Digitaler DJ Mixer von Ecler mit allen Schikanen

Der Evo5, das neue Flaggschiff von Ecler, ist eine prall gefüllte digitale Konsole, die keine Wünsche offen lässt: Ein 5-Kanal-Mixer mit interner Soundkarte (Wandler mit bis zu 24 Bit und 96 KHz), Firewire-Schnittstelle für bis zu 12 (Mono-) Ein- und Ausgänge und voller (Midi-) Integration von u.a. TRAKTOR Scratch (das Interface ist integriert) und Ableton LIVE 6 für den Haus-, Hof-, Club- und Studioeinsatz. Er verfügt zudem über eine dicke Effektsektion (mit 48 vordefinierten, erweiterbar auf bis zu 64) und geht mit dieser Ausstattung weit über das hinaus, was konventionelle Mischpulte zu bieten haben. Wir haben uns die Kiste mal genauer angesehen …

von Philipp Bullwein aus De:Bug 123

Was der alles kann
Trotz der umfangreichen Ausstattung sieht alles sehr aufgeräumt aus: Die klassischen Mixer-Funktions- und Bedienelemente links, die Mastersektion rechts und dazwischen das große (Farb)-Display und Potis zum Steuern der Effekte, dazu aber später mehr. Die Line-Fader können auch als Midi-Controller fungieren, beispielsweise mit Ableton LIVE. Da wir den Test im Rahmen unseres DJ-Specials machen, bleiben die Funktionen hier aber außen vor. Die Kanäle können frei (als Midi- und Audiokanäle) miteinander kombiniert werden (Im Fall eines Midikanals sind alle EQ-Potis und der Fader am Kanalzug Controller). Neben den vier (Phono/Line-) Kanälen ist ein Mikrofonkanal mit zwei symmetrischen XLR-Eingängen. Jeder Kanal ist mit einem Dreiband-EQ ausgestattet, der im Menü – das erste Highlight! – selbst eingestellt werden kann: Die Frequenzbänder und deren Flankensteilheit sind justierbar, die Einstellungen gelten dann für jeden Kanal, wenn er zugeschaltet wurde. Einzig der EQ des Mikrofonkanals kann separat eingestellt werden, ansonsten gelten die EQ-Einstellungen für alle Kanäle. Allesamt können sie in Echtzeit nachgeregelt werden. Die Drehpotis machen ebenso wie die Fader an den Kanalzügen und der Crossfader einen sehr soliden Eindruck, sind leichtgängig und intensiver Beanspruchung auch langfristig gewachsen. Weiter verfügt jeder Kanal über eine Pegel-LED-Anzeige, die, das kennt man ja von anderen Pulten, trotz des Gains bei null, schon leicht das Rot touchiert wird. Macht nichts, leicht runter damit und los geht´s. Unterhalb der (Line-) Fader ist der Crossfader per Kippschalter zuweisbar, dabei kann jeder Seite nicht nur exklusiv ein, sondern auch mehrere Signale zugewiesen werden. Also kann mit allen Signalen gleichzeitig gearbeitet werden (die Crossfaderzuweisung jedes Kanals ist optional). Das Verhalten der Line- und des Crossfaders kann rechts vom Crossfader eingestellt werden. Im Display wird dann der Verlauf sogleich angezeigt, ohne dass man erst im Menü umhernavigieren muss. Das ermöglicht reibungsloses Arbeiten, durchdacht und überaus sinnvoll. Zum Vorhören gibt es gleich zwei Kopfhöreranschlüsse, Miniklinke und Klinke, die nicht separat regelbar sind. Jeder Kanal kann per PFL-Taste vorgehört werden, der Pegel des Ausgangssignals mit dem Poti daneben anteilig hinzugemischt werden, das Effektsignal kann – global – per FX – PFL Taste hinzugeschaltet werden. Auch das ist äußerst sinnvoll, die Effekte wollen wir uns aber später näher ansehen. Insgesamt gibt es zwei Stereoausgänge, von denen nur einer symmetrisch (XLR) ist. Da hier auf den Clubeinsatz abgezielt wird, wäre ein zweiter Anschluss – für den Monitorweg – durchaus noch eine prima Ergänzung gewesen. Apropos Clubeinsatz: Der Ausgangspegel kann im Menü sogar mit einem Limiter belegt werden. Beide Ausgänge können separat geregelt werden.
Den Test mit Traktor 3 bestand der Evo5 dann mit ebensolcher Bravour wie mit CDs und Plattenspielern. Da in den Midi-Settings bereits Einstellungen dafür vordefiniert sind, kann ohne großes Konfigurieren losgelegt werden. Laptop per Firewire dran und los geht´s. Spannend ist dabei, dass jeder Controller am Evo5 selbst definiert werden kann. Der interne ASIO-Treiber lässt keine Wünsche offen, den Test beeinträchtigte keine nennenswerte Latenz. Das persönliche Setting kann gespeichert werden.
Der Klang des Evo5 ist sehr prägnant und klar und lässt keine Wünsche offen. Man sieht bei der Ausstattung, dass die DJ-Mixer-Funktionen kaum ausschließlich betrachtet werden können, weil die Kiste über eine Unmenge an digitalen Zusatzfunktionen verfügt, die allesamt spannend sind und um deren Einsatz man, egal wie oldschool man da ist, nicht umhin kommt.

