Zwei MS-10 für die Hosentasche...

Die Emulation des Analog-Klassikers MS 20 auf dem Nintendo DS war eine der Nachrichten dieses Jahres. Korgs Tischhupe aus den 1970er Jahren rockt auf dem Handheld gnadenlos.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 125

Korg hat ja als einer der wenigen großen Instrumentenhersteller schon seit geraumer Zeit einen Narren gefressen an kleinen, praktischen Interfaces, die sehr portabel sind und gleichzeitg viel können. Beispiele dafür wie die Kaoss Pads und der Kaossilator belegen eindrucksvoll, dass ein Gerät nicht groß sein muss. Die sind aber auch alle aus eigener Produktion. Dass man mit dem kleinen Nintendo DS auch Musik machen kann, die über ein bisschen Videogamegedudel hinausgeht, hat bisher eigentlich nur die Homebrewszene unter Beweis gestellt. Umso überraschter reagierten alle auf die Ankündigung des Korg DS-10, einer MS-10-Emulation auf der Nintendo DS, die Korg in Zusammenarbeit mit der relativ kleinen Spieleschmiede AQ Interactive entwickelt hat.

Die Instrumente
Der DS-10 kommt mit zwei Synthesizern und vier Drumsynths, die jeweils zwei Oszillatoren bieten und in fünf verschiedenen Oktaven gespielt werden können. Die zwei zueinander synchronisierbaren VCOs kommen mit Dreieck, Sägezahn, Rechteck und Rauschen als Wellenformen. Der Anteil der beiden VCOs am Sound wird mit dem VCO-Balanceregler bestimmt, als Filtertypen stehen Tiefpass, Bandpass und Hochpass bereit, die Filter haben natürlich Cutoff Frequency und Resonanz. Dazu gibt es noch eine ADSR-Hüllkurve, die den VCA steuern kann, aber nicht muss, denn der lässt sich auch gaten. Patchen kann man natürlich auch, nicht ganz so exzessiv zwar wie bei Korgs Legacy Collection (aber mit den gleichen animierten Schlabberkabeln), allerdings sehr effizient: Für jeden Synth gibt es einen LFO, der wahlweise zur Geschwindigkeit synchronisiert oder frei laufen kann, und Sinus, Dreieck, Rechteck oder Sample & Hold rausgibt. Steuern kann man damit dann Master Pitch, VCO1 und VCO2 Pitch separat, Cutoff und VCA, wobei die Modulationsintensität über jeweils eigene Drehregler bestimmt wird.

Der Sequenzer
Der Sequenzer basiert für alle Instrumente auf dem XOX-Prinzip, Patterns können von einem bis maximal 16 Steps haben, Swing/Shuffle gibt es auch. Pro Session können 16 Patterns erstellt werden, aus denen man dann einen Song mit bis zu 99 Takten machen kann. Der Sequenzer für die Synthesizer kommt mit insgesamt sechs Seiten und einer KAOSS-Oberfläche. Auf den sechs Seiten finden sich die Parameter Note, Gate, Volume, Pan sowie KAOSS X und KAOSS Y. Das lässt sich schon sehr intuitiv bedienen, aber richtig interessant wird es mit den KAOSS Pages, die ihren Namen nicht umsonst tragen: Wie bei den KAOSS Pads werden zwei Parameter über eine X/Y-Matrix gesteuert. Davon gibt es gleich drei, die erste ist mit Gate & Note belegt, die zweite (für mich nicht ganz so nachvollziehbar) mit Volume und Pan und die dritte lässt sich individuell mit allen Parametern der Synths belegen, was extrem viel Spaß macht und zum Rumspielen einlädt. Sequenzen kann man also nicht nur setzen, sondern auch über die KAOSS Page oder das Keyboard einspielen und direkt aufnehmen.

Mixer & Effekte
Der DS-10 besitzt einen rudimentären Mixer mit Mute und Solo sowie Panning. Einen Equalizer gibt es nicht. Drei Effekte sind mit dabei (Delay, Flanger und Chorus), die sich wahlweise auf einzelne Spuren, nur die Synths, nur die Drums oder auf alles legen lassen, entweder synchronisiert oder freilaufend. Sowohl Flanger als auch Chorus besitzen ungewöhnlicherweise je einen LFO, was sie wieder ein bisschen interessanter macht.

Sound
Ziemlich eindrucksvoll, was Korg aus dem Nintendo DS rausholt, das nicht unbedingt mit seinem großartigen Audioausgang punkten kann: Natürlich klingt es nicht wie ein echter MS-10, aber trotzdem erstaunlich warm, verhältnismäßig bassig und zwar zuweilen etwas rauschig, aber nie pixelig. Da habe ich schon deutlich schlechtere virtuelle Synths gehört, sowohl als Software als auch als Hardware.

Fazit
Bisher ist Korg DS-10 nur in Japan zu haben (über den Umweg von Onlineshops wie YesAsia oder dem japanischen Amazon kann man es aber schon bekommen), es dürfte wegen des großen Erfolgs aber nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch hier erhältlich ist. Viel mehr als bis jetzt schon dürfte aus der kleinen Konsole wohl nicht herauszuholen sein, das Einzige, was mir daran noch fehlt, ist die Möglichkeit zur externen Synchronisation via Midi (das Homebrew-Midi-Protokoll DSMI wird leider nicht unterstützt), aber schon jetzt können bis zu vier DS-10-Besitzer zusammen spielen, synchronisiert über das DS-WiFi. Ansonsten kann man nur sagen: Hut ab vor der großartigen Programmierung, die neben dem prima GUI auch den Sound nicht außer acht gelassen hat. Schön wäre auch noch die Möglichkeit, Tracks als Audiofile zu exportieren, aber das muss man dann halt in Echtzeit machen.

AQ Interactive
Preis: 4800 Yen (ca. 29,50 Euro)
Systemvorraussetzungen: Nintendo DS oder DS Lite

Update: Ab dem 10. Oktober gibt es das Korg DS-10 auch in Europa, vertrieben wird es von Nintendo direkt

6 Responses

  1. Papa Hubi Diop

    Und wo/wie krieg ich jetzt dieses Teil in .eu ?

  2. nerk

    Na steht doch im Text: über yesasia.com oder amzon.co.jp. kannst aber auch einfach noch ein wenig warten, auf der deutschen korgseite (www.korg.de) haben sie es schon angekündigt!

  3. Papa Hubi Diop

    Danke danke.

    Der Game-Store meines Vertrauens wusste nichts von der .de-Ankündigung.

  4. nils

    nintendo vertreibt das ding in deutschland, es soll am 10. oktober hier erscheinen.