Duophones Basslineschliddern

Die Persephone Mark II ist der zweite Analogsynthesizer von Eowave mit Ribboncontroller und folgt im Design dem ersten, einstimmigen Modell. Allerdings finden sich hier vier Drehregler mehr, statt nur einem zwei Oszillatoren, ein USB-Anschluss für MIDI und – Tusch! – eine verbesserte Ribbon-Technik.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 148

Grundsätzlich fasst sich ein Ribbon Controller ganz anders an als ein Keyboard: Die Verbindung ist wesentlich direkter und intuitiver, schnell lassen sich Sachen spielen, auf die man sonst vielleicht nicht gekommen wäre. Per Scale wird die Bandbreite des Ribbon Controllers bestimmt: Sie umfasst wahlweise 1, 2, 5 oder 10 Oktaven. Der Ribbon Controller reagiert dabei sehr gut und sehr präzise auf die zwei Finger, auch die Druckempfindlichkeit sorgt für ein extrem ausdrucksstark spielbares Instrument abseits von Gepflogenheiten wie festen Notenabständen.

Spielen
Wer trotzdem zwischendurch in Halbtonschritten spielen will, kann das bei Bedarf aber auch tun. Ein etwas unbequemes Detail der ersten Persephone hat sich leider weitervererbt: Die Holzplatte, in die der Ribbon Controller eingelassen ist, misst etwa 4 mm und ist am Rand nicht abgerundet, was auf längere Sicht auf jeden Fall Hornhaut am Finger bedeutet und auch bei der Modulationswippe stört. Trotzdem macht das Spielen mit der Persephone Mark II Spaß, wenngleich es auch etwas komfortabler sein könnte.

Klangerzeugung und Modulation
Zwei Oszillatoren erzeugen den Klang, der sich mit einem LFO und einem 12dB-Filter mit Cutoff und Resonanz bearbeiten und vielfältig modulieren lässt. Durch die sechzehn verschiedenen Routings (acht davon sind vordefiniert, acht weitere kann man über einen Software-Editor selbst bestimmen) lassen sich die Klangparameter Lo Pitch, Hi Pitch, Filter Cutoff, VCA Lo, VCA Hi, Filter Mod1, Filter Mod2 und VCA den sieben Kontrollelementen zuordnen: Ribbon Pressure, Ribbon Controller Position 1 & 2, Modulationswippe, Pedal 1 & 2 und LFO stehen zur Verfügung. Da leider der Software-Editor noch nicht fertig war, bleibt dazu nichts weiter zu sagen.

Verbindung zur Außenwelt
Die Persephone Mark II bietet MIDI In und Out sowohl über entsprechende DIN-Buchsen, als auch über einen USB-Anschluß via Rechner. Die Auflösung der Controller-Daten des Ribbon Controllers ist mit 12 Bit (4096 Werten) deutlich höher als bei MIDI. Diese Controller-Flut goutieren nicht alle DAWs: So stockt Ableton bei der MIDI-Aufnahme kurz und der Bildaufbau kommt verspätet, bei Cubase und Logic hingegen gab es keine Probleme. Natürlich kann man den Ribbon Controller auch mit den analogen Freunden verbinden, wofür es vier CV-Ausgänge gibt. Schließlich lassen sich noch zwei Expression-Pedale anschließen. Was genau sich mit dem Software Editor außer der Belegung eigener Routings noch machen lässt, ist unklar, denn den konnte ich leider mangels Verfügbarkeit nicht testen.

Fazit
Im Vergleich zur ersten Persephone ist der Nachfolger deutlich aufgewertet worden, kostet aber mit 1290 Euro auch spürbar mehr. Der Preis sorgt dafür, dass die Zielgruppe relativ überschaubar bleibt, was angesichts der Möglichkeiten, die ein Ribbon Controller bietet, ziemlich schade ist. Wer bereit (und fähig) ist zu basteln, kann sich aus Einzelteilen von Eowave selbst und / oder Doepfer für etwa die Hälfte des Geldes etwas Vergleichbares bauen. Der Sound ist wie schon bei der ersten Persephone klassisch analog und druckvoll, die Zweistimmigkeit, die hinzugekommene Resonanz des Filters und die Routings erweitern das Klangspektrum aber noch mal deutlich, so dass man jetzt zum Beispiel auch problemlos resonant-röhrenden Oldschool-Acid machen kann. Nach wie vor ist sie aber prädestiniert für ausgefallene Effekte, slidend-funkige Basslines und thereminartiges Spiel. Die Verarbeitung ist solide und der Koffer auch ganz praktisch, wenn auch nicht unbedingt notwendig. Definitiv eine Empfehlung für alle Analogliebhaber mit dem etwas pralleren Portemonnaie und eingefleischte Fans der ersten Persephone, alle anderen sollten das gute Stück erstmal genauestens ausprobieren.

Preis: 1290 Euro

Eowave

Deutscher Vertrieb: SchneidersBuero

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