Die Monomachine hat sich über die Jahre zu einem echten Standard und oft benutzten Livetool unter den modernen Klangerzeugern gemausert.

Die Monomachine hat sich über die Jahre, vielleicht nicht ganz so schnell und so erfolgreich wie der Drumcomputer-Gegenpart Machinedrum, zu einem echten Standard und oft benutzten Livetool unter den modernen Klangerzeugern gemausert.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 127

Übersicht
Die Monomachine ist nicht nur ein ausgewachsener Digitalsynthesizer, sondern auch ein sehr vielfältiger Sequenzer. Für die fünf verschiedenen Mono-Klangerzeuger stehen sechs Sequenzerspuren bereit, dazu kommen 18 synchronisierbare LFOs, die man fast nach Belieben routen und sich auch gegenseitig modulieren lassen kann. Dazu gibt es noch einen sechsspurigen MIDI-Sequenzer (auch hier kann man die LFOs nutzen) und diverse Effekte.

MK2
MK2 heißt bei Elektron, dass die Monomachine nun wie die Machinedrum auch in einem kleineren Gehäuse untergebracht ist. Außerdem hat sie einen verbesserten Rauschabstand, ein international einsetzbares Netzteil und die Fähigkeit, eigene Wellenformen für die Wavetablesynthese zu nutzen, aber dazu später.

Klangerzeugung
Die Monomachine bietet fünf verschiedene Klangerzeugungs-Algorithmen, die eigentlich fast das gesamte Spektrum bewährter Syntheseformen abdecken. Eine Spezialität von Elektron ist seit dem ersten Gerät, der Sidstation, der Sound des Commodore-64-Soundchips. In der Monomachine ist diese Syntheseform zwar etwas abgespeckt im Vergleich zur Sidstation, entfaltet aber trotzdem ihren pixeligen Charme. FM+ bietet klassische FM Synthese mit allem Drum und Dran. VO ist ein Voice Modeling Algorithmus, der schon ein wenig Einarbeitungszeit braucht, damit man einigermaßen verständliche Worte aus ihm herausbekommt und er in etwa so klingt wie der MIDI Talking Synth von Flame. Zielloses Lallen, abgeschmeckt mit ein paar LFOs, kann übrigens damit ziemlich lustig sein. SuperWave ist für die klassische Analogsynthese zuständig, wobei der Sound zwar sehr durchsetzungsstark und fett sein kann, aber nie allzu analog klingt.
DigiPro ist eine Syntheseform, die auf digitalen Wellenformen im 12-Bit-Format beruht. Auf der alten Monomachine kann man sie zwar auch nutzen, allerdings nur mit den internen Wellenformen: Neben einer Percussion-Variante, die ähnliche Sounds wie die Machinedrum erzeugt, gibt es noch eine Machine für harsch-digitale Sounds. Zwei weitere Varianten sind der neuen Monomachine vorbehalten und können aus zwei Wellenformen einen Oszillator erzeugen sowie Akkorde aus einzelnen Wellenformen machen. Die Monomachine kann 64 Wellenformen speichern, die bei der MK2 auswechselbar sind, man kann also seine eigenen Samples einladen, muss dafür aber die Werkswellenformen überschreiben.

Sequenzer und Effektgerät
Der Sequenzer beruht auf dem guten alten XOX-Prinzip, kombiniert mit Parameter Lock. Es gibt einen Arpeggiator pro Spur, Slide, Swing, Transpose zum Transponieren von Spuren, alles, was man halt so brauchen kann. Eine Besonderheit sind die Trig Tracks für die interne Klangerzeugung, mit denen sich die Trigger für die VCA-, die Filter-Hüllkurve und den LFO separat neustarten lassen. Sehr nützlich als Performancetool: die Multitrig Funktion. Mit ihr lassen sich alle sechs Synthesizerspuren gleichzeitig steuern, transponieren oder auch mit einer Hüllkurve versehen, die auf alle Sounds wirkt.
Wer mehr als sechs Spuren des MIDI-Sequenzers braucht oder die Monomachine nur als Sequenzer einsetzen will, kann auch die sechs Spuren für die interne Klangerzeugung zur MIDI-Ausgabe heranziehen. Als Effektgerät und Filterbox fungiert die Monomachine mit den Thru Machines: Externe Signale können nach Herzenslust mit den internen Effekten bearbeitet und gefiltert werden.

