MIDI Jammer und universeller Remote-Controller

FLAME verfolgen mit ihren Geräten seit jeher eine ganz eigene Philosophie, bei der das spontane Musikmachen und Improvisieren immer im Vordergrund steht. Das war so beim MIDI Talking Synth, beim Echometer und beim Clockwork. Der neue Six-In-A-Row passt da genau ins Konzept, ist aber zusätzlich noch programmierbar.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 138

Übersicht
Der Six-In-A-Row steckt im gleichen kompakten Alu-Gehäuse wie alle anderen FLAME-Geräte und passt damit in praktisch jede Jackentasche. Auf einer Matrix von 6 x 9 bevölkern insgesamt 54 hintergrundbeleuchtete Gummitaster die Oberfläche, die je nach Zustand grün, rot oder orange leuchten. Oben gibt es noch ein kleines beleuchtetes LCD-Display, daneben befindet sich ein klickbarer Endlosdrehregler. Anschlussseitig bietet er MIDI In und MIDI Out sowie einen USB-Port, der aber nur für Software-Updates gedacht ist und kein MIDI versteht. Momentan hat der Six-In-A-Row zwei Modi: den MIDI Phrase Sequenzer und den MIDI Remote Modus, den man mit eigenen Belegungen programmieren kann.

MIDI Phrase Sequencer
Grundsätzlich hat der MIDI Phrase Sequencer einen sehr Jam-orientierten Ansatz: Er ist immer im Aufnahmemodus: Was über die LED-beleuchteten Taster gespielt wird, wird direkt aufgenommen und ist im Nachhinein nicht editierbar. Überspielen und abspeichern kann man jederzeit, aber nur in einer in vier Takte geteilten Sequenz. Jeder der Takte ist einzeln aktivierbar, so dass man die Sequenz im Betrieb variieren kann. Insgesamt kann auf fünf verschiedenen Spuren aufgenommen werden, denen sich jeweils andere MIDI-Kanäle zuweisen lassen, die ebenso weiterhin jeweils in zwei Melodie- und drei Drumspuren aufgeteilt sind. Die oberste Tastenreihe ist mit einem Start/Stop-Taster, den vier Tasten für die Aktivierung der Takte und einer Shift-Taste belegt, mit der weitere Funktionen aufgerufen werden können, die darunterliegenden Tasten triggern MIDI-Noten. Die eingespielten Noten werden automatisch quantisiert und spielen wählbare Phrasen und Rhytmuspattern ab. Für die Melodiespuren stehen Scale/Grundton, Akkorde, Arpeggios, Phrasen, Pulse, Single Note, Velocity, Mute und Hold zur Verfügung, die man über die Shift-Taste wählt und mit dem Endlosdrehregler editieren kann. Damit man dabei grob den Überblick behält, wird der Taster des Grundtons und der darauf folgenden Oktaven in Grün angezeigt, die eingespielten Noten leuchten bei jedem Durchgang orange auf. Bei den monophonen Drumspuren lassen sich je vier Tasten mit einer Note belegen, auf sechs weitere kann man Phrasen ablegen, die dann beim Spielen gewechselt werden können. Das Konzept mag erstmal gewöhnungsbedürftig klingen, erweist sich aber nach kurzer Zeit als erstaunlich intuitiv bedienbar.

MIDI Remote
Im MIDI Remote Modus kann man eigene MIDI-Anpassungen erstellen, die sich mit Max/MSP, Pure Data, Reaktor oder Logic Environments programmieren lassen. Dies geschieht über MIDI Control Changes und Note-On/Off-Befehle, mit denen sich auch die LEDs steuern lassen. So sind mit ein wenig Arbeit das Basteln eines Stepsequenzers oder die Fernsteuerungen für Instrumente und Programme möglich.

Fazit
Der Six-In-A-Row soll zukünftig neue Modi erhalten, die umsonst per Update über die FLAME-Seite verfügbar sind. Naheliegend angesichts der Ableton-Controller-Flut gibt es auch schon eine Betaversion eines Clip-Sequencers für Live, die im Dezember fertig gestellt wird.
Auch wenn der MIDI-Phrase-Sequencer in der Beschreibung vielleicht eher ungewohnt wirkt, macht er enorm Spaß und bietet mit den Phrasen eine ganze Menge Möglichkeiten, spontan Basslines, Synthsequenzen, Chords und Drums zu spielen, auf die man sonst vielleicht nicht so schnell gekommen wäre. Prima geeignet, um im Live-Betrieb mit jeglichem MIDI-fähigen Gerät oder Programm loszujammen. Außerdem bietet der Six-In-A-Row seine eigene kleine Lightshow, denn die LED-Taster sehen im Dunkeln ziemlich schick aus. Ein weiteres sehr interessantes Live-orientiertes Gerät von Flame, das bei der verhältnismäßig kleinen Auflage und der hochwertigen Fertigung von Hand mit knapp 300 Euro auch nicht zu teuer ist.

Preis: 299 Euro

FLAME

deutscher Vertrieb: SchneidersBüro