Effekthascherei
Nun noch zu den Gimmicks: Die Effekt-, Midi- und Standard-Geräteeinstellungen des Evo5 können bequem über die Tasten oberhalb des Displays aufgerufen werden. Da finden sich sämtliche Frequenz- und Phasen-Modulationseffekte, die das Herz so begehrt: Phaser, Flanger, LFO und Vocoder, Delay, Reverb und Filter und verschiedenste Kombinationen. Eine Menge Holz, bei der man schnell vergisst, dass es sich ja hier im Test “nur” um die Funktionen als DJ-Mixer drehen soll. Durch die Liste wird per Drehpoti gescrollt. Die vier Silbernen, die sich unterhalb des Displays befinden, haben etwas mehr Spiel als die der EQs. Sechs Effekte können festgelegt werden, die dann per Shortcut im Effektmenü aufgerufen werden. Bei dieser langen Latte praktisch und sehr hilfreich. Bis zu vier Parameter jedes Effekts können geregelt werden. Die verschiedenen, die wir davon ausprobierten, klingen sehr ausgereift und frisch und geben einem durch die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten unsäglich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Die Parameter zweier Effekte können gleichzeitig gespeichert und aufgerufen werden. Eigene Effekte können außerdem erzeugt und gespeichert werden. Alle Parameter können natürlich auch in Echtzeit verändert werden. Die Menüführung ist nach kurzer Aufwärmphase verständlich, summa summarum also ein dickes Paket an Features, die sehr ausgereift sind und großen Spaß machen.

Zu guter Letzt
Ein Mixer dieser Größenordnung verlangt erst mal eingehende Beschäftigung mit der Gebrauchsanweisung, bevor da was rauskommt, könnte man denken. Die Menüführung und der Aufbau sind aber so durchdacht und klar, dass man sehr flott loslegen kann. Besonders die volle (Midi-)Integration und die Effekte eröffnen einem Möglichkeiten, die weit über das hinausgehen, was man an herkömmlichen Ansprüchen an einen Mischpult stellt. Beim Design des Evo5 wurde auf Understatement gesetzt. Er kommt nicht nur sehr aufgeräumt und übersichtlich daher, sondern auch ansehnlich. Das rundet die Maschine sympathisch ab. Seine Maße sind etwas klobig und daher gewöhnungsbedürftig, die Ausstattung und komfortable Bedienbarkeit rechtfertigen das aber. Gemessen an seinen der Ausstattung, Größe und dem Preis ist der Evo5 ein Mischpult, das in der ersten Liga spielt.

Straßenpreis: 1699 Euro

Anschlüsse:

Eingänge: 4 Phono, 4 Line, 2 XLR, 1 Midi
Ausgänge: 1 XLR, 2 Cinch, 1 Midi
+ 2 Firewireanschlüsse

Ecler

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