearbeitung und Mixing nicht unbedingt im Synthesizer passieren muss: die Klangqualität ist durchweg sehr gut. Vor allem der “String Ensemble”-Effekt hat mich überzeugt.

Modulation und Arpeggiator
Die Modulationsmatrix ist vergleichsweise einfach: neun Quellen modulieren mit einstellbarer Intensität fast alle Parameter der Klangerzeugung. Der sonst wenig auffällige Arpeggiator ist gleichzeitig ein Chorder, hat Swing und kann für jeden Layer separat eingestellt werden, wodurch sich prima rhythmische Verschiebungen erzeugen lassen.

Automatisieren
Die schiere Menge an Parametern sprengt die VST-Grenze von 128 addressierbaren Parametern deutlich. Wohl deswegen steht zunächst kein einziger als Automatisierungsziel zur Verfügung – sie müssen auf einer eigenen Oberfläche per Dropdown-Menü zugewiesen werden. Gerade bei komplexen Sounds mit mehreren Layern ist das ganz schön unübersichtlich. Beispiel Ableton Live: Erst den Parameter im Menü finden, auswählen, dann in Ableton auf “configure” klicken, den Parameter auf der Lush-101-Oberfläche finden, anklicken und schließlich noch dem angeschlossenen Midi-Controller zuweisen. Das sind definitiv ein paar Klicks zuviel.

Fazit
D16 müssen noch an diversen Ecken und Enden feilen. Das Lush-Interface zeigt zwar nicht zu viele Parameter auf ein Mal an. Aber gerade auf einem Laptop ist es immer noch viel zu groß: mit ausgeklappter Tastatur deckt es auf einem 15-Zöller fast die Hälfte des Monitors ab. Zudem ist die Front auch noch schlecht lesbar. Und warum ist die Parameter-Zuweisung so umständlich? Ein paar sinnvolle Presets oder eine clevere Lernfunktion tun wirklich Not.
Auf der anderen Seite überzeugt die Klangqualität des Lush 101, auch wenn die ob der Komplexität viel Rechenkraft benötigt. Ein paar CPU-Optimierungen stehen auf meiner Wunschliste, denn selbst manche Presets zwingen auch flotte Rechner schon in der normalen Sound-Qualität in die Knie.
Wer sich einen Eindruck von Klang und Benutzbarkeit des definitiv interessanten Softsynths machen will, kann die Demo-Version dreißig Minuten uneingeschränkt ausprobieren. Sollte man auf jeden Fall vor dem Kauf ausprobieren.

Preis: 149,- Euro

D16