Bedienung
Das Kit-Prinzip (ein Kit enthält alle Parameter für alle genutzten Klangerzeuger, deren Einstellungen und die des MIDI-Sequenzers für alle sechs Spuren) dürfte Elektron-User nicht vor größere Probleme stellen (außer wenn man mal wieder aus Versehen ein Kit überschreibt), für alle anderen ist es gewöhnungsbedürftig. Ansonsten ist die Monomachine MK 2 ein Ausbund an Zugänglichkeit und Funktionalität: Wo auch immer man dran schrauben möchte, es ist selten mehr als drei Tastendrücke entfernt.

Ähnlich wie die Machinedrum hat die Monomachine einen charmant-rauhen Sound, der seine digitale Herkunft nicht verleugnet, unverwechselbar, aber auch sehr vielseitig ist. Auch wenn ein Arpeggiator etwas sehr Abgelutschtes sein kann, mit der Monomachine macht er irgendwie einfach Spaß. Ein sehr vielseitiger Synthesizer mit ausgewachsenem Sequenzer, kleinem Effektgerät und Filterbox an Bord, der auch prima zum Steuern externer Geräte geeignet ist und dabei auch noch sehr handlich. Gut geeignet für den Liveeinsatz, aber auch im Studio nicht zu verachten. Viel Funktionalität zu einem angemessenen Preis.

Preis: 1290 Euro

Elektron

4 Responses

  1. dr-w

    die bedienung ist durchdacht, die verarbeitung gut. leider ueberzeugt mich der sound UEBERHAUPT NICHT!! cheapo digi kram…

    kommt soundtechnisch bei weitem nicht an die rozzbox ran. und selbst die billige korg emx klingt groessenteils phater (wenn auch mit mehr nebengeraeuschen…).

  2. raffo

    boah, ich fühl mich grad selber gleichzeitig cheapo und phato. das muss man erstmal hinkriegen.

  3. ron

    teile wieder mal uneingeschränkt die meinung des herrn doktor w. 😉

    ausserdem: die SID station ist/war keine emulation sondern ein environment für den SID chip, und der punktet ja unbestritten durch seinen analogen aufbau? naja, wer’s brauchen kann 😉

  4. Toumal

    Die Kritik am Sound ist sicherlich Geschmackssache. Aber ob’s einem nun gefaellt oder nicht, auf jeden Fall ist der Sound der MM sehr eigenstaendig. Hier von “cheapo digi kram” zu sprechen ist ungefaehr genauso sinnvoll wie einem Moog “analoges getute” vorzuwerfen. Breite Flaechen sind nix fuer die MM.

    Der Sequencer ist so ziemlich das beste was mir bisher untergekommen ist: Uneingeschraenkt livetauglich und dank Parameter locks sehr quirlig und verspielt. Durchdachte kleinigkeiten machen den Unterschied, so kann man z.b. bei den drehreglern durch gleichzeitiges druecken das Parameterstepping beschleunigen.

    20 Minuten nachdem ich meine MM bekam hab ich diese kleine Sequenz gebastelt, ohne externe effekte, sequencing oder dergleichen:

    http://www.playspoon.com/music/monomachinetest1.mp3

    Nur dass die MKII keinen Joystick wie die keyboardversion hat kann ich denen nicht verzeihen. Das waer fast noch sinnvoller als eigene wavetables. Achja, und kein USB, was ich auch seltsam finde.

    Summa summarum moecht ich meine MM nicht mehr missen. Das Ding schneidet bei Bedarf durch jeden Mix, die parameter locks sind genial und es ist kein Wunder dass Jungs wie R. Devine mittlerweile MM+MD immer dabei haben. Aber wie gesagt: Der Sound ist was eigenes. Definitiv keine Presetmaschine, und Brot-und-Butter muss man sich von woanders holen.