Filter-Gewitter, sequenzergesteuert

Vom anhaltenden Boom analoger Geräte kann die Klangbearbeitung aktuell kaum profitieren. Jomox hält jetzt dagegen und bringt mit dem Moonwind eine Filterbank ins Spiel, die Hochhäuser zum Einsturz bringen kann. Sherman-Fans: aufgepasst!

von Benjamin Weiss aus De:Bug 162

Der Moonwind ist in ein leicht angeschrägtes, schwarzes Desktop-Gehäuse aus Stahlblech eingebaut, auf dem reichlich Platz ist für die großzügig verteilten Drehregler und Tasten. In der Mitte sitzt ein zweizeiliges LCD-Display. Er hat zwei Eingangspärchen als große Klinke, einen Stereoklinkenausgang, ein MIDI-Trio und einen Anschluss für das (leider proprietäre) Netzteil. Die Eingänge sind zwar als Line ausgelegt, der Eingangsverstärker hat aber genug Hub, um auch eine E-Gitarre oder ein Mikro ohne zusätzliche externe Verstärkung auf Pegel zu bringen.

Struktur und Aufbau
Moonwind ist ein analoges Stereofilter mit zwei LFOs, Hüllkurvenmodulation und 15 digitalen Effekten. Die Master-Sektion besteht aus dem Gain, einem Dry/Wet-Regler und dem Master-Volume. Für beide Filter gibt es je einen großen Cutoff-Poti sowie einen Regler für Resonanz und Q, was sowohl breitbandiges Filtern als auch sehr präzise schmalbandige Eingriffe erlaubt. Über die Shape-Tasten kann die Filtercharakteristik gewählt werden: Tiefpass, Bandpass, Hochpass oder Notch. Die Filter können seriell, parallel und in zwei Feedback-Varianten verschaltet werden. Bei der ersten wird der Ausgang des linken Filters in den Eingang des rechten Filters geschickt, gleichzeitig der Ausgang des rechten in den Eingang des linken. Die zweite Variante verstärkt das Feedback, indem vorher noch beide Ausgänge parallel gemischt werden. Die Schaltungen sind interessant und erlauben markerschütterndes Kreischen, sind dadurch aber auch potenziell nicht ungefährlich für Ohr und Anlage. Zusätzlich zu den Filtern gibt es einen Satz von 15 Digitaleffekten, die jeweils vor oder hinter den Filtern, aber auch allein genutzt werden können. Neben Standards wie Hall, diversen Delays, Flanger und Chorus gibt es hier auch Bitcrusher, Warp Tracker, Wave Guide und andere Spezialisten. Die Effekte klingen auch allein ziemlich gut, entfalten ihre volle Wirkung aber vor allem im Zusammenspiel mit den Filtern.

Sequenzer und MIDI
Sämtliche Parameteränderungen der Filter können im Step-Sequenzer auf 32 Speicherplätzen aufgenommen werden, der sich auch per MIDI-Clock extern synchronisieren lässt, frei laufen kann oder selbst das Tempo vorgibt. Zum Aufnehmen muß lediglich kurz “Record” gedrückt werden, schon wird jede Reglerbewegung registriert. Steps werden nur geändert, wenn auch tatsächlich Regler bewegt werden und können bei Bedarf nachträglich separat editiert werden.
Bei einer 1/16-Auflösung sind Sequenzen mit maximal vier Takten möglich, durch die Änderung des Teilerwertes, der Länge und der Auflösung lassen sich auch Rhythmen jenseits des 4/4-Takts realisieren. Über Note-On-Befehle kann man den Moonwind auch beinahe wie einen Synthesizer spielen: Sie steuern die Cutoff-Frequenz und wenn die Resonanz entsprechend hoch ist, führt das dazu, dass sie fast die gespielten Noten treffen.

Bedienung und Haptik
Der Moonwind ist, was die Bedienung angeht, extrem übersichtlich und logisch aufgebaut: Viel Platz zwischen den Drehreglern, eine ergonomisch sinnvolle Oberfläche, weiße Beschriftung und eine flache Menüstruktur sorgen auch im schummrigen Halbdunkel für die nötige Übersicht und schnelle Lernfortschritte. Dabei gelingt Jomox mit dem Moonwind der Spagat zwischen ausufernder Improvisation und der nötigen Kontrolle, sowie dem direkten Zugriff an der richtigen Stelle.
Immer wieder fallen kleine Details auf, die die langjährige jomox’sche Erfahrung mit Live-Equipment deutlich machen: So lassen sich zum Beispiel Presets und Sequenzen sowohl über die Up/Down-Tasten direkt anwählen, aber auch mit dem DATA-Encoder suchen und dann durch Klicken auswählen, oder aber in hektischen Situationen mit einem kurzen Antippen der Zugriff auf die Regler sperren.

Fazit
Der Moonwind ist ein robustes Killertool für alle, die auf live bedienbare Filter mit dem gewissen Etwas stehen. Anders als bei der legendären Sherman-Filterbank läuft man (vorausgesetzt, man übertreibt es nicht mit den Feedbackschaltungen) beim hemmungslosen Drauflosfiltern dabei nicht Gefahr, Trommelfell und Anlage aus Versehen zu zerstören, was aber nicht heißen soll, dass der Moonwind unnötig gezähmt wäre. Er ist einfach sehr gut parametrisiert. Der Sound der Filter ist sehr satt und fett, kann böse und schrill klingen, aber auch klar, durchsetzungsfähig und ist dabei äußerst vielfältig. Die Kombination mit den Effekten und den LFOs sorgt dafür, dass das Eingangssignal auch gern mal Nebensache wird. Neben dem Live- und Studioeinsatz als Master-Effekt ist der Moonwind aber auch gut geeignet für die Bearbeitung von Einzelspuren, egal ob es dabei um wilde Effekt-Cluster, gezieltes Filtern oder auch reine Standardeffekte wie Delay oder Hall geht. Robust gebaut, intuitiv bedienbar, vielseitig und charakteristisch im Klang, was will man mehr? Eben.

Preis: 729,- Euro

Jomox

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