Field-Recorder mit vier Mikros

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Vier Mikrofone hören mehr als zwei. Das werden sich die Cheflöter beim normalerweise auf Gitarrenzubehör spezialisierten japanischen Hersteller Zoom gedacht haben, als sie ihren Field-Recorder H2 planten.

von Daniel Coenen aus De:Bug 119

Hinter der geschickten Tarnung als Altherren-Rasierer verbirgt sich neueste Aufnahmetechnik: Vier Electret-Mikrofonkapseln erlauben Stereo- und Surround-Aufnahmen auf SD-Speicherkarte – entweder in lupenreiner Wav-Qualität mit bis zu 24Bit/96kHz oder im MP3-Format (48-320 kbps). 512 MB Speicher liegen bei. Bei Bedarf lassen sich auch SDHC-Karten mit 4 GB verwenden, die dann in unkomprimierter CD-Qualität mehr als drei Stunden Surround-Sound fassen. Strom bekommt der Zoom von zwei AA-Batterien oder -Akkus, mit denen je nach Kapazität zwischen vier und acht Stunden lang aufgenommen werden kann.

Vier Aufnahme-Modi
Vor der Aufnahme wählt man mit zwei Pfeiltasten den Mikrofon-Modus: Die Front-Mikros haben einen 90-Grad-Aufnahmewinkel – gut für isolierte Sounds, Gesang oder einzelne Instrumente. Die Rück-Mikros (Rear) haben mit 120 Grad eine etwas größere Stereobreite. Um Sprecher oder Musiker aufzunehmen, die sich gegenübersitzen, kann auch in Stereo mit allen vier Mikros aufgenommen werden (2 CH Surround). Bei Vierkanal-Surround-Aufnahmen sind natürlich immer alle vier Mikros aktiv. Leider kann man die Aussteuerung nur für alle Mikros zugleich regeln oder vom H2 automatisch regeln lassen. Vor Übersteuerung schützen verschiedene Limiter- oder Kompressor-Presets sowie optische Warnungen. Nachträglich lässt sich die Balance zwischen den vier Kanälen allerdings über eine 3D-Matrix ändern. Schon im Recorder kann dann eine Stereo-Datei daraus generiert werden. So lässt sich bei Konzertmitschnitten oder Bandproben beispielsweise der von den Rückmikros aufgenommene Raumanteil mehr oder weniger stark hinzumischen. Auch einfache Schnitte und eine nachträgliche MP3-Wandlung sind im Gerät möglich, dauern aber sehr lange.

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Präziser Klang
Klanglich sind die Aufnahmen erstaunlich klar und rauschfrei. Sogar leise Geräusche und Atmo werden sehr plastisch aufgezeichnet. Beim Sample-Sammeln muss man nur etwas aufpassen, dass man sich keine Griffgeräusche einfängt. Ein Line-Signal und ein externes Stereo-Mikro mit Tonaderspeisung (2,5 Volt) lassen sich zusätzlich anschließen. Surround-Aufnahmen sind mit externen Mikrofonen nicht möglich. Sowieso bringen aber nur relativ teure Schallfänger einen hörbaren Vorteil gegenüber den eingebauten Kapseln, zum Beispiel die hervorragenden Ohrstöpsel-Mikrofone von Soundman. Außer als akustisches Notizbuch lässt sich der H2 auch als Metronom, SD-Kartenleser sowie als USB-Mikrofon für Podcaster und als externe USB-Soundkarte nutzen. Damit ist der handliche 199-Euro-Recorder deutlich vielseitiger als die teurere Konkurrenz.

Soundservice

Preis: 199 Euro

Abmessungen: 64 x 110 x 32 mm, 110 g

Lieferumfang: Tischständer, runder Handgriff, Beutel, Schaumstoff-Windschutz, 512 MB SD-Karte, Ohrhörer, Netzteil

3 Responses

  1. krake

    Ich war überrascht, wie wenig windanfällig der H2 ist, wenn man den mitgelieferten “Windschutz” (der eigentlich nur ein etwas dichterer Standard-Mikro-Schaum ist) benutzt.

    Ich habe einige Mitschnitte von Konzerten befreundeter Musiker in kleineren Clubs gemacht. Auch dort hat der H2 mich überrascht, wie gut er klingt und wie übersteuerungsresistent er ist.

    Die einzigen negativen Eigenschaften sind für mich, dass er recht langsam startet, man die Mikros nicht mehr umschalten kann, wenn man in Aufnahmebereitschaft steht und dass man dreimal auf Aufnahme drücken muss, um die erste Aufnahme zu starten — da sind mir trotz optischer Kontrolle schon ein paar Aufnahmen misslungen.

    Im Gegensatz zum rezensenten war ich überrascht, wie *wenig* Griffgeräusche das Gerät einfängt (ohne den “Griff”, der als Mikrophonstativadapter gemeint ist).

    Bisher präferiere ich die vorderen Mikrophone (90°), da die 120° mir einen etwas zu breiten (und damit schwammigeren) Sound machen. Vielleicht muss ich es noch mal mit breiteren Quellen probieren…

  2. DasDAS

    Sehr gutes Teil, bekommt viel Liebe hier bei uns (hab mir auch eins geholt). Billig, handlich, immer dabei.

  3. klaus

    Guten Tag,
    ich suche einen Kurs in dem ich den Gebrauch eines Zoom H2 erlernen kann am besten in Berlin oder Umgebung.
    Gruß Klaus