Raumkorrektur als Audio Interface und Monitor Controller

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Eigentlich sind die meisten Räume, die man heute so als Studio benutzt, nicht wirklich dafür geeignet: zu klein, falsch geschnitten, zu hallig, zu tot, weil mit Eierkartons und Schaumstoff zugepflastert. KRK will mit dem ERGO, einer Kombination aus Firewire-Audiointerface, Messmikrofon und Studiocontroller, das Problem lösen. Wir haben es ausprobiert.

von Benjamin Weiss aka Nerk in De:Bug 131

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Übersicht
Die Prozedur an sich geht relativ schnell und unkompliziert vor sich: Man pflanzt das Messmikro auf einen Mikroständer in Boxenhöhe, dann führt einen die Software durch den Messvorgang. Der erste Messpunkt direkt im Fokus der Boxen, also da, wo man sich mit seinen Ohren am meisten aufhält. Die anderen kann man nach Lust und Laune selbst bestimmen, nur hinter den Boxen dürfen sie nicht sein, das würde das Ergebnis verfälschen. In den meisten Fällen reichen vier Messpunkte aus. Falls der Messalgorithmus aber den Raum nur zu einem Prozentsatz unter 90% analysieren konnte, verlangt er nach weiteren Messungen, bis diese Hürde geschafft ist. Perfektionisten, die ihren Raum gern zu 100% analysiert hätten, können allerdings ewig weitermachen: KRK Ergo ist nämlich selbst perfektionistisch genug, um niemals vorzugeben, den Raum komplett analysiert zu haben.

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Ergebnis
Sobald das Ergebnis der Raumanalyse da ist, erstellt ERGO intern eine FIR-Filterkurve, die die Schwächen des Raumes im Frequenzbereich zwischen 20 und 500 Hz ausgleicht. Höhere Frequenzen werden nicht beeinflusst, allerdings sind die Probleme bei höheren Frequenzen in den meisten Fällen auch recht einfach und mit verhältnismäßig geringem finanziellen Aufwand zu bändigen. Ich habe das Ergo-System in zwei unterschiedlichen Räumen ausprobiert, in beiden Fällen hat es den Sound deutlich verbessert, was ich zugegebenermaßen nicht erwartet hätte.
Neben dem Einsatz zur Raumkorrektur ist das Teil auch Studiocontroller mit Anschlüssen für zwei Boxenpaare und Firewire-Interface. Die Firewire-Treiber unter OS X Leopard sind allerdings nicht ganz unproblematisch. Sobald man am Lautstärkeregler dreht, knackt das Interface ein wenig, außerdem hat sich ERGO im Firewirebetrieb überhaupt nicht mit meinem RME Fireface 800 verstehen wollen. Sobald der Raum ausgemessen ist, braucht man (falls man ein anderes Interface hat) allerdings die Firewirefunktionalität sowieso nicht mehr und kann Ergo wahlweise analog oder per S/PDIF mit Audiosignalen beschicken.
Schade, dass man sich die vom ERGO genutzte Filterkurve nicht anzeigen lassen kann, denn dann könnte man zumindest versuchen, die Korrektur auch mit baulichen Maßnahmen noch zu optimieren. Alles in allem zwar kein billiges Vergnügen, aber allemal günstiger, als den Akustiker zu bestellen. Außerdem ist Ergo transportabel, so dass man es immer dabei haben kann, egal wo man gerade Musik machen will.

KRK

Preis: ca. 600 Euro

Systemvorraussetzungen:

Windows: XP (SP2) oder Vista, 1GB RAM, FireWire
Mac: OSX 10.5.x, 1GB RAM, Firewire, Mac OSX 10.4.x ab Apple FireWire Treiber 2.2